Was gibt es Schöneres, als ein Hobby zum Beruf zu machen? Für Harald Rauhut erfüllte sich dieser Traum, nachdem er sich bereits als Schüler die Philatelie für sich entdeckt hatte. Die ersten bescheidenen Schritte als Auktionator für Briefmarken fanden dann 1988 zunächst im eigenen Wohnzimmer in Mülheim an der Ruhr statt, bevor sie an einen öffentlichen Ort verlegt wurden. Seit 1998 dient eine Fabrikantenvilla am Werdender Weg als Firmensitz, 2006 kamen weitere Räumlichkeiten hinzu. 2012 folgte die Übernahme des Berliner Auktionshauses Kruschel, sodass Harald Rauhuts Auktionshaus heute unter dem Namen Rauhut & Kruschel firmiert.
Im Auktionshaus Rauhut & Kruschel finden jedes Jahr sieben Versteigerungen von hochwertigen philatelistischen Schätzen statt, die mit viel Leidenschaft und hoher fachlicher Kompetenz präsentiert werden. Es freut uns daher, dass Herr Rauhut trotz seines vollen Terminkalenders die Zeit gefunden hat, unsere Fragen zu dem vielschichtigen Thema Philatelie zu beantworten.

Barnebys: Herr Rauhut, wie hat sich der Markt für Briefmarken in den Jahren allgemein entwickelt?
Harald Rauhut: Das Interesse hat sich gewissermaßen verändert. Im Allgemeinen ist natürlich ein Rückgang bezüglich der Anzahl der Sammler festzustellen. Jedoch sind immer mehr Philatelisten bereit, für absolute Spitzenstücke deutlich höhe Preise zu zahlen, als es noch vor zehn oder zwanzig Jahren der Fall war.
Ist das „Corona-Hoch“ noch immer spürbar oder wieder deutlich zurückgegangen?
Die während der „Lockdowns “gestiegene Nachfrage ist tatsächlich wieder zurückgegangen. Allerdings hat so mancher Philatelist während der Corona-Zeit das Hobby neu entdeckt und pflegt es nun weiter.
Sind junge Menschen noch an Briefmarken interessiert?
Die Philatelie war noch nie ein Hobby, das junge Menschen besonders stark anlocken konnte. Ein Grund dafür ist die Voraussetzung eines gewissen wirtschaftlichen Fundaments, das meist erst der Generation „50+“ zur Verfügung steht. Generell sind aber auch junge und jüngere Menschen Teil der Sammlergemeinde.
…wofür Sie ja das beste Beispiel sind! Wie hat sich der internationale Markt seit Aufkommen der Onlineauktionen entwickelt?
Schon seit vielen Jahren bemerken wir, dass der Anteil ausländischer Bieter und Interessenten an unseren Auktionen zunimmt. Das hat allerdings weniger mit dem Typus einer Online-Auktion zu tun, sondern mehr mit dem angebotenen Material. Denn ist dieses interessant, wird es – auf welchem Weg auch immer – seine Käufer anlocken.
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Gibt es eine Prognose, wie sich der Markt in Zukunft entwickeln wird?
Die Spitzenphilatelie wird immer ihre Spitzenposition behaupten können. Dagegen wird das Sammeln von „bunten Bildchen“, also Neuheiten, Ersttagsbriefe, Ersttagsblätter und alles, was mit für Philatelisten gemachten Produkten zusammenhängt, stark rückläufig werden.
Auf welche Marken sollte man ein Auge haben?
Klassische Marken, die besonders schön sind, werden immer ihre Liebhaber finden und ihren aktuellen Besitzer erfreuen. Gleiches gilt für überdurchschnittlich gut erhaltene Marken, die auch gern nur begrenzt verfügbar sein dürfen.
Wie und womit sollte ein Neusammler starten?
Ein guter Einstieg ist ein Gebiet, zu dem der Neusammler einen persönlichen Bezug hat, wie beispielsweise die eigene Heimat, ein bestimmtes Land oder Thema. Es sollte ihm Spaß machen. Dabei ist es wichtig, fokussiert zu bleiben und nicht zu viel auf einmal zu sammeln. Denn wer einmal seine Linie und den Überblick verloren hat, wird schnell auch das Interesse verlieren.
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Welche Marke würden Sie gerne Ihr Eigen nennen?
Absolut faszinierend sind natürlich die „Blue Chips“ der Philatelie, also die „Blaue Mauritius“ etwa. Solche Marken sind nicht nur eine Freude an sich, sondern stellen auch eine hervorragende Geldanlage dar. Es ist die perfekte Kombination.
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Können Sie sich an einen besonderen Verkauf erinnern?
Vor vielen Jahren durften wir große Teile der Korrespondenz der Kölner Firma Farina, die das berühmte „Kölnisch Wasser“ herstellt, versteigern. Es war faszinierend zu sehen, aus welchen Ecken der Welt schon vor 200 Jahren Bestellungen für dieses originale „Kölnisch Wasser“ eingingen, und dies dann philatelistisch dokumentieren zu können.
Wir danken Herrn Harald Rauhut für das Gespräch und wünschen ihm und seinem Auktionshaus weiterhin viel Erfolg!




