Am 27. und 28. Juni lädt das Auktionshaus Hampel Freunde der Kunst zur Auktion nach München ein. Ein Termin, den man sich merken sollte, denn an diesen beiden Tagen versammeln sich bei Hampel die großen Namen von Rubens bis Degas, von Braque bis Picasso und von KPM Berlin bis Daum Nancy.
Das Top-Los der Auktion, das am ersten Auktionstag in der Kategorie "Gemälde Alter Meister" zum Aufruf kommt, ist ein Meisterwerk des italienischen Barockmeisters Guido Reni. Es zeigt auf einer 245 x 206 cm großen Leinwand die Toilette der Venus. Reni hat die römische Liebesgöttin nahezu unbekleidet in halbliegender Pose dargestellt, während sie von den drei Grazien geschmückt wird. Ebenfalls anwesend sind ihr Gehilfe Amor sowie ein weiterer Amorettenknabe am Fenster.

Das Gemälde entstand etwa um 1623, also der gereiften Phase Guido Renis, als dieser den damals enormen Einfluss durch das Erbe Caravaggios hinter sich gelassen und zu seinem eigenen Stil gefunden hat, der bis ins 18./19. Jahrhundert strahlen sollte. Lediglich die durch eine unbestimmte Lichtquelle hervorgerufene Wirkung aus Licht und Schatten erinnert noch an den bereits 1610 verstorbenen Konkurrenten Caravaggio. Guido Renis Toilette der Venus wird auf 1,5 - 2,5 Millionen Euro geschätzt.

Nur wenige Jahre älter ist das Werk eines anderen barocken Meisters, das bei Hampel zum Aufruf kommt: Die in schwarzer, roter und weißer Kreide auf Büttenpapier ausgeführte Zeichnung eines Schwebenden Puttos auf Büttenpapier von Peter Paul Rubens. Die Zeichnung diente als Studie für Rubens Gemälde Die Hl. Jungfrau umgeben von den Unschuldigen Heiligen Kindern von 1618, auf dem der Putto oben links platziert wurde.

Das nächste Bild entstand rund 100 Jahre später. Der ausführende Maler war der Franzose Jean-Baptiste Siméon Chardin, der vor allem als Stillleben- und Genremaler erfolgreich war. Auf dem vorliegenden Gemälde hat er seine Frau Marguerite Saintard portraitiert, mit der er ab 1731 verheiratet war. Vermutlich hat Chardin seine Angebetete, die bereits 1735 starb, hier als Braut gemalt mit weißen Blumen als Symbol der Jungfräulichkeit und einem Korb voller Eier, die dem Wunsch nach einer reichen Nachkommenschaft Ausdruck verleihen sollen.

Mit vielen hochinteressanten Losen können auch die weitere Kategorien, die am 27. Juni versteigert werden, aufwarten. Die Auktion "Möbel & Einrichtung" hat zwei äußerst seltene Gefäße im Angebot. Als ein besonders außergewöhnliches Stück ist eine Nénuphar-Tischlampe aus Bronze und Glas zu nennen, die eine Gemeinschaftsarbeit von Louis Majorelle und der Glasmanufaktur Daum in Nancy darstellt. Entworfen wurde sie für die Exposition de l'École de Nancy im Louvre 1903. Es existiert nur eine einige weitere Variante dieser Lampe, die sich in der Sammlung des Musée d'Orsay in Paris befindet.

Außergewöhnlich geht es weiter, in diesem Fall jedoch mit partiell vergoldetem Porzellan. Die Bemalung der 1833-40 von der KPM Berlin ausgeführten Vase war von Johann Heinrich Starck ursprünglich für eine Vase des kraterförmigen Münchner Typus konzipiert worden, fand aus nicht bekannten Gründen seinen Platz schließlich auf dieser ovoiden KPM-Vase des Französischen Typus, wovon kein weiteres Exemplar bekannt ist. Die Vorlage für das schauseitige Bild könnte Heinrich Loewensteins Gemälde Der lehrende Großvater gedient haben. Es steht im starken Kontrast zu dem orientalisch anmutenden Dekor der Vase.

Schöne Stücke hält auch eine kleine Sammlung mit Golddosen bereit. Ein besonders schönes Exemplar ist eines aus Gelbgold mit mit himmelblauem transluzidem Emaille. Den Deckel ziert zusätzlich ein in Altschliffdiamanten gefasste Miniatur, bei der es sich um eine farblich angepasste Kopie von Jean-Baptiste Greuzes Der zerbrochene Krug von 1771.

Die ältesten Stücke der Auktion sind in der Kategorie "Antiken, Skulpturen & Kunsthandwerk" zu finden, darunter der marmorne Kopf eines Römers aus dem 2. Jahrhundert. In jenem Jahrhundert prägten die Antoninischen Kaiser das Römische Reich. Sie ließen sich im Sinne der griechischen Philosophen mit kurzem Bart darstellen, eine Mode, die von der (männlichen) Bevölkerung übernommen wurde. Vermutlich handelt es sich hier um das Porträt eines Privatmannes jener Epoche.

Eine großartige Gelegenheit bietet auch die Versteigerung einer französischen Bibliothek mit 810 Bänden aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die in dekorative Maroquinleder gebundenen Bücher verfügen über ausgezeichnete Provenienzen: Ludwig XIV., sein Urenkel und Nachfolger Ludwig XV., dessen Ehefrau Maria Leszczyńska sowie dessen Maitresse Madame de Pompadour, Philippe d'Orléans "Philippe Égalité" und weitere interessante Namen.
Weiter Kategorien am ersten Auktionstag sind Silber, Russische Kunst sowie Uhren & Schmuck. Nach der mit allerhand Dekorativem ausgestatteten Auktion "Hampel Living & Varia" geht am 28. Juni weiter mit Werken des Impressionismus und der Moderne.

Vom französischen "Meister der Ballerinen", Edgar Degas, liegen unter derselben Losnummer zwei Zeichnungen vor: Danseuse vue de dos und Danseuse salliant. Die Arbeiten sind als vorbereitende Studien für Degas Gemälde und Skulpturen zu betrachten, wofür er die Tänzerinnen oft während des Unterrichts und bei Proben besuchte.

Während Degas die flinken Tänzerinnen der Pariser Oper einzufangen versuchte, ist Georges Braque in der Auktion mit dem genauen Gegenteil von Bewegung vertreten: Mit dem Stillleben Fruits, cruche et pipe, das er im Stil des Kubismus ausführte. Die Arbeit, die die namensgebenden Objekte auf einer stilisierten Tischplatte zeigt, stammt vermutlcih aus den 1920er Jahren, als Braque viele derartige Bilder schuf.

Das nächste kubistische Werk dürfte Ihnen gewiss bekannt vorkommen, denn tatsächlich ist es auch eines der bekanntesten Werke dieses Stils: Les Demoiselles d'Avignon von Pablo Picasso. Zwar handelt es sich nicht um das Original, welches man im Museum of Modern Art in New York besuchen kann, dafür aber um eine signierte und auf 100 Stück limitierte hervorragende Farblithografie.

Zum Schluss noch ein Gruß von Oskar Kokoschka, der ein Blumenaquarell zur Offerte beisteuert. Eine persönliche Notiz Kokoschkas auf dem cremefarbenen Velin macht deutlich, dass der herrliche Strauß mit Orchideen, Narzissen und exotischen Blüten als Gruß zum Namenstag eines Bekannten gedacht war.
Die Auktionen am 27. und 28. Juni, bei denen mehr als 1500 Lose zum Aufruf kommen, beginnen an beiden Tagen um 10 Uhr. Veranstaltungsort ist die Villa Hampel in der Schellingstraße 44 in München. Die Ausstellung zur Auktion ist dort vom 22.-26. Juni geöffnet.


