Im März 1886 zog Vincent van Gogh, der drei von ständigen Geldsorgen geprägte Monate an der Kunstakademie in Antwerpen verbracht hatte, zu seinem Bruder Theo nach Paris. Theo leitete dort eine Niederlassung der Brüsseler Kunstsammlung Goupil & Cie und wohnte in der Rue Lepic auf dem Montmartre, in der Nachbarschaft des berühmten Gartenlokals Moulin de la Galette, das ein beliebtes Ausflugslokal war, in dem auch viele Künstler, vor allem die Impressionisten verkehrten.
Vincent van Goghs Aufenthalt in Paris, der bis Februar 1888 dauern sollte, hatte enorme Auswirkungen auf den Maler, der dort Bekanntschaft mit Künstlern wie Paul Gauguin, Henri de Toulouse-Lautrec und Paul Signac machte und den damals aktuellen Impressionismus kennenlernte. Von all den neuen Eindrücken und Einflüssen angetrieben, veränderte sich Van Goghs bis dato eher dunkle Malweise zu jenem Stil, für den er heute bekannt ist.

Aus dieser so wichtigen Pariser Zeit wird nun bei Sotheby's in Paris, gemeinsam mit dem dort ansässigen Auktionshaus Mirabaud-Mercier, das Gemälde Scène de rue à Montmartre (Impasse des Deux Frères et le Moulin à Poivre), das das Gartenlokal Moulin de la Galette von außen zeigt. Hinter dem Zaun im Zentrum des Bildes ist die auch als Moulin à Poivre bekannte Moulin Debray, benannt nach der Eigentümerfamilie, zu sehen.
Die Müllerfamilie Debray besaß die Mühle ab 1809 und verkaufte vor Ort auch selbst gebackenes Brot, galette genannt. 1830 wurde das Gartenlokal eröffnet, in dem nun auch Wein angeboten und bald darauf ein Tanzboden errichtet wurde.

Die Versteigerung des Gemäldes im Zuge von Sotheby's Art Impressionniste et Moderne-Auktion am 25. März stellt ein echtes Highlight des Auktionsfrühlings dar, wie Claudia Mercier und Fabien Mirabaud von Mercier-Mirabaud in einer Pressemitteilung bestätigen: "Als wir das Gemälde zum ersten Mal sahen, waren wir sehr bewegt. Wir freuen uns, dieses einzigartige Werk, das seit einem Jahrhundert in Familienbesitz ist, heute auf dem Kunstmarkt zu präsentieren."
Aurélie Vandevoorde und Etienne Hellman, die Leiter der Abteilung für Impressionismus und moderne Kunst bei Sotheby's France ergänzen: "Nur noch wenige Gemälde aus der Montmartre-Zeit befinden sich in privater Hand, die meisten befinden sich heute in den renommiertesten Museen in aller Welt. Die Präsentation eines Gemäldes aus dieser legendären Serie auf dem Markt wird daher zweifellos ein bedeutendes Ereignis für Van Gogh-Sammler und für den Kunstmarkt im Allgemeinen sein."

Der Wert des zwischen dem späten Februar und Mitte April 1887 entstandenen Scène de rue à Montmartre (Impasse des Deux Frères et le Moulin à Poivre) wird auf 5-8 Millionen Euro geschätzt.
Im Februar verließ Vincent van Gogh Paris und fuhr im Auftrag seines Bruders nach Marseilles. Allerdings erreichte er die südfranzösische Hafenstadt nie, denn er stieg bereits in Arles aus, wo es ihm gut gefiel. Was dort geschah, können Sie hier nachlesen.
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