Am 2. und 3. April heißt es im Auktionshaus Hampel in München: 2 Auktionstage, 6 Kataloge und 1373 Lose. Ein straffes Programm, das aber lohnt entdeckt zu werden. Einen zumindest kleinen Einblick möchten wir Ihnen an dieser Stelle präsentieren.

Den Auftakt bildet am 2. April um 10 Uhr die Kategorie "Möbel & Einrichtung", die neben 84 anderen Stücken auch diese grandiose Kommode aus dem 18. Jahrhundert im Angebot hat. Die um 1770 von den Meistern André Louis Gilbert und Antoine Gosselin in Paris im gout à la grècque, also griechischen Stil, ausgeführte Kommode ist ein wunderbares Beispiel für den Übergang vom Rokoko zum Klassizismus, der sich im späteren 18. Jahrhundert vollzog.

Auf die Kategorien "Uhren", "Kunsthandwerk" und "Russische Kunst" sowie "Dosen, Miniaturen, Schmuck & Armbanduhren" folgt die in zwei Kataloge aufgeteilte und mit mehr als 400 Losen sehr umfangreiche Kategorie "Gemälde Alte Meister". Eines der Highlights ist hier das Stillleben mit süßem Backwerk, Kastanien, Weingläsern, Austern und Brötchen, das der flämische Maler David Ryckaert d. J. zwischen 1615 und 1620 in Öl auf Holz ausgeführt hat.

Der wie Ryckaert in Antwerpen lebende und arbeitende Jan Brueghel d. J. ist ebenfalls mit einem Stillleben in der Auktion vertreten. Dieses zeigt jedoch keinen reich gedeckten Tisch, sondern einen üppigen und farbenfrohen Blumenstrauß.

Hinaus in die Natur geht es hingegen mit dem niederländischen Landschaftsmaler Jan Jozefsz. van Goyen, der eine Flusslandschaft mit Segelboot mit harmonisch-toniger Palette festgehalten hat.

Die Kombination von Wasser und Booten begegnet uns auch in der nächsten Kategorie, "Impressionismus & Moderne" wieder, dieses Mal ausgeführt von Eugène Boudin. Boudin, ein Pionier der Freiluftmalerei, stellte seine Staffelei sehr gerne an den Küsten Nordfrankreichs auf, und so wundert es nicht, dass bei Hampel gleich drei seiner maritimen Werke zum Aufruf kommen.

Unter dem weit gefassten Begriff der Moderne begegnen uns zwei Damenportraits, die in einem zeitlichen Abstand von 37 entstanden sind. 1912 zauberte Auguste Herbin ein kubistisches Portrait der Madame Herbin auf die Leinwand. Herbin hatte sich drei Jahre zuvor durch eine Begegnung mit Juan Gris diesem Stil zugewandt. In Zwiesprache von 1949 ließ Karl Hofer zwei Figuren zu einer einzigen verschmelzen, die nun sozusagen ein Selbstgespräch führt.

Mit der Bleistiftzeichnung Nue couchée begegnet uns ein weiterer lasziver Frauenakt von Tamara Lempicka, die heute zu den teuersten Künstlerinnen auf dem Auktionsmarkt zählt. Die Zeichnung entstand 1924, kurz nachdem die aus Polen stammende Künstlerin in Paris ihre ersten Erfolge hatte feiern können.

Um eine besonders schöne Arbeit handelt es sich auch bei dem Bronzeguss eines Hirschs des französischen Bildhauers François Pompon, der noch zu Lebzeiten des Künstlers entstanden war.

Kommen wir nun in der Kategorie "Gemälde 19./20. Jahrhundert" zu dem Werk, das als Inspiration für den Titel dieser Auktionsvorschau dient: Knabe beim Genuss eines Pfirsichs von Eugen Alfons von Blaas. Von Blaas war ein italienischer Genremaler, der seine Themen sowohl in vornehmem Ambiente als auch auf der Straße fand. Um einen Straßenjungen dürfte es sich auch auf dem vorliegenden Gemälde von 1886 handeln, auf dem der Junge die möglicherweise gestohlenen Pfirsiche ganz unbekümmert zu genießen weiß.

Berühmt für seine im antiken Italien angesiedelten Bilder junger, oftmals ruhender Frauen ist der englische Maler John William Godward, denen er Titel wie Sweet Nothings, Dolce far Niente, The Day Dream oder im diesem Fall A Happy Awakening gab.
Den Abschluss des Auktionstages bildet die Versteigerung einer dekorativen Bibliothek mit 619 Bänden aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, die zum Teil dem französischen Königspaar Ludwig XV. und Maria Leszczyńska und dessen Tochter Sophie gehörten.

Der 3. April ist ab 10 Uhr ganz den rund 600 dekorativen Objekten der Auktion "Hampel Living" gewidmet. Eines davon ist ein Wiener Mokkaporzellanservice aus dem 18. Jahrhundert. Das sechsteilige Service mit Grisaille-Malerei hat seine originale Lederschatulle dabei und soll sich einst im Besitz der Nachfahren des Christoph Kolumbus befunden haben.
Aufgrund der aktuellen Situation findet die Auktion am 2. und 3. April ohne Saalpublikum statt. Wie Sie von zuhause aus mitbieten können, erfahren Sie hier. Auch eine Vorbesichtigung vor Ort ist leider nicht möglich.

