Mit ihren selbstanalytischen „Körperbewusstseinsbildern“ wurde Maria Lassnig, die Begründerin der Informellen Malerei in Österreich, berühmt. Dabei kam es ihr weniger auf die Darstellung des Körpers, als auf die Wahl der Farben an, mit denen sie ihre Gefühlswelt untersuchte und auf der Leinwand zum Ausdruck brachte. Dafür entwickelte Lassnig ein eigenes Konzept der „Körpergefühlsfarben“, die im Mittelpunkt der verfremdeten Darstellung des eigenen Körpers stand.
1943 war die 24-jährige Lassnig, die damals an der Akademie der bildenden Künste in Wien studierte, davon jedoch noch weit entfernt, auch wenn der Wunsch, expressiver zu malen, erwachte. Es war auch das Jahr, in dem Maria Lassnig jenes Selbstporträt schuf, das nun am 7. Juli im Hôtel des ventes d’Évreux versteigert wird. Die Arbeit zeigt das Antlitz der Künstlerin in Dreiviertelansicht, die realistischen Farben wurden mit pastosem Pinselstrich auf dem Bildträger platziert. Und als wäre dieses frühe, signierte und datierte Selbstbildnis der großen österreichischen Malerin nicht schon spannend genug, verfügt es auf einer Rückseite auch noch über eine Widmung, das das Werk zu etwas ganz Persönlichem macht: "un petit souvenir d'adieu à mon Louis chéri“ („Ein kleines Abschieds-Souvenir an meinen lieben Louis“).

Gemeint ist hier Louis Popelin, ein französischer Zwangsarbeiter, den Lassnig 1943 in ihrer Heimatstadt Klagenfurt kennenlernte und mit dem sie sich eine Weile den „klassischen Weg“, Heirat und Kinder, zumindest hatte vorstellen können, bevor sie sich doch wieder voll und ganz für die Malerei entschied. Stattdessen verband Lassnig und Popelin eine lebenslange, innige Freundschaft.
Maria Lassnigs Selbstporträt ist nicht das einzige Highlight der Auktion am 7. Juli. Ebenfalls hervorzuheben ist die Zeichnung Maternité des japanisch-französischen Künstlers Tsuguharu Foujita.

Foujita kam 1913 nach Paris, wo er schnell Anschluss an die Avantgarde in Montparnasse fand. Großen Erfolg hatte er in den 1920er Jahren mit seinen Selbstporträts, Stillleben und vor allem Frauenakten, die den westlichen und den östlichen Stil verbanden. Für die „westliche“ Inspiration studierte Foujita in seinen Anfangsjahren in Paris die Werke Alter Meister, darunter Rembrandt, Raffael und Leonardo da Vinci, im Louvre, was zu christlichen Darstellungen wie der Madonna mit Kind führte. Nachdem er diese Motive schon bald wieder vernachlässigte, sollten sie ab den 1950er Jahren ein wichtiger Teil seines Œuvres werden.

Ein weiteres Highlight führt uns ins China der Kangxi-Periode (1661-1722). Das außergewöhnliche Lacktablett zeichnet sich durch sein lebendiges Dekor und die polychrom schimmernden Intarsien aus Seeohrenperlmutt aus. Die Motive stellen einen Drachen, der die heilige Perle jagt, sowie einen Phönix in den Wolken dar, während zentral das Schriftzeichen xiang („gute Vorzeichen“) zu finden ist. Die beiden Fabelwesen symbolisieren den Kaiser und die Kaiserin höchstselbst, sodass, in Kombination mit der hervorragenden Handwerkskunst, davon auszugehen ist, dass es sich um eine für die oberste Elite bestimmte Arbeit handelt.

Auch die Schmuckofferte hat ein schimmerndes Objekt zu bieten, das mit seinem Farbspiel punkten kann. Es handelt sich um einen sehr seltenen und außergewöhnlichen Schwarzopal von knapp 50 ct, der aus Lightning Ridge in Australien stammt. Lightning Ridge im nördlichen Teil des Bundesstaates New South Wales verfügt über eines der größten Opal-Vorkommen und ist besonders für seine Schwarzopale bekannt. Der vorliegende Stein stellt aufgrund seiner Größe, Form und Farbe eine seltene Gelegenheit auf dem Auktionsmarkt dar.
Zum Abschluss darf auch das Top-Los der Uhrenofferte nicht unerwähnt bleiben. Sammler und Liebhaber von Vintage-Armbanduhren sollten jetzt ihre volle Aufmerksamkeit auf diesen wunderbaren Zeitanzeiger aus dem Hause Audemars Piguet richten. Dort kreierte Uhrendesigner Gérald Genta 1972 mit der Royal Oak eine elegante Sportuhr, deren Edelstahl-Look von den Schiffen der Kriegsmarine inspiriert war. In der Auktion liegt ein Exemplar der aufgrund ihrer Größe „Jumbo“ getauften ersten Serie vor.
Die 445 Lose der Kunst-Auktion werden am 7. Juli im Hôtel des ventes d’Évreux in Évreux versteigert. Selbstverständlich darf auch online mitgeboten werden.



