Vier Auktionen an zwei Tagen lautet diesen Monat das Programm des Münchener Kunstauktionshauses Neumeister. Knapp 700 Lose mit alter, moderner und zeitgenössischer Kunst sowie Kunsthandwerk, Antiquitäten und Schmuck werden am 22. und 23. September zum Aufruf kommen.
Den Auftakt bildet am 22. September um 14 Uhr die Versteigerung von 179 Losen mit Kunsthandwerk und Antiquitäten. Hier reicht das Angebot von gotischen Holzskulpturen über Möbel des Barock und Rokoko bis zu deutschen und französischen Fayencen.

Unter den keramischen Erzeugnissen müssen auch einige Sammlerstücke aus Porzellan hervorgehoben werden. Neben einigen frühen Tee- und Kaffeekannen der Manufaktur Meissen ist hier vor allem die polychrom gefasste Figurengruppe Der Tag zu nennen, die 1921 von Josef Wackerle für die Manufaktur Nymphenburg entworfen wurde.

Ebenfalls figürlich, jedoch viel älter ist die äußerst fein ausgearbeitete Skulptur des Heiligen Thomas, dem das ungläubige Staunen über die Auferstehung Christi ins Gesicht geschrieben steht. Der italienische Bildhauer Francesco Mochi schuf die Figur um 1640 aus vergoldeter Bronze und montierte sie auf einen interessant gestalteten Sockel aus Holz.

Nicht nur antike, sondern auch moderne Möbel sind Teil der Offerte. Für seinen Chinese Chair ließ sich der deutsch-amerikanische Designer Karl Springer in den 1980er Jahren von Sitzmöbeln aus Fernost inspirieren. Springer war sozusagen der Möbeldesigner der Stars, der auch Jackie Kennedy Onassis und die Duchess of Windsor zu seinen Kunden zählte. Vier Exemplare des Chinese Chair kommen in der Auktion zum Aufruf.
Ebenso umfang- und abwechslungsreich präsentiert sich die Schmuckofferte, die um 16 Uhr folgt. Lassen Sie sich von Perlenkreationen genauso verzaubern, wie von indischem Hochzeitsschmuck und Arbeiten von Fabergé.

Wer unter akutem Diamantenmangel leidet, ist mit diesem Gliederarmband aus Palladium-Weißgold gut beraten, das mit 1296 makellosen Brillanten von zusammen ca. 43,88 ct besetzt ist.

Zu den Diamanten dieser Brosche, die in den 1960er Jahren vermutlich in den USA angefertigt wurde, gesellt sich ein Smaragd im rechteckigen Treppenschliff von ca. 5,50 ct. Die Brosche befand sich einst im Besitz von Rudolph Moshammers Mutter Else.

Weitere Highlights sind mehrere Lose mit Goldschmuck aus der Römischen Kaiserzeit. Größtenteils handelt es sich dabei um Ohrringe, die von der Kunst der römischen Schmuckherstellung zeugen und mit Edel-, Schmuck- und Glassteinen besetzt sind.
Auch die Versteigerungen am 23. September beginnen um 14 Uhr. Jetzt stehen zunächst Gemälde und Graphiken des 15. bis 18. Jahrhunderts sowie Genre-Malerei des 19. Jahrhunderts auf dem Programm.

Unter den altmeisterlichen Gemälden muss besonders die Flusslandschaft mit Schafherde und Flucht nach Ägypten des flämischen Renaissancemalers Marten van Valckenborch hervorgehoben werden, das mit einem bis in die Ferne fließenden, gewundenen Strom beeindruckt.

Eine beeindruckende Landschaftsmalerei hat uns mit den Pontinischen Sümpfe bei Sonnenuntergang auch der deutsche Maler und Schriftsteller August Kopisch hinterlassen. Von seinem Hauptwerk malte Kopisch drei Fassungen, von denen eine im Zweiten Weltkrieg verloren ging. Eine weitere befindet sich in der Berliner Nationalgalerie. Ein anderes bedeutendes Werk Kopischs ist nicht auf einer Leinwand, sondern auf einigen Seiten seiner Gedichtsammlung zu finden: die Ballade Die Heinzelmännchen zu Köln.

Ein Meisterwerk unter den zahlreich vertretenen Genrebildern aus bäuerlichem Umfeld stellt Johann Sperls 82 x 67 cm messendes Werk Kirchweihfest dar. Das Gemälde ist vermutliche die Wiederholung eines kleinformatigen Gemäldes, das Sperl 1874 erstmals ausstellte.
Den Abschluss der Herbst-Auktionen von Neumeister bildet um 16 Uhr die knapp 100 Lose umfassende Offerte Modern, Post War & Contemporary Art. Hier stoßen wir nun endlich auf die eingangs erwähnte Wiederentdeckung: den Neo-Expressionisten Friedrich Karl Gotsch.

Gotsch ist einer der Künstler der Verlorenen Generation, die auf die Pioniere des deutschen Expressionismus folgten, aufgrund der Repressalien durch die Nationalsozialisten nie den Ruhm ernten konnten, den sie verdient hätten.
Gotsch ist in der Auktion mit 36 Arbeiten vertreten, die aus einer Privatsammlung stammen. Eines der Werke ist ein Porträt seiner langjährigen Lebensgefährtin Hilde Goldschmidt. Die deutsch-jüdische Malerin ging 1933 ins Ausland, während Friedrich Karl Gotsch in Berlin sein Glück versuchte. Bei einem Luftangriff im Krieg wurden jedoch viele seiner frühen Werke zerstört. Andere überarbeite er später, darunter auch das Porträt Hilde Goldschmidts.

Während eines Flugs nach Mailand hatte Gerhard Richter 1968 gute Sicht und fotografierte die Gipfel der Alpen aus der Vogelperspektive. Daraus entstand eine Folge von fünf Motiven, die er in Serigrafien in Grautönen verwandelte.

Gerhard Richter ist der teuerste und wahrscheinlich auch bekannteste lebende Künstler der deutschsprachigen Kunstszene. Doch auch der in Wien geborene Gottfried Helnwein ist kein Unbekannter. Helnweins hyperrealistisches Œuvre umfasst Porträts von Stars wie Marilyn Monroe, Andy Warhol und Michael Jackson genauso, wie die Darstellung kindlicher Albträume.
Die Versteigerungen finden am 22. und 23. September im Auktionshaus, Barer Straße 37, in München statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 16. bis 20. September möglich.
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