Seit Jahrhunderten wird Ecce Homo, also jene Szene der Passion Christi, in der Pontius Pilatus einer aufgebrachten Menge den gemarterten Christus als Menschen präsentiert, von Künstlern immer wieder aufgegriffen und interpretiert und ist daher kein allzu seltener Gast in Auktionskatalogen. So auch im April 2021 in einem spanischen Auktionshaus, das in seiner Versteigerung von Alter Kunst ein Ecce Homo-Gemälde anbot, das von einem Maler aus dem Umkreis von Juan de Ribera stammen sollte. Gebote ab 1.500 Euro waren willkommen.

Einigen Experten des Museo del Prado sahen in dem Gemälde jedoch etwas wesentlich Spektakuläreres, nämlich ein Werk von Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio, höchstselbst, dessen dramatischer Hell-Dunkel-Stil bei vielen seiner Kollegen und Nachfolgern, darunter auch Juan de Ribera, einen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. Nur rund 60 Gemälde Caravaggios sind heute bekannt, sodass eine Erweiterung seines Œuvres ein bedeutendes kunsthistorisches Ereignis darstellen würde. Das Gemälde wurde aus der Auktion zurückgerufen.
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Die nächsten Schritte geschahen unter der Aufsicht der Experten der Comunidad de Madrid: Nach einer intensiven diagnostischen Untersuchung erfolgte die Restaurierung durch den Spezialisten Andrea Cipriani. Die endgültige Zuschreibung an den Meister erfolgte durch die führenden Caravaggio-Experten Maria Cristina Terzaghi (Außerordentliche Professorin für moderne Kunstgeschichte an der Universität Roma Tre und Mitglied des wissenschaftlichen Komitees des Museo di Capodimonte in Neapel), Gianni Papi (Kunsthistoriker und Autor), Giuseppe Porzio (Professor für Kunstgeschichte an der Universität von Neapel) sowie Keith Christiansen (Kurator am Metropolitan Museum of Art). Als Entstehungszeitraum wird die Zeit um 1605-09 vermutet. Auch soll sich das Gemälde einst Teil der Sammlung des spanischen Königs Philipp IV. befunden haben.

Vor der abgesagten Versteigerung im April 2021 befand sich das Gemälde seit dem 19. Jahrhundert im Besitz derselben Familie, die nicht ahnte, welchen Schatz sie beherbergte. Nach der Identifizierung als Arbeit Caravaggios erhielt die Familie von der Regierung Madrids die Erlaubnis, das Gemälde anderweitig zu verkaufen. Dies geschah auf privatem Weg an einen namentlich nicht bekannten Käufer. Auch die Höhe der Summe wurde nicht kommuniziert.
Ecce Homo ist nicht das einzige Gemälde, das in den letzten Jahren als Arbeit Caravaggios identifiziert wurde. 2014 war auf einem Dachboden in Toulouse ein Gemälde entdeckt worden, das Judith bei der Enthauptung des Holofernes zeigt. Nach der Zuschreibung an Caravaggio wurde sein Wert mit 100-150 Millionen Euro beziffert. Die Versteigerung war für Juni 2019 angesetzt, fand jedoch nicht statt, da das Werk vorab verkauft wurde. Auch in diesem Fall wurde die Summe nicht bekanntgegeben.
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In Absprache mit dem anonymen Neueigentümer wird Ecce Homo ab dem 28. Mai in einer beispiellosen Einzelausstellung im Museo del Prado präsentiert, die von einer umfassenden Publikation begleitet wird. Nach Ende dieser Austellung im Oktober 2024 wird das Meisterwerk für weitere vier Monate in der permanenten Sammlung des Museums zu sehen sein.

