Das Porträt zeigt das Wunderkind an einem Cembalo sitzend. Obwohl er dem Betrachter zugewandt ist, lässt sich der Positionierung seiner Hände auf der Klaviatur entnehmen, dass Mozart am Musizieren ist. Dem Geschmack der Zeit entsprechend trägt er neben einem knallroten Gehrock auch eine weiße Perücke. Das Gemälde, das Giambettino Cignaroli, einem Maler des Rokoko und des frühen Klassizismus aus Verona, zugeschrieben wird, entstand im Januar 1770, nachdem Mozart in Verona ein äußerst erfolgreiches Konzert gespielt hatte.
"Generell ist es der Name des Malers, der Käufer anlockt. In diesem Fall wird es das Motiv, Mozart, sein", sagt Astrid Centner, Leiterin der Abteilung für Alte Gemälde bei Christie's in Paris. Am 27. November wird das Portrait in der französischen Hauptstadt mit einem Schätzpreis von 800.000 bis 1,2 Millionen Euro zum Aufruf kommen.

Porträts von Wolfgang Amadeus Mozart sind rar gesät und befinden sich größtenteils in Museen. Zu den bekanntesten zählen ein Aquarell, das den Siebenjährigen mit seinem Vater Leopold und seiner Schwester Nannerl beim Musizieren zeigt (Musée Carnavalet, Paris) sowie ein Portrait des sechsjährigen Jungen aus dem Jahr 1763, das von Piero Antonio Lorenzoni gemalt wurde und im Mozarteum in Salzburg ausgestellt wird.
Es gibt sehr wenige Portraits von Mozart, die zu seinen Lebzeiten gemalt wurden, und dieses ist wahrscheinlich das letzte in einer Privatsammlung.
Das vorliegende Porträt, das den Virtuosen als noch jungen Teenager im Alter von 13 Jahren zeigt, "strahlt eine große Intelligenz aus, ist sehr realistisch und verewigt einen magischen Moment in der Karriere des Komponisten".

Obwohl die Identität des Autors nicht offiziell bestätigt wurde, gibt das Auktionshaus an, dass die Umstände des Auftrags des Gemäldes sehr genau nachvollzogen werden konnten. "In der Welt der Kunst passiert so etwas so gut wie nie", sagte Centner. "Wolfgangs Vater Leopold spricht in einem Brief an seine Frau über das Gemälde und datiert es auf den 6. bis 7. Januar 1770."
In Begleitung seines Vaters begann Mozart im Dezember 1769 eine Tournee durch Italien - ein Muss für alle Künstler jener Epoche. Bei einem Konzert in Verona begeisterte das Wunderkind die dortige Elite und in seinem Schreiben weiß Leopold Mozart zu berichten, das ein Steuereintreiber aus Venedig daraufhin beschlossen hatte, ein Portrait in Auftrag zu geben. Zwei Sitzungen waren für die Fertigstellung vonnöten. Ergänzt wird die vorzügliche Darstellung des Jungen durch eine lateinische Zeile am unteren Bildrand, die dessen Genie als Komponist hervorhebt, "das in der Musikkunst jedes Lob übertroffen hat."

Das faszinierendste Element des Gemäldes ist jedoch zweifellos die Partitur auf dem Cembalo. Viele Musikwissenschaftler haben bereits versucht, sie zu entziffern, bisher ohne Erfolg. Einige meinen, es wäre eine Komposition des Venezianers Baldassare Galuppi, andere vermuten, dass es sich um eine Komposition von Mozart selbst handeln müsse, die jedoch verloren gegangen sei.
Das Porträt stammt aus der ehemaligen Sammlung des Pianisten Alfred Cortot. 1865 war es von Leopold von Sonnleithner, dem Förderer Beethovens und Schuberts, wiederentdeckt worden. Zu seltenen Gelegenheiten war es im Musée Carnavalet und in Salzburg ausgestellt worden.


