Die mühsame Kunst, aus kleinen bunten Steinen dekorative Bilder zu schaffen gibt es in Form von Mosaiken seit der Antike. Im 16. Jahrhundert entstand eine neue Variante aus Steinen zusammengesetzter Bilder: die Pietra dura-Technik, für die größere, in die nötige Form geschnittene Platten aus edlen, harten Steinen wie Achat oder Jaspis zu aufwändigen Bildkompositionen zusammengefügt wurde. Ein teures Verfahren, das ein besonders Zentrum in Florenz hatte und daher auch Florentiner Mosaik genannt wird. Aufgrund der hohen Kosten suchte man schon bald nach Alternativen und fand diese im Scagliola, einer Stuckmarmortechnik, mit der sich durch Verwendung verschiedener Farben aufwändige, Pietra dura imitierende Bilder erschaffen ließen.

Ein Meister des Scagliola war Enrico Hugford, Sohn eines aus England stammenden Uhrmachers in Florenz, der 1711 das Gelübde ablegte und Vallombrosaner-Mönch wurde. Hinter Klostermauern erlernte er die Scagliola-Technik und wurde zum Besten auf diesem Gebiet. Enrico Hugford schuf Landschaften, Portraits, Heiligenbilder und Ansichten von Architekturen. Letztere kommen in einem bedeutendem und einzigartigen Set aus neun Paneelen, die Hugford zugeschrieben werden, in der Kunstgewerbe-Auktion von Lempertz am 15. November (11 Uhr) zum Aufruf.

Ein weiteres Highlight des Katalogs ist eine Régence-Schreibkommode, die um 1720/30 in Bayern ausgeführt wurde. Das Möbelstück ist - ähnlich wie die Pietra dura-Technik - mit aufwändigen Intarsien aus Palisander, Schildpatt, Messing, Zinn und Horn verziert. Das zentrale Motiv zeigt Abundantia, die römische Göttin des Überflusses.

Der zweite Teil der Kunstgewerbe-Auktion beginnt am selben Tag um 17 Uhr und umfasst bedeutende Porzellane aus zwei privaten Sammlungen. Angeführt wird diese Offerte von einer vermutlich einzigartigen Wiener Krippe, die kurz nach 1749 in der dortigen Kaiserlichen Manufaktur entworfen und um 1760 bemalt wurde. Sozusagen hinter die Kulissen der Manufaktur führen zwölf Farbprobentafeln und sieben Dessinentwürfe im originalen Etui aus dem frühen 19. Jahrhundert. Desweiteren vertreten sind bedeutende Manufakturen wie die KPM Berlin, Sèvres und Nymphenburg.

Am 16. November geht es um 11 Uhr weiter mit Gemälden und Zeichnungen des 15.-19. Jahrhunderts - eine Auktion, in der Stillleben nicht fehlen dürfen. Hervorheben muss man dabei Jagdstillleben mit Früchten, Vogel und Eichhörnchen der flämischen Malerin Clara Peeters, über deren Leben kaum etwas bekannt ist. So ist sie nur durch ihre herausragende Kunst bekannt und als Meisterin des Stilllebens. Vorliegend tritt sie als Pionierin des Jagdstilllebens auf, das erst im Laufe des 17. Jahrhunderts zur eigenständigen Gattung wurde.

Ein weiterer Pionier des Jagdstilllebens war der wie Clara Peeters aus Antwerpen stammende Frans Snyders, dessen vorliegendes Stillleben mit Vögeln und Traubenkorb ein ähnliches Motiv wie das der Malerin darstellt und vermutlich aus dem frühen 17. Jahrhundert stammt.

Snyders arbeitete häufig mit Peter Paul Rubens zusammen, von dem das hochformatige Werk Die Heilige Theresa von Avila bei Lempertz zum Aufruf kommt. Das Gemälde gehört zu einer Reihe von Darstellungen der Mystikern, zu denen Rubens im Zusammenhang mit deren Heiligsprechung im Jahr 1614 den Auftrag erhalten hatte.

Zu den ältesten Werken des Katalogs gehören die Vier Tafeln mit Szenen aus der Legende des Heiligen Eustachius des Maestro di Campo Giove, der im 14. Jahrhundert in den Abruzzen tätig war. Die Bildtafeln waren einst Teil eines Flügelaltars mit der Vita des Eustachius, dessen heute verstreuten Teile wichtige Zeugnisse der italienischen Eustachius-Ikonographie darstellen.

Um 14:30 Uhr werden die altmeisterlichen Gemälde von Skulpturen und Kleinplastik abgelöst. Hervorzuheben sind hier zwei Relieftafeln aus Holz. Eine farbig gefasste mit der Geburt Christi entstand im späten 15. Jahrhundert in der Werkstatt des südtiroler Bildschnitzers Hans Klocker.

Das andere Relief wurde ebenfalls im 15. Jahrhundert in England ausgeführt und zeigt einen König mit seinem Gefolge unter einer zeitgenössischen Bogenarchitektur. Wie das ebenfalls fein geschnitzte Wappen jedoch zeigt handelt es sich bei dem König um Richard I. Löwenherz, der im späten 12. Jahrhundert auf dem englischen Thron saß.
Der Auftakt zu diesen spannenden Auktionen bildet jedoch bereits am 14. November um 16 Uhr die Versteigerung von Schmuck, Dosen und Miniaturen. Zwei schöne Ringe der Offerte scheinen die Frage aufzuwerfen: Catherine oder Meghan? Die Pretiosen erinnern nämlich an die Verlobungsringe der Herzoginnen von Cambridge und Sussex.

Der Art déco-Ring mit Ceylonsaphir im Brillantkranz erinnert an den legendären Ring, den vor Kate Middleton schon Lady Diana Spencer an den Ringfinger gesteckt bekam. Bei einem Ring mit zentralem Brillant und korrespondierenden Diamanten auf den Ringschultern, hat man jenes Schmuckstück vor Augen, das Prinz Harry eigens für seine Meghan Markle designt hat.
Die Auktionen finden im Auktionshaus Lempertz, Neumarkt 3, in Köln statt. Die Ausstellung ist dort ab dem 9. November zugänglich.

