Als Sonnenkönig Ludwig XIV. 1685 das Edikt von Nantes aufhob, das Protestanten bis dahin die freie Ausübung ihrer Religion in Frankreich garantiert hatte, waren viele von ihnen - Hugenotten genannt - gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Auch die in der nordfranzösischen Picardie ansässige Familie Favrie (der Name Fabergé entwickelte sich erst später daraus) gehörte zu den Exilanten. Ihr Weg führte sie über Deutschland und Livland 1830 ins Zarenreich Russland. Es sollte aber noch einige Jahrzehnte dauern, bis Peter Carl Fabergé als Hofjuwelier zu höchstem Ruhm gelangte.
Im Zentrum des Mythos Fabergé stehen ganz klar die berühmten Ostereier, die als Symbole des absoluten Luxus und der Raffinesse noch immer eine große Anziehungskraft besitzen. Den Beweis dafür liefern nicht zuletzt die rekordverdächtigen Preise, die diese Meisterwerke der Juwelierkunst auf dem Auktionsmarkt erzielen.

1842 gründete der Goldschmied Gustav Fabergé in Sankt Petersburg ein Schmuckgeschäft. Das Geschäft in der Bolschaja-Morskaja-Straße, einer der edelsten Hauptstraßen der Stadt, gewann rasch an Bedeutung. 1860 verließ Gustav Sankt Petersburg jedoch und überließ das Geschäft vertrauenswürdigen Mitarbeitern. Er ging mit seiner Frau Charlotte Jungstedt, Tochter eines dänischen Künstlers, und seinen beiden Söhnen Peter Carl und Agathon nach Dresden. Dort studierte Peter Carl zunächst an Kunstgewerbeschule, bevor er sich 1864 auf eine Europareise begab, um seine Ausbildung bei großen Juwelieren abzuschließen.
1872 kehrte Peter Carl nach Sankt Petersburg zurück, wo er Augusta Julia Jacobs heiratete, mit der er fünf Kinder bekommen sollte. Er übernahm das Familienunternehmen, unterstützt von einem ehemaligen Mitarbeiter seines Vaters, Hiskias Pendin.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, nachdem die Maison Fabergé eine aktive Rolle bei der Restaurierung und Katalogisierung des historischen Goldschmucks des Eremitage-Museums übernommen hatte, wurde sie von den Zaren Alexander II. und Alexander III. bevorzugt. Die Geschäfte entwickelten sich so enorm, dass der Umzug in größere und repräsentativere Räumlichkeiten nötig wurde – allerdings blieb man der eleganten Bolschaja-Morskaja-Straße treu.

1882 erwarb Peter Carl den Titel des Goldschmiedemeisters und wurde kurz darauf von seinem Bruder Agathon, ebenfalls Absolvent der Dresdner Kunstgewerbeschule, bei der Herstellung von Fantasieobjekten unterstützt, die an den europäischen Höfen noch mehr Aufsehen erregten als die Schmuckkreationen des Hauses.
Zwei Jahre später wurde die Maison Fabergé offizieller Lieferant des kaiserlichen Hofes von Zar Alexander III., der auch die Eremitage beauftragte, Platz für die Kreationen von Peter Carl und Agathon zu schaffen. Die Goldschmiede-Brüder konnten ihre Position bei Hofe auch behaupten, nachdem Zar Nikolaus II. 1894 das Zepter übernommen hatte.
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Am Vorabend des Ersten Weltkriegs produzierte das Familienunternehmen rund 100.000 Pretiosen pro Jahr. Neben dem "Flagship-Store" mit Werkstatt in der Bolschaja-Morskaja-Straße in Sankt Petersburg gab es zwei Filialen in Moskau und Odessa.
Als die Russische Revolution ausbrach, fiel die Maison Fabergé – untrennbar verbunden mit dem dekadenten Lebensstil der Romanow-Dynastie – in die Hände eines Arbeiterkomitees und wurde eine Genossenschaft, deren Ressourcen schon bald der Waffenindustrie zum Opfer fielen. Peter Carl, der das Familienschmuckgeschäft in ein kleines Luxusimperium verwandelt hatte, war gezwungen, sein Geburtsland zu verlassen und ins Schweizer Exil zu gehen. Er starb 1920 in Lausanne und wurde auf dem Cimetière du Grand Jas in Cannes beigesetzt.

Auch wenn die Maison Fabergé eine große Auswahl an Schmuckstücken und kunstvollen Objekten wie Figuren, Uhren und Schatullen herstellte, so sind es vor allem die Fabergé-Eier - deren Urheberschaft Peter Carl selbst zugeschrieben - die den guten Ruf der Marke auf der ganzen Welt begründeten und ihr auch heute noch Glanz verleihen. Eine Beständigkeit, die durch das Ei, als Symbol der Wiedergeburt oder gar Auferstehung, perfekt repräsentiert wird.
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Zar Alexander III. war der erste Kunde, der 1885 bei Fabergé ein Osterei als Geschenk für seine Gattin bestellte. Denn bereits als Kind hatte sich Zarin Maria Fjodorowna, eine gebürtige Prinzessin von Dänemark, von einem ähnlichen Schmuckstück, das sich im Besitz einer ihrer Tanten befand, verzaubern lassen. Diese erste Ostereier-Kreation von Karl Fabergé lässt sich in der Art russischer Matrjoschka-Puppen öffnen, um eine erste Überraschung zu enthüllen: Ein goldenes Eigelb. Öffnet man dieses, kommt eine goldene Henne zum Vorschein, die wiederum eine Nachbildung der Zarenkrone mit einem Rubinanhänger im Inneren verbirgt.

Das Geschenk war ein Hit, und das Fabergé-Ei wurde Teil der orthodoxen Ostertradition des Kaiserpaares, von denen Alexander III. insgesamt 10 Stück seiner Frau verehrte. Sein Sohn und Nachfolger Nikolaus II. führte die Tradition fort. Er bestellte bei Fabergé jedoch nicht nur jedes Jahr ein Osterei für seine Mutter, sondern auch jeweils eines für seine eigene Frau, Alexandra Fjodorowna - insgesamt 40 Stück.
Um nun jedes Jahr für eine doppelte Überraschung sorgen zu können, war die Fantasie der Juweliere und Goldschmiede von Fabergé gefragt. Die Kreationen wurden immer raffinierter, die verwendeten Materialien, wie Gold, Platin, Bergkristall, Edelsteine und Lapislazuli, immer exklusiver und teuerer. Und ganz nebenbei schuf man bei Fabergé 17 weitere Eier für eine besonders zahlungskräftige Klientel.

Nach der Russischen Revolution wurden viele der wertvollen Eier vom neuen Regime völlig unter Wert veräußert, um Geld in die leeren Kassen des neuen Arbeiter- und Bauernstaates zu spülen. In alle Winde wurden sie zerstreut und befinden sich heute in privaten und öffentlichen Sammlungen in Europa und Nordamerika. Einige kehrten sogar nach Russland zurück und können in der Eremitage in Sankt Petersburg und im Kreml Museum bewundert werden. Manchmal kommt es aber auch zu einer Überraschung...
2014 wurde das goldene Ei, das Zarin Maria Fjodorowna 1887 von Alexander III. geschenkt bekam, auf einer Auktion für ca. 24 Millionen Euro an einen anonymen Bieter verkauft. Was daran überraschend sein soll? Der Verkäufer war ein amerikanischer Schrotthändler, der das Ei zuvor auf einem Flohmarkt entdeckt hatte, wo es zwischen allerlei Krimskrams zu einem deutlich niedrigeren Preis angeboten worden war.
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Wie man sieht, können die Ostereier von Fabergé auch heute noch für eine Überraschung sorgen - und das nicht nur zu Ostern. Vielleicht ist es schon bald wieder soweit, und eines der sieben verschwundenen imperialen Eier taucht wieder auf. Halten Sie die Augen offen!






