Genf erstrahlt im Glanz von Fabergé

Mitte Mai versteigern Christie's und Sotheby's erneut herausragenden Schmuck in Genf. In beiden Offerten kommt jeweils ein Diadem von Fabergé zum Aufruf. Die Schmuckstücke zierten einst die Häupter von zwei royalen Schwägerinnen.

Genf erstrahlt im Glanz von Fabergé

Das prachtvolle Diadem, das am 15. Mai bei Christie's in Genf aufgerufen wird, wurde 1904 für Prinzessin Alexandra von Hannover und Cumberland (1882-1963) anlässlich ihrer Hochzeit mit Friedrich Franz IV., Großherzog von Mecklenburg in Auftrag gegeben.

Das Fabergé-Diadem aus dem ehemaligen Besitz der Großherzogin Alexandra von Mecklenburg | Foto: Christie's
Das Fabergé-Diadem aus dem ehemaligen Besitz der Großherzogin Alexandra von Mecklenburg | Foto: Christie's

Auftraggeber war der Bräutigam, der bei der Wahl eines geeigneten Juweliers auf seine Mutter, die russische Prinzessin Anastasia Michailowna Romanowa, hörte, die eine Bewunderin und Sammlerin von Pretiosen aus dem Hause Fabergé war.

Archivmaterial belegt, dass es eine Korrespondenz über die Einzelheiten der Anfertigung des Hochzeitsgeschenks zwischen dem großherzoglichen Kabinett von Mecklenburg-Schwerin und Eugène Fabergé. dem ältesten Sohn von Firmengründer Peter Carl Fabergé, gab. Ein Brief vom 10. Mai 1904 beschreibt die Optionen für "ein Diamant-Diadem für 10.000 Rubel oder ein Diadem mit Aquamarinen und Diamanten für 7.500 Rubel".

Eine andere Notiz, die das Haus Fabergé an die Großherzogin geschickt hatte, damit diese die Bestätigung ihres Sohnes einholen konnte, verweist auf eine Reihe von Zeichnungen. Die Zeichnungen zeigten Beispiele für die mögliche Gestaltung des oberen Teils des Diadems, gingen allerdings verloren, sodass Eugène Fabergé nur zwei Wochen vor dem Hochzeitstermin im Juni noch immer ohne genaue Instruktionen dastand. Dieser erklärte schließlich, dass es ihm unter diesen Umständen nicht möglich sein würde, das Diadem pünktlich zu liefern.

Im Juni 1904 heirateten Prinzessin Alexandra von Hannover und Cumberland und der mecklenburgische Großherzog Friedrich Franz IV.
Im Juni 1904 heirateten Prinzessin Alexandra von Hannover und Cumberland und der mecklenburgische Großherzog Friedrich Franz IV.

An ihrem großen Tag trug Prinzessin Alexandra die traditionelle Hochzeitskrone des Hauses Hannover, die sich seit einem Jahrhundert im Besitz ihrer Familie befand und die ursprünglich von König George III. von England für seine Frau, Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, einer entfernten Verwandten von Bräutigam Friedrich Franz IV., in Auftrag gegeben worden war.

Großherzogin Alexandra von Mecklenburg-Schwerin mit ihrem Fabergé-Diadem
Großherzogin Alexandra von Mecklenburg-Schwerin mit ihrem Fabergé-Diadem

Ihr Hochzeitsgeschenk von Fabergé erhielt Alexandra zu einem späteren Zeitpunkt. Das Design des Diadems bestand aus vielen einer Hochzeit angemessenen Symbolen: Vergissmeinnichtblüten und Schleifen, die wahre und ewige Liebe symbolisieren, sowie Amorpfeile, die für Verbundenheit und Hingabe darstellen. Über diesem Meer von Symbolen erheben sich neun tropfenförmige Aquamarine, die den üppigen Diamantbesatz sogar noch überstrahlen. Nach der Novemberrevolution 1918, war das Diadem nicht mehr öffentlich gesehen worden. In Genf kommt es nun mit einem Schätzpreis von 200.000-300.000 Euro zum Aufruf.

Einen Tag früher, am 14. Mai, kommt auch bei Sotheby's in Genf ein Diadem "von allerhöchster Stelle", in diesem Fall sogar von kaiserlich-königlicher Stelle. Das Schmuckstück war einst Teil der Sammlung von Cecilie von Mecklenburg-Schwerin (1886-1954), der letzten Kronprinzessin des deutschen Kaiserreichs. Cecilie war über ihren Bruder, Großherzog Friedrich Franz IV., die Schwägerin von Prinzessin Alexandra von Hannover und mit dieser ein Leben lang freundschaftlich verbunden.

Dieses Diadem aus dem ehemaligen Besitz von Kronprinzessin Cecilie stammt vermutlich ebenfalls aus dem Hause Fabergé | Foto: Sotheby's
Dieses Diadem aus dem ehemaligen Besitz von Kronprinzessin Cecilie stammt vermutlich ebenfalls aus dem Hause Fabergé | Foto: Sotheby's

Cecilie und der deutsch-preußische Thronfolger Wilhelm begegneten einander auf der Hochzeit von Alexandra und Friedrich Franz im Juni 1904. Ein Jahr später traten auch sie in Berlin gemeinsam vor den Traualtar. Das vorliegende Diadem mit drei große runden Diamanten in einem Gitterwerk aus kleineren Diamanten, war ein Hochzeitsgeschenk der kaiserlichen Verwandten in Russland.

Links: Im Juni 1905 heirate Cecilie zu Mecklenburg-Schwerin den deutschen Thronfolger Wilhelm Rechts: Kronprinzessin Cecilie auf einem Portrait von  Philip Alexius de László, 1908
Links: Im Juni 1905 heirate Cecilie zu Mecklenburg-Schwerin den deutschen Thronfolger Wilhelm Rechts: Kronprinzessin Cecilie auf einem Portrait von Philip Alexius de László, 1908

Das Diadem wurde von Cecilie an ihre Tochter gleichen Namens weitergegeben, die es 1949 bei ihrer Hochzeit mit dem texanischen Innenarchitekten Clyde Kenneth Harris trug. Anschließend blieb das Diadem weiterhin in Familienbesitz. Auch wenn es nicht eindeutig als eine Arbeit des Hauses Fabergé bestimmt werden konnte, kommt es aufgrund seiner bedeutenden Provenienz in Genf mit einem ähnlich hohen Schätzpreis zum Aufruf (ca. 180.000-270.000 Euro).

Das teuerste Diadem, das jemals versteigert wurde, kam 2011 bei Sotheby's in Genf zum Aufruf. Es wurde ebenfalls in den Jahren um 1900 angefertigt. Auftraggeber war Graf Guido Henckel von Donnersmarck, der es seiner zweiten Frau Katharina Wassilievna de Slepzoff schenkte.

Das Donnersmarck-Diadem mit den Smaragden von Kaiserin Eugénie | Foto: The Telegraph
Das Donnersmarck-Diadem mit den Smaragden von Kaiserin Eugénie | Foto: The Telegraph

Als absolute Eye-catcher wurden hier elf Smaragde verarbeitet, die aus dem ehemaligen Besitz der französischen Kaiserin Eugénie stammten. Der erzielte Preis betrug 10,3 Millionen Euro.

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