1.400 Lose an zwei Tagen: Das hat sich die Landshuter Rüstkammer für seine kommende Jahresauktion am 17. und 18. September auf die Fahnen geschrieben. Während der erste Auktionstag antiken Waffen, Schusswaffen, Antiquitäten sowie Objekten aus dem Orient und Asien gewidmet ist, dürfen sich Sammler am zweiten Tag auf Orden und Ehrenzeichen sowie Militaria von 1750 bis 1989 freuen.
Die Objekte stammen allesamt aus Privatsammlungen, Nachlässen und Sammlungsauflösungen. Einer Sammlung mit österreichisch-ungarischen Waffen und Uniformen ist am zweiten Auktionstag eine eigene Kategorie gewidmet.

Das erste Highlight, das wir Ihnen vorstellen möchten, kommt in der Kategorie „Schutzwaffen und Rüstungen“ zum Aufruf. Der geschlossene Helm mit maximilianischem Dekor wurde um 1515 im süddeutschen Raum oder Innsbruck geschmiedet. Namensgeber für das Dekor war der römisch-deutsche Kaiser Maximilian I., der auch als „der letzte Ritter“ bezeichnet wurde. Maximilan lebte zu Zeiten der Frührenaissance, als die Zeit der Ritter und Minnesänger längst der Vergangenheit angehörte. Doch Maximilian lebte die ritterlichen Ideale, veranstaltete Schauturniere und verfasste mit der Dichtung Theuerdank ein Werk im ritterlichen Stil. Auch interessierte sich Maximilian sehr für die Plattnerkunst, entwickelte Herstellungstechniken und gründete 1504 in Innsbruck eine Rüstungsschmiede.
Weiter geht es mit der Kategorie „Schusswaffen Zivil und Jagdlich“, die gleich zwei Highlights des Katalogs beherbergt.
Zunächst wäre da ein verbeinter Radschloss-Puffer zu nennen, der um 1580 in Nürnberg hergestellt wurde und sich in sehr gutem Originalzustand befindet. Puffer war eine Bezeichnung für Pistolen im 16. und 17. Jahrhundert. Das Radschloss war 1517 erfunden worden und ermöglichte die Entwicklung kleinerer Waffen, die aufgrund ihrer praktischeren Handhabung zunächst von Reitern verwendet wurden. An diesen Verwendungszweck erinnert auch die Gravur eines Edelmannes zu Pferd auf der Zierscheibe des Kugelknaufs.

Der vorliegende Puffer trägt neben der Nürnberger Beschaumarke auch die Meistermarke „ZS“. Mit vollem Namen ist dieser Büchsenschmied nicht überliefert, doch das Monogramm ist in Nürnberg zwischen 1576 und 1590 nachweisbar.

Ebenfalls zum Aufruf kommt ein elegantes Paar Steinschloss-Pistolen mit Oktagonalläufen aus Damaststahl und Halbschäften aus Nussbaum. Wie die Signaturen auf beiden Oberseiten und das (vermutlich) originale Etikett verraten, wurden die Pistolen von Thomas Mortimer hergestellt, der 1807 sein eigenes Geschäft in London eröffnete. Gemäß des Etiketts war Mortimer Hoflieferant, der seine Waffen aber auch an die British East India Company und in die noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika lieferte.

In einer eigenen Kategorie gehen die orientalischen Waffen aus einer westdeutschen Sammlung an den Start. Hier muss vor allem dieser goldtauschierte Kard aus Wootz-Damast hervorgehoben werden, der um 1800 in Persien angefertigt wurde. Das interessante Stück zeichnet sich durch viele Details aus, darunter Griffschalen aus Walross-Elfenbein, vergoldete Schriftkartuschen, geschnittenes Blütendekor und eine Scheide aus Leder und ornamental getriebenen Beschlägen aus Silberblech.
Von den deutschen Orden und Ehrenzeichen aus der Zeit von 1800 bis 1933 darf dieser Hausorden vom Weißen Falken, der vom Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach verliehen wurde, nicht unerwähnt bleiben.

Der Orden war 1815 von Großherzog Carl August gestiftet worden, der damit einem knapp 100 Jahre zuvor von seinem Großvater gestifteten Orden neues Leben einhauchte. Bei dem vorliegenden Exemplar handelt es sich um ein Großkreuz in der militärischen Version, das von 1870 bis 1918 an Fürstlichkeiten vergeben wurde. Nur zwei Exemplare dieses musealen Ordens sind bekannt. Das zweite war 1870 an den ein Jahr später zum deutschen Kaiser ausgerufenen König Wilhelm I. von Preußen verliehen worden.
Mit einem Helm haben wir diese Auktionsvorschau begonnen und mit einem Helm möchten wir sie nun auch beenden. Rund 400 Jahre jünger als das eingangs erwähnte Highlight ist Helm M 1897, der von Generälen den preussischen Armee getragen wurde. Er ist Teil der Kategorie „Deutsche Militaria 1750-1918“.

Die eigentlich „Helme mit Spitze“ genannten Kopfbedeckungen waren 1843 in der preußischen Armee eingeführt worden, im Volksmund erhielten sie jedoch schnell den Beinamen „Pickelhaube“, mit dem sie auch heute noch meist bezeichnet werden. Der vorliegende Generalshelm mit emailliertem Stern des Schwarzen Adlerordens befindet sich in sehr schönem originalen Erhaltungszustand und hat seinen passenden Koffer dabei.
Die Auktion findet am 17. und 18. September im Auktionshaus, Fischergasse 660, in Landshut statt. Versteigerungsbeginn ist jeweils um 11 Uhr. Vorbesichtigungen sind dort ausschließlich mit Terminvereinbarung vom 6. bis 16. September möglich.



