Seinen Tiger, der seine Beute überrascht, muss man gesehen haben; es ist das Alpha und Omega der Malerei.
Woher bekam dieser Franzose, der sein Heimatland nie verlassen hat, nur die Inspiration für seine rätselhaften Dschungelbilder? Beeinflusst von Illustrationen in Kinderbüchern, den üppigen botanischen Gärten in Paris und Taxidermie-Tableaus, kreierte Henri Rousseau (1844-1910) in seiner Fantasie eine eigene grüne Landschaft mit exotischen Pflanzen und wilden Tieren. Während seiner Dienstzeit in der Armee hörte Rousseau zudem die Geschichten jener Soldaten, die von den französischen Expeditionen in Mexiko zurückgekehrt waren. All das verband er auf seinen Leinwänden zu einer eigenen, einzigartigen Welt.

Wenn ich in die Gewächshäuser gehe und die fremdartigen Pflanzen aus exotischen Ländern sehe, kommt es mir vor, als beträte ich einen Traum.
Henri Rousseau wurde 1844 im Westen Frankreichs geboren und ging zunächst einer Reihe verschiedener Jobs nach, vom Anwaltsgehilfen bis zum Steuereintreiber am Stadtrand von Paris (was ihm seinen Spitznamen Le Douanier(„der Zöllner“) einbrachte, um seine Familie zu unterstützen. Er hatte bereits die 40 überschritten, als er sich, ohne jede Ausbildung, der Malerei zuwandte. 1886 stellte er erstmals im Pariser Salon aus und 1891 präsentierte er seine erste bahnbrechende Dschungelszene, Überrascht! (Gewitter im Urwald), die einen Tiger aus der Sicht eines Forschers zeigt. Sein Künstlerkollege Félix Vallotton sagte: "Seinen Tiger, der seine Beute überrascht, muss man gesehen haben; es ist das Alpha und Omega der Malerei und so verstörend, dass vor so viel Kompetenz und kindlicher Naivität die tiefsten Überzeugungen aufrecht erhalten und hinterfragt werden."
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1893 gab er seine Anstellung bei der Pariser Zollbehörde endgültig auf und wurde Vollzeitmaler. Da er keinerlei formale Ausbildung genossen hatte, zog er einen naiven oder primitiven Stil vor. Auch wird ihm die Erfindung der "Porträt-Landschaft" nachgesagt, wobei es sich um ein Porträt vor einem äußerst detailliert wiedergegebenen Landschaftshintergrund handelt.
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Auch wenn so manches seiner Werke harsche Kritiken erhielt, wurden Rousseaus moderne und beinahe surrealistisch anmutende Gemälde von seinen Zeitgenossen wie René Magritte, Max Ernst und Pablo Picasso verehrt. Letzter war von Rousseaus Bildern so begeistert, dass er 1908 das "Banquet Rousseau" veranstaltete, eine Künstlerparty, die so legendär geworden ist, dass sie als eine der bedeutendsten Zusammenkünfte der Kunstwelt des 20. Jahrhunderts betrachtet wird.
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Henri Rousseau starb 1910 im Alter von 66 Jahren aufgrund einer Entzündung im Bein. Zu seiner Beerdigung kamen viele Künstler, darunter Constantin Brâncuși, Robert und Sonia Delaunay und Paul Signac. Hundert Jahre später begeistern seine Dschungelszenen noch immer und 2006 widmete ihm das Tate Modern in London die Ausstellung Henri Rousseau: Jungles in Paris, in der 50 seiner Meisterwerke gezeigt wurden.
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Heute befinden sich viele von Henri Rousseaus Werken in führenden Museen weltweit, darunter das Metropolitan Museum of Art und das MoMA in New York, das Musée d'Orsay in Paris und die National Gallery in London. Auch erzielen seine Gemälde hohe Preise auf dem Auktionsmarkt. Der noch immer gültige Rekord wurde jedoch bereits 1993 aufgestellt, als Porträt von Joseph Brummer (Porträt-Landschaft) bei Christie's für 2.971.500 GBP versteigert wurde.
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