Paul Gauguin wurde am 7. Juni 1848 in Paris geboren, wo in jenem Jahr mal wieder ein König abgesetzt und eine Republik ausgerufen wurde. Vier Jahre später kam es zum Staatsstreich und der Präsident der Republik aus dem Hause Bonaparte ließ sich zum Kaiser Napoleon III. krönen. Gauguins Vater, ein liberaler Journalist, zog es bereits im Vorfeld dieses Ereignisses vor, mit seiner Familie Paris zu verlassen. Es ging nach Peru, der Heimat der Familie von Pauls Mutter. Weitere vier Jahre später ging es zurück nach Frankreich, wo sich Paul Gauguin im Alter von 17 Jahren der Handelsmarine anschloss, später jedoch zur Kriegsmarine wechselte. Sechs Jahre lang führte er diese Leben, nahm am Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 teil, um dem Militär anschließend den Rücken zu kehren und sich in Paris als Börsenmakler zu etablieren.

Paul Gauguin wurde schnell erfolgreich, führte ein sorgloses Leben in der Pariser Bourgeoisie und sammelte impressionistische Gemälde. Er besuchte den in der Karibik geborenen Camille Pissarro in dessen Atelier und begann sich selbst als Künstler zu versuchen, nachdem er bereits während seiner Schulzeit in Orléans Zeichenunterricht erhalten hatte.
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Seine frühen Werke umweht noch ein Hauch von Banalität, dennoch beinhalten sie bereits eine geschwungene Perspektive, für die seine Meisterwerke berühmt werden sollten. Auch seine Familie diente ihm als Modell: 1873 hatte er die Dänin Mette-Sophie Gad geheiratet, mit der er fünf gemeinsame Kinder bekam. Die Malerei faszinierte ihn, doch führte sie ihn auch geradewegs in eine frühe Midlife-Crisis, die im Grunde nie mehr aufhören sollte: Mit 38 Jahren verließ er seine Frau und die Kinder, um sich ganz der Malerei zu widmen.
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Plötzlich war er ein Maler ohne Einkommen und gezwungen, seine Kunstsammlung zu verkaufen, um zu überleben. Auf Anraten eines Freundes verließ er Paris, um sich in der Bretagne in Pont-Aven niederzulassen, "Ein billiges Loch", wie er selbst sagte, wo bereits viele Künstler lebten. Gauguin staunte über das Licht und die Landschaften am Meer, aus denen Gelb, Zinnoberrot und funkelndes Blau hervorgingen. Inspiriert von der rauen Natur entwickelte er einen eben solchen Malstil.

Als Paul Gauguin Émile Bernard dabei beobachtete, wie dieser Bretonen auf einer grünen Wiese malte, war es für ihn wie eine Offenbarung und auch er begann, die lokale Bevölkerung zum Mittelpunkt seiner Gemälde zu machen. Gauguin unterbrach sein Leben in Pont-Aven immer wieder durch Aufenthalte in wärmeren Gefilden, wie das karibische Martinique oder das südfranzösische Arles, wo er 1888/89 mit Vincent van Gogh eine stürmische Zeit erlebte.
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Paul Gauguin begann einen prägnanten Stil zu entwickeln, der jedoch nicht überall auf Verständnis stieß. Für La belle Angèle (1889) diente ihm wieder einmal eine junge Bretonin als Modell. Für das farbenfrohe, zwischen dem damals modernen Japonismus und einem ländlichen Porträt angesiedelte Bild erntete er nur den Spott der Bewohner von Pont-Aven. In Paris erhielt er zumindest die Zustimmung einer Nabis wie Paul Sérusier und Maurice Denis.
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Ebenfalls 1889 entstand das Gemälde Le Christ Jaune ("Der gelbe Christus"), das die Kreuzigung Christi in die herbstliche Bretagne versetzt und das das symbolistische Schlüsselwerk in Gauguins Œuvre war. Einige Jahre später tauchte das Gemälde spiegelverkehrt in Gauguins Selbstportrait mit dem Gelben Christus auf. Kurz darauf, im April 1891, trat Gauguin schließlich die Reise seines Lebens an, die ihn nach Polynesien führte. Gauguin wandelte dabei auf den geistigen Spuren Rousseaus und hoffte auf "edle Wilde" zu treffen, die ein unverfälschtes Leben fern von jeder Zivilisation führten.

Doch wurde Gauguin von der Realität auf Tahiti, das seit 1880 eine französische Kolonie war, enttäuscht. Es herrschten dort bereits sehr europäische Verhältnisse, die die Traditionen der Urbevölkerung immer weiter verdrängten. Dies spiegelt sich auch in seinen Gemälden wieder, die nur auf den ersten Blick paradiesisch wirken, auf den zweiten jedoch eine rohe Realität enthüllen. Der 43-jährige Paul Gauguin selbst lebte mit einer erst 13-jährigen Tahitianerin namens Teha'amana zusammen, die ihm auch häufig als Modell diente.
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Gauguin baute sich ein ursprünglichen Garten Eden nach seinen eigenen Vorstellungen, weit entfernt von der Realität der Kolonialisierung. Er baute Hütten, schnitzte hölzerne Skulpturen und erging sich in "seinem wilden Leben", das er in seinem Journal Noa Noa beschrieb – ungeachtet dessen, dass das meiste davon seiner Fantasie entsprang.
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Nach einer Erkrankung und aus Geldmangel kehrte Gauguin 1893 nach Paris zurück, wo er eine Ausstellung seiner in Polynesien entstandenen Gemälde beim Galeristen und Kunsthändler Paul Durand-Ruel organisierte. Doch auch jetzt waren die Kritiken gemischt und viele der Gemälde blieben unverkauft. Schließlich veräußerte er sie unter Wert, nur um in sein Inselparadies zurückkehren zu können.
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Dort nahm er seine Gewohnheiten wieder auf und lebte mit einem anderen sehr jungen Mädchen zusammen. Während des zweiten Polynesien-Aufenthalts schuf Gauguin mit Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? (1897) aber auch eines seiner Meisterwerke und setzte sich für die Rechte der Urbevölkerung ein, bevor er am 8. Mai 1903 in Atuona, dem Hauptort der polynesischen Insel Diva Oa, im alter von 54 Jahren starb.
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Wie viele innovative Künstlern stieß auch Paul Gauguin zu Lebzeiten bei seinen Mitmenschen meist auf Unverständnis und Ablehnung. Erst später begannen seine Arbeiten, die er selbst oft für wenig Geld verschleudern musste, ihren Besitzern hohe und höchste Summen ein. 2015 wurde Gauguins Gemälde Nafea faa ipoipo ("Wann heiratest Du?") auf privatem Weg verkauft. Auch wenn der genaue Kaufpreis sowie der Käufer nie öffentlich bekannt wurden, wird gemunkelt, dass das Bild für 300 Millionen US-Dollar nach Katar ging. Damit wäre es zu jenem Zeitpunkt das teuerste Gemälde der Welt gewesen.
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Auf dem Auktionsmarkt wurde der bislang teuerste Preis für ein Werk Gauguins im November 2022 erzielt, als Maternité II (1899) im Zuge der Versteigerung der Paul G. Allen Collection für 105,7 Millionen US-Dollar einen neuen Besitzer fand.
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 27. April 2020









