Architekt und Designer Arne Jacobsen war der Erschaffer einer modernen Designsprache, die Ästhetik und Funktionalität miteinander zu verbinden verstand. Als Vertreter des Europäischen Funktionalismus, zählt er gemeinsam mit Le Corbusier und dem Ehepaar Eames zu den großen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, dessen Erbe nachhaltig zu spüren ist.
1902 wurde Arne Jacobsen in gutbürgerlichen Verhältnissen in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen geboren. Als kreativer junger Mann wollte er sich eigentlich der Malerei zuwenden, doch überzeuge ihn sein Vater, es statt dessen mit der Architektur zu versuchen. 1924 schrieb er sich an der Königlich Dänischen Kunstakademie ein und studierte dort gemeinsam mit Kay Fisker und Kaj Gottlob.

1925 auf der Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes in Paris, die dem Art déco seinen Namen gab, wies Le Corbusier diesen barock anmutenden Stil bereits wieder zurück. Auch Arne Jacobsen nahm an der Ausstellung teil und konnte mit einem von ihm entworfenen Stuhl, der seinen Respekt vor natürlichen Materialien und klare Linien ausdrückte, einen Preis gewinnen. Zu diesem Design inspiriert worden war Jacobsen von den Arbeiten des Svenska Slöjdföreningen und des Bauhaus unter Walter Gropius.
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1929 gewann Arne Jacobsen gemeinsam mit Flemming Lassen einen Wettbewerb für den Entwurf eines "Hauses der Zukunft". Das innovative Projekt brachte ein rundes Haus hervor, das auf dem Dach sogar über einen Hubschrauberlandeplatz verfügte. Ein Jahr später gründete Jacobsen schließlich seine eigene Agentur. Er entwarf Häuser und Pavillons aber auch Sportanlagen. 1933 folgte der erste Auftrag für das pharmazeutische Unternehmen Novo Nordisk: Die Villa des Direktors Thorvald Pedersen. Später folgte der Bau eines Labors in Kopenhagen.

1932 erhielt Jacobsen mit dem Entwurf eines Ferienkomplexes in Klampenborg den Auftrag für sein erstes Großprojekt. 1934 erschuf er dort das Wohngebäude Bellavista ganz aus Glas, Beton und Stahl und 1937 komplettierte er das Theater mit einem einziehbaren Dach. Doch er stieß mit seinem modernen Design nicht überall auf Anerkennung und nicht selten musste er gegen eine starke öffentliche Opposition ankämpfen. Dennoch konnte er 1936 die Ausschreibung für den Entwurf des neuen Rathauses von Aarhus gemeinsam mit Erik Møller für sich entscheiden.
In den 1930er Jahren begann auch Jacobsens Zusammenarbeit mit den Möbelherstellern Fritz Hansen und Louis Poulsen.

Nach weiteren Projekten brachte der Zweite Weltkrieg Jacobsens architektonische Arbeit vorerst zum Erliegen. Jacobsen, dessen Familie jüdisch war, sah sich gezwungen, nach Schweden zu fliehen. Nach Ende des Krieges kehrte er jedoch umgehend in seine Heimat zurück und beteiligte sich am modernen Wiederaufbau des Landes.
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1952 entwarf er schließlich eines seiner berühmtesten Objekte, den Ant Chair, das ein weltweiter Erfolg werden sollte. Hier verband sich Ästhetik mit Funktionalität aufs Vortrefflichste: Sitzfläche und Rückenlehne waren aus einem geschwungenen Stück gefertigt, vier schlichte Stahl-Rohre dienten als Beine. Zudem war er federleicht, stapelbar und somit einfach zu handhaben.

1960 entwarf er mit dem SAS Royal Hotel in Kopenhagen (heute Radisson Collection Hotel, Royal Copenhagen) ein Gesamtkunstwerk. Es war das erste Hotel, das komplett von einem Designer entworfen wurde, auch wenn Jacobsen die Bezeichnung "Designer" für sich selbst ablehnte. Arne Jacobsen entwarf also nicht nur das Gebäude, sondern auch dessen Ausstattung. Zu dieser gehörten auch die Stühle Egg und Swan, die nicht minder berühmt werden sollten, als der Ant Chair.

Zu diesem Zeitpunkt war Arne Jacobsen längst internationale Anerkennung zuteil geworden. Er führte verschiedene Projekte in Deutschland und England aus, darunter den Neubau des Christianeums in Hamburg und das St. Catherine's College in Oxford. 1965 begann er mit seinem Entwurf für das Gebäude der Dänischen Nationalbank, ein trapezoides Bauwerk mit mächtigen Wänden aus Marmor und Glas, das erst 1978 vollendet werden sollte. 1970 begann er zudem an Entwürfen für das Rathaus in Mainz und einen weiteren Auftrag für Novo Nordisk zu arbeiten.
Doch diese Projekte blieben unvollendet, denn Arne Jacobsen starb 1971 im Alter von 69 Jahren. Unsterblich hingegen sind auch heute noch seine ikonischen Stühle, die auch fast fünfzig Jahre nach dem Tod ihres Schöpfers auf dem Auktionsmarkt heiß begehrt sind. Diese Tatsache verdeutlicht, wie zeitlos die Entwürfe Arne Jacobsens waren, die mit ihrem Minimalismus den modernen Funktionalismus des 20. Jahrhunderts definiert haben.
Aktualisierte Version eines Artikels vom 18. Februar 2019
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