Künstler in Hochform & "bauhaus forever" bei Grisebach

In seiner Frühjahrsauktion 2019 präsentiert Grisebach eine herausragende Selektion moderner und zeitgenössischer Kunst und widmet dem diesjährigen Jubilar Bauhaus eine gesonderte Auktion.

Künstler in Hochform & "bauhaus forever" bei Grisebach

Vom 29. Mai bis 1. Juni lässt das Berliner Auktionshaus Grisebach die letzten 200 Jahre Kunstgeschichte Revue passieren und versammelt zu diesem Zweck die Elite moderner und zeitgenössicher Künstler aus Deutschland und der internationalen Kunstwelt.

Am ersten Auktionstag lädt Grisebach ab 15 Uhr ein zu einer kleinen Zeitreise ins 19. Jahrhundert und gibt Einblick in diese wichtige Epoche, in der der Weg zur modernen Malerei geebnet wurde. Von musealer Qualität ist hier Fritz von Uhdes Werk Holländische Näherinnen von 1882, das der Künstler nach dem Vorbild seines geschätzten Kollegen Max Liebermann malte. Zur Vertiefung seiner diesbezüglichen Studien reiste er zudem in die Niederlande.

Fritz von Uhde (1848 Wolkenburg – 1911 München), Holländische Nähstube, Öl/Lwd., signiert, 1882 | Foto: Grisebach
Fritz von Uhde (1848 Wolkenburg – 1911 München), Holländische Nähstube, Öl/Lwd., signiert, 1882 | Foto: Grisebach

Um 18 Uhr wird am selben Tag die Vielfältigkeit und Entwicklung der Fotografie näher beleuchtet. Zum Aufruf kommt hier mit Young Berber Shepherdess, Morocco ("Junge Berber Schäferin, Marokko") eine Arbeit von Irving Penn. Die Aufnahme entstand 1971, als Penn für die Vogue nach Marokko gereist war. Es war die letzte Station einer Reihe von Reisen, die Penn für das Modemagazin unternommen hatte, und die ihn nach Japan, Kreta, Spanien, Benin, Kamerun, Nepal und Neu-Guinea geführt hatten.

Irving Penn (1917 Plainfield – 2009 New York), „Young Berber Shepherdess, Morocco“, 1917, Silbergelatineabzug von 1983 | Foto: Grisebach
Irving Penn (1917 Plainfield – 2009 New York), „Young Berber Shepherdess, Morocco“, 1917, Silbergelatineabzug von 1983 | Foto: Grisebach

Albert Renger-Patzschs Arbetein der Neuen Sachlichkeit bildeten in dem 1928 Buch Die Welt ist schön die Grundlagen der modernen Fotografie. Ein besonderes Merkmal seiner Aufnahmen sind die begrenzten Bildausschnitte, die das Objekt aus jedem Kontext nehmen.

Albert Renger-Patzsch (1897 Würzburg – 1966 Wamel), Triebwerk einer Lokomotive, 1925, Vintage Silbergelatineabzug | Foto: Grisebach
Albert Renger-Patzsch (1897 Würzburg – 1966 Wamel), Triebwerk einer Lokomotive, 1925, Vintage Silbergelatineabzug | Foto: Grisebach

Das Œuvre des tschechischen Fotografen František Drtikol ist geprägt von der Ästhetik des Art Déco. 1925, dem Jahr, aus dem auch die vorliegende Fotografie Composition au nu aux poires ("Komposition mit Akt und Birnen") stammt, nahm Drtikol an der epochemachenden Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes in Paris teil und gewann den Großen Preis.

František Drtikol (1883 Příbram – 1961 Prag), Composition au nu aux poires, 1925, Vintage Silbergelatineabzug | Foto: Grisebach
František Drtikol (1883 Příbram – 1961 Prag), Composition au nu aux poires, 1925, Vintage Silbergelatineabzug | Foto: Grisebach

Am 30. Mai widmet Grisebach mit "ORANGERIE bauhaus forever" eine ganze Auktion dem wegweisen Bauhaus, dessen Gründung vor 100 Jahren wir in diesem Jahr feiern. "Weniger ist mehr" war eine Devise der Kunstschule, die das Zeitalter moderner Architektur und Design einläutete. Hervorragend umgesetzt hat 1923/24 diesen Vorsatz Wilhelm Wagenfeld bei dem Entwurf einer Tischlampe aus Glas, die bis 1933 in nur geringen Auflagen produziert wurde.

Links: Naum Slutzky (1894 Kiew – 1965 Stevenage), Tee- und Kaffeeservice mit Tablett für Anna Sophie und Fritz Block, Silber, Ebenholz, Meisterzeichen, 1927 || Rechts: Wilhelm Wagenfeld (1900 Bremen – 1990 Stuttgart), „Tischlampe aus Glas“, Modell MT 9, Kristallglas, Glasrohr, Messing, Stahl, Technikporzellan, 1924 | Fotos: Grisebach
Links: Naum Slutzky (1894 Kiew – 1965 Stevenage), Tee- und Kaffeeservice mit Tablett für Anna Sophie und Fritz Block, Silber, Ebenholz, Meisterzeichen, 1927 || Rechts: Wilhelm Wagenfeld (1900 Bremen – 1990 Stuttgart), „Tischlampe aus Glas“, Modell MT 9, Kristallglas, Glasrohr, Messing, Stahl, Technikporzellan, 1924 | Fotos: Grisebach

Um eine Auftragsarbeit handelt es sich bei einem silbernen Tee- und Kaffeeservice mit Tablett, das Naum Slutzky 1927 für den Hamburger Architekten Fritz Block und dessen Frau Anna Sophie entworfen hat, und dass passenderweise von einem architektonischen Stil geprägt ist.

Am Abend kommen ab 18 Uhr 50 ausgewählte Werke moderner und zeitgenössischer Künstler zum Aufruf. Eines der "Highlights unter Highlights" ist hier Max Hermann Pechsteins Stillleben in Grau von 1913, einer Zeit, in der er sich stark mit der Kunst Afrikas und Ozeaniens auseinandersetzte. Im Zentrum des Stillebens befindet sich ein figürlich gestalteter Hocker aus Kamerun. Ihm zur Seite steht eine blaue Vase, die auch in dem Grünen Stillleben von 1917 abgebildet ist, das hier ebenfalls versteigert wird.

Hermann Max Pechstein (1881 Zwickau – 1955 Berlin), „Stilleben in Grau“, Öl/Lwd., monogrammiert und datiert, 1913 | Foto: Grisebach
Hermann Max Pechstein (1881 Zwickau – 1955 Berlin), „Stilleben in Grau“, Öl/Lwd., monogrammiert und datiert, 1913 | Foto: Grisebach

Von Karl Schmidt-Rottluff liegt mit Fischräucherei am Bahngleis von 1937 das letzte Werk der großen Schaffenszeit des bedeutenden deutschen Expressionisten vor. Die damaligen Machthaber verfolgten eine Kulturpolitik, in die Künstler wie Schmidt-Rottluff nicht hineinpassten, die mit Mal- und Ausstellungsverboten schikaniert wurden. Schmidt-Rottluff reagierte auf diese Situation mit weitesgehender Ohnmacht, die ihn kaum noch hinter die Leinwand brachte.

Karl Schmidt-Rottluff (1884 Rottluff – 1976 Berlin), „Fischräucherei am Bahngleis“, Öl/Lwd., betitelt, bezeichnet und signiert, 1937 | Foto: Grisebach
Karl Schmidt-Rottluff (1884 Rottluff – 1976 Berlin), „Fischräucherei am Bahngleis“, Öl/Lwd., betitelt, bezeichnet und signiert, 1937 | Foto: Grisebach

Wie Claude Monet rund zwanzig Jahre zuvor, konnte sich auch Gabriele Münter für Heuhaufen begeistern und malte sie mehrfach. Sie fand sie sozusagen vor ihrer Haustür in Murnau am Staffelsee, wo sie ab 1909 zeitweise und ab 1931 dauerhaft wohnte.

Gabriele Münter (1877 Berlin – 1962 Murnau), Heuhocken in Murnau, Öl/Pappe, monogrammiert, um 1909 | Foto: Grisebach
Gabriele Münter (1877 Berlin – 1962 Murnau), Heuhocken in Murnau, Öl/Pappe, monogrammiert, um 1909 | Foto: Grisebach

Ebenfalls Teil der Auktion ist das großartige Rot in tiefstem Klang von 1962, das zu den Scheiebnbilern gehört, die Ernst Wilhelm Nay ab den 1950er Jahren schuf. Sie sind die Weiterentwicklung seiner Rhythmischen Bilder, die er durch musikalische Anregungen kreiert hatte. Bei den Scheibenbildern entstand die "Bewegung [...] ausschließlich durch die Energie der Farbe".

Ernst Wilhelm Nay (1902 Berlin – 1968 Köln), „Rot in tiefem Klang“, Öl/Lwd., signiert und datiert, 1962 | Foto: Grisebach
Ernst Wilhelm Nay (1902 Berlin – 1968 Köln), „Rot in tiefem Klang“, Öl/Lwd., signiert und datiert, 1962 | Foto: Grisebach

Am 31. Mai steht um 11 Uhr zunächst Moderne Kunst auf dem Programm, gefolgt von Zeitgenössischer Kunst um 18 Uhr. Als absolutes Highlight kommt hier ein Exemplar aus Gerhard Richters Edition Fuji von 1996 zum Aufruf, die bei Sammlern besonders begehrt ist. Richter gehört zu den wenigen Künstlern, die für Editionen das Medium der Malerei verwenden und so im Grunde eine Reihe von Unikaten erschaffen.

Gerhard Richter (*1932 Dresden), "Fuji", Öl/Alucobond, signiert, eines von 110 nummerierten Unikaten, 1996 | Foto: Grisebach
Gerhard Richter (*1932 Dresden), "Fuji", Öl/Alucobond, signiert, eines von 110 nummerierten Unikaten, 1996 | Foto: Grisebach

1973 stellte Sigmar Polke beim Westfälischen Kunstverein in Münster aus. Als Gegenleistung sollte er dem Verein eine Jahresgabe zukommen lassen, die ausschließlich von dessen Mitgliedern gekauft werden konnten. Polke tat wie ihm geheißen und übergab dem Verein eine Reihe erotischer bis pornografischer Arbeiten, die so manchem Vereinsmitglied die Schamesröte ins Gesicht trieben, aber dennoch gekauft wurden.

Sigmar Polke (1941 Oels – 2010 Köln), Ohne Titel (Münster 1973), Gouache u. Goldfarbe/Papier, signiert und datiert, 1973 | Foto: Grisebach
Sigmar Polke (1941 Oels – 2010 Köln), Ohne Titel (Münster 1973), Gouache u. Goldfarbe/Papier, signiert und datiert, 1973 | Foto: Grisebach

Den Abschluss der Auktionen bildet wie gewohnt die Versteigerung "Third Floor - Schätzwerte bis 3.000 Euro", die am 1. Juni um 11 Uhr und 15 Uhr stattfindet.

Die Auktionen finden im Auktionshaus Grisebach in der Fasanenstraße 25 in Berlin statt. Dort kann vom 24.-28. Mai die Ausstellung dazu besucht werden.

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