Licht von der Lichttänzerin im Auktionshaus Kastern

Die große schöpferische Kraft, die während der Belle Époque in Paris herrschte, kommt in zahlreichen Kunstwerken und dekorativen Objekten zum Ausdruck. Inspiration fanden die Künstler überall, oft bei den Tänzerinnen der Varietés oder in der Pariser Oper. Einige besonders interessante Stücke werden jetzt im Auktionshaus Kastern versteigert.

Licht von der Lichttänzerin im Auktionshaus Kastern

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren nicht nur die Bildenden Künste in Aufbruchstimmung, auch bei den Darstellenden Künsten tat sich Neues. Drei Lose, die am 22. September im Hannoverschen Auktionshaus Kastern zum Aufruf kommen, verdeutlichen das besonders gut.

RAOUL FRANÇOIS LARCHE (1860 Saint-André-de-Cubzac - 1912 Paris) - Tischlampe "Loie Fuller", vergoldete Bronze, signiert
RAOUL FRANÇOIS LARCHE (1860 Saint-André-de-Cubzac - 1912 Paris) - Tischlampe "Loie Fuller", vergoldete Bronze, signiert

Bei den Objekten handelt es sich um figürliche Lampen aus vergoldeter Bronze, die um 1900 von den französischen Bildhauern Raoul François Larche und Agathon Léonard geschaffen wurden. Als Inspirationsquelle für die elektrifizierten Tischlampen diente ihnen die amerikanische Tänzerin Loie Fuller, die seit 1892 in Paris für Furore sorgte.

AGATHON LÉONARD (1841 Lille - 1923 Paris) Links: Tischlampe "Danseuse à l'écharpe", vergoldete Bronze, signiert Rechts: Tischlampe "Danseuse à l'écharpe", vergoldete Bronze, signiert
AGATHON LÉONARD (1841 Lille - 1923 Paris) Links: Tischlampe "Danseuse à l'écharpe", vergoldete Bronze, signiert Rechts: Tischlampe "Danseuse à l'écharpe", vergoldete Bronze, signiert

Wie sie das machte? Loie Fuller kreierte einen Tanz mit Schleiern, den sogenannten Serpentinentanz, bei dessen Aufführung farbige Lichtprojektionen aus elektrischem Licht zum Einsatz kamen. Dieser ausdrucksstarke Tanz war zu jener Zeit als etwas völlig Neues und gilt als die Geburtsstunde des modernen Tanzes.

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Die eleganten Lampen von Larche und Léonard stellen durch ihre elegante Ausführung und ihrer Elektrifizierung die perfekte Reminiszenz an die bedeutende Tänzerin dar.

Die beiden Bildhauer waren nicht die einzigen Künstler im damaligen Paris, die Loie Fuller in ihren Werken verewigten. Unter ihnen Auguste Rodin und natürlich Henri  de Toulouse-Lautrec, der die Tänzerinnen des Folies Bergères und vom Montmartre wie kein anderer für die Nachwelt festgehalten hat.

Links: HENRI DE TOULOUSE-LAUTREC (1864 Albi - 1901 Saint-André-du-Bois) - Mademoiselle Marcel Lender, en buste, Farblithografie/Papier, monogrammiert Rechts: Tänzerin Marcelle Lender (1862-1926) | Abb. via Wikipedia
Links: HENRI DE TOULOUSE-LAUTREC (1864 Albi - 1901 Saint-André-du-Bois) - Mademoiselle Marcel Lender, en buste, Farblithografie/Papier, monogrammiert Rechts: Tänzerin Marcelle Lender (1862-1926) | Abb. via Wikipedia

Zu den Tänzerinnen, die Toulouse-Lautrec wiederholt portraitierte, gehörte auch Marcelle Lender, die in Paris nicht nur für ihren Tanz sondern auch für ihre leuchtend roten Haare bekannt war. Ihr "Markenzeichen" waren zwei große rote Mohnblumenblüten aus Stoff, die sie im Haar trug. Die Blüten sind auch auf der Farblithografie zu sehen, die der Künstler 1895 von der 33-jährigen Mademoiselle Lender schuf.

Um 1900 tummelten sich nicht nur zahllose Künstler der Avantgarde und Tänzerinnen in Paris, sondern auch viele reiche Amerikaner, die die Bedeutung der neuen Stilrichtungen erkannten und als Mäzene tatkräftig unterstützten. Eine der bekannten Persönlichkeiten in dieser Funktion war Gertrude Stein, die eine der frühesten Förderer von Picasso, Matisse und Braque war.

Ein andere Gertrude war Gertrude Vanderbilt Whitney (1875-1942), die zeitweilig in Paris lebte und sich als Erbin eines Eisenbahnimperiums und Gattin eines Bankiers keine Gedanken um Geld machen musste. Tat sie auch nicht. Stattdessen trat sie als großzügige Mäzenin auf und entpuppte sich selbst als talentierte Bildhauerin, der sogar der große Rodin seine Aufmerksamkeit zukommen ließ.

Links: GERTRUDE VANDERBILT WHITNEY (1875 New York 1942) - Kopf des Titanic Memorials, Bronze/Marmor, signiert und datiert, 1915 Rechts: Gertrude Vanderbilt Whitney, Fotografie von 1917 | Abb. via Wikipedia
Links: GERTRUDE VANDERBILT WHITNEY (1875 New York 1942) - Kopf des Titanic Memorials, Bronze/Marmor, signiert und datiert, 1915 Rechts: Gertrude Vanderbilt Whitney, Fotografie von 1917 | Abb. via Wikipedia

In den Vereinigten Staaten sind einige Skulpturen der Gründerin des New Yorker Whitney Museums auf öffentlichen Plätzen zu sehen, darunter das Women's Titanic Memorial in Washington, das an die Opfer des 1912 gesunkenen Ozeandampfers erinnert - ein Unglück, bei dem auch einige Bekannte Gertrudes aus der New Yorker High Society ihr Leben verloren hatten. Ein Bronzeabguss des Kopfes des Titanic Memorials kommt ebenfalls in der Auktion von Kastern zum Aufruf

Mit dem deutschen Bildhauer Georg Kolbe kehren wir noch einmal in die Welt des Tanzes zurück, denn es war die bronzene Tänzerin, die ihn 1912 bekannt machte. Die Skulptur gilt als Kolbes Schlüsselwerk, mit dem er zu einer eigenen ausdrucksstarken Formensprache gefunden hatte. Im Auktionshaus Kastern kommt die 14 Jahre später entstandene Klagende zum Aufruf. Dabei handelt es sich um einen von nur neun zu Lebzeiten des Künstlers ausgeführten Güsse von insgesamt nur zwölf ausgeführten Exemplaren.

Links: GEORG KOLBE (1877 Waldheim - 1947 Berlin) - Klagende, Bronze, 1926 Rechts: SALVADOR DALÍ (1904 Figueras 1989) - Venus Spatiale, Bronze, signiert
Links: GEORG KOLBE (1877 Waldheim - 1947 Berlin) - Klagende, Bronze, 1926 Rechts: SALVADOR DALÍ (1904 Figueras 1989) - Venus Spatiale, Bronze, signiert

In der Auktion ebenfalls vertreten sind zwei interessante Skulpturen der beiden bedeutenden Surrealisten Salvador Dalí und Max Ernst. Von Dalí stammt die 1977 erdachte Bronze Venus Spatiale, die einen klassischen, wenn auch geteilten, Frauentorso mit Symbolen kombiniert, die gleichermaßen Vergänglichkeit und das Leben darstellen.

Von Max Ernst stammt die dreiteilige Bronze La Reine, le Fou et le Cheval ("Dame, Läufer und Springer") von 1929/30. Der Künstler lebte ab 1922 in Paris, wo er zunächst beim Ehepaar Paul und Gala Éluard unterkam. Max und Gala begannen eine Affaire, es entstand eine Dreiecksbeziehung, die jedoch nicht für die Ewigkeit bestimmt war. 1932 ging Gala eine neue Ehe ein, jedoch nicht mit Max Ernst, sondern mit Salvador Dalí. Könnte die vorliegende Skulptur mit der Königin des Schachspiels mit zwei ihr unterlegenen Figuren eine Anspielung auf die Ménage à trois darstellen?

MAX ERNST (1891 Brühl - 1976 Paris) - La Reine, le Fou et le Cheval, Bronze, signiert
MAX ERNST (1891 Brühl - 1976 Paris) - La Reine, le Fou et le Cheval, Bronze, signiert

In der kommenden Versteigerung im Auktionshaus Kastern gibt es noch viele weitere interessante Objekte zu entdecken. Insgesamt werden über 1000 Lose mit Gemälden, Grafik, Skulpturen, Ikonen, Silber, Möbel, Porzellan sowie Uhren und Schmuck angeboten. Beginn der Auktion, die im Auktionshaus in der Baringstraße 8 in Hannover stattfindet, ist 11 Uhr. Noch bis zum 21. September haben Sie dort täglich die Gelegenheit einer Vorbesichtigung aller Objekte.

Wie immer finden Sie alle Lose des aktuellen Kataloges auch hier bei Barnebys.