Louise Arén hat nur wenige Interviews gegeben, seit sie vor vier Jahren die Position als CEO bei Bukowskis antrat und in dieser Zeit viele Neuerungen in dem Traditionsunternehmen mit 150-jähriger Geschichte eingeführt hat. Davor war sie bei Bukowskis als Leiterin der Abteilung für digitale Entwicklung und E-Commerce angestellt gewesen. Mit der Übertragung der Gesamtleitung an Arén machte Bukowskis mehr als deutlich, welchen Weg es zukünftig einschlagen wollte.
Um mehr über die Zukunft der Auktionsindustrie zu erfahren, wird sich Barnebys' Mitgründer Pontus Silfverstolpe in den nächsten Monaten mit verschiedenen Vertretern der Branche zusammensetzen. Seine erste Interviewpartnerin war Louise Arén, die mit ihm über ihre Erfahrungen mit strategischer Geschäftsentwicklung, Wettbewerb und die Verbesserung ihres Unternehmens durch den Fokus auf Daten und Qualität gesprochen hat.
Pontus Silfverstolpe: Gelinde gesagt war dieses Frühjahr mal etwas ganz anderes. Wie hat sich COVID-19 auf die erste Jahreshälfte 2020 ausgewirkt?
Louise Arén: Wir haben angesichts der Situation in diesem Frühjahr vieles zurückgeschraubt, konnten unsere Geschäfte jedoch fortführen. Online ist es besser gelaufen als jemals zuvor, obwohl wir vor Beginn der Auktionssaison nur vorsichtig positiv waren. Letztendlich haben wir in der ersten Jahreshälfte ein besseres Ergebnis erzielt als gedacht, worauf wir sehr stolz sind, da alle anderen von der anhaltenden Pandemie genauso betroffen waren wie wir.
In diesem Jahr feiert Bukowskis seinen 150. Geburtstag. Was ist geplant?
Wir werden mit unseren Kunden feiern! COVID-19 hat unseren Ansatz verändert und wir haben verstärkt in unsere Kundenbeziehungen investiert, um neue Zielgruppen zu erreichen. Nach dem Sommer werden wir ein Jubiläumsbuch veröffentlichen, das unsere Geschichte und spektakulärsten Verkäufe, die Bukowskis als Marke geprägt und auf seiner Reise begleitet haben, beinhaltet. Wir möchten auch intern alle auf die gute Arbeit aufmerksam machen, die geleistet wird, um sicherzustellen, dass das Unternehmen weiterhin Marktführer ist.
Was bedeutet die Historie für dein Unternehmen?
Rückblickend versteht man, wie gut es uns gelungen ist, traditionelle Auktionen parallel zur modernen E-Commerce-Plattform abzuwickeln.
Wie wichtig ist die Marke Bukowskis?
Unglaublich wichtig. Bukowskis ist eine extrem starke Marke, die wir immer in Bewegung halten. Die Marke hat sich im Laufe der Zeit verändert, was bedeutet, dass sie auch unterschiedlich wahrgenommen wird, je nachdem, wer man ist und woher man kommt. Die jüngere Generation ist nicht so interessiert daran, welche Werke bei Bukowskis verkauft wurden, wie viele Millionen Lose wir anbieten oder wie wir im Vergleich zu anderen Auktionshäusern stehen. Sie will inspiriert werden, nachhaltig einkaufen und einen einzigartigen Stil finden, in dem verschiedene Objekte gleichermaßen hoch geschätzt werden. Die Herausforderung besteht darin, das Traditionelle und Emotionale in Bukowskis Marke zu bewahren, aber ständig weiterzuentwickeln.

Wie hast du es geschafft, in nur vier Jahren aus den roten in die schwarzen Zahlen zu kommen?
Nur durch die harte Arbeit von allen. Für mich war es wichtig, Bukowskis als modernes Unternehmen zu führen und eine gute Balance zwischen Kunst und Wirtschaft zu schaffen. Wir lassen das Wissen und die Leidenschaft für die Objekte der Ausgangspunkt für alles sein, was wir tun, aber wir haben auch eine Organisation aufgebaut, die aus dem Fachwissen aller Mitarbeiter besteht, auch wenn es letztendlich Daten und Zahlen sind, die bestimmen, was wir priorisieren und wie wir interagieren müssen. Es ist von grundlegender Bedeutung, dass jeder, sowohl intern als auch extern, versteht, dass wir wirtschaftlich motiviert sind und die Interessen unserer Kunden schützen.
Wie haben sich die Veränderungen intern ausgewirkt?
Bukowskis ist ein etabliertes und modernes Unternehmen, dessen Kultur ist neben Wissen und Leidenschaft von Transformation geprägt ist. Ich habe das Gefühl, dass es intern ein großes Verständnis dafür gegeben hat und gibt, dass wir uns ändern und uns ständig weiterentwickeln müssen. Ich habe auch versucht klar zu machen, warum wir Änderungen vornehmen und wohin sie uns führen. Ein Unternehmen, das heute stillsteht, ist automatisch rückwärts gerichtet.
In unserer Industrie wird viel über Daten gesprochen. Wie wichtig sind diese für das Voranschreiten von Bukowskis' Reise?
Sie waren absolut entscheidend für die Ergebnisse, die wir in den letzten Jahren erzielt haben, und sind ein natürlicher Bestandteil von allem, was wir jeden Tag tun. Daten helfen uns, die Kundenerfahrung ständig zu verbessern, und bilden die Grundlage dafür, was wir unseren Zielgruppen visuell liefern können. Die Unternehmen, die es schaffen, Daten proaktiv und in Echtzeit zu analysieren und dann in Geschäftsentscheidungen umzusetzen, sind die Gewinner.

Anfangs ging es hauptsächlich um Online-Auktionen und Quantität, aber in letzter Zeit scheint es, als hättet ihr immer mehr in Qualität investiert. Trifft das zu?
Zum großen Teil schon. Qualität ist ein wesentlicher Teil unseres Geschäfts und unseres Angebots. Im vergangenen Jahr haben wir unsere Strategie geändert und die Online-Volumensegmente um etwa 50% verkleinert, um eine höhere Qualität zu gewährleisten, ohne den Umsatz zu verringern. Im Gegenteil, wir haben den Umsatz gesteigert und die Durchschnittspreise deutlich erhöht. Wir führen auch mehr Kunstauktionen online durch als zuvor, was sich als Erfolgsfaktor entpuppt hat, da sie eine völlig neue und manchmal jüngere Zielgruppe anziehen.
Am schwierigsten war es, die Rentabilität aufrechtzuerhalten und wichtige und strategische Veränderungen voranzutreiben. Damit gingen einige schmerzhafte Entscheidungen einher.
Früher hast du für die Investmentfirma Kinnevik gearbeitet. Was ist der größte Unterschied zu Bukowskis?
Mein Hintergrund liegt in großen internationalen Unternehmen, in denen die Werkzeuge und die kommerziellen Aspekte die selben sind, in kleineren Unternehmen sind die Entscheidungsprozesse jedoch kürzer. Bei Bukowskis arbeite ich eng mit den Einlieferern, dem Vorstand und einem Managementteam mit Erfahrung aus verschiedenen Branchen zusammen. Zusammen mit der fantastischen und umfassenden Objektkompetenz, die bei Bukowskis verfügbar ist, ist dies eine dynamische und wichtige Grundlage für das Unternehmen.

Was sind die größten Vorteile der Digitalisierung von Auktionen?
Die internationale Reichweite. Die Exposition ist auf der ganzen Welt viel größer, was bedeutet, dass man mehr Käufer und Verkäufer anspricht. Wir sehen täglich, dass Kunst- und Designmöbel online weiterhin beliebt sind, was sowohl der Umsatz als auch der gestiegene Verkehr belegen. Dies ist wiederum eine Folge der Tatsache, dass wir die Qualität online gesteigert haben und unsere Kanäle mit kuratierten und einzigartigen Themenauktionen erfolgreich bestücken.
Gibt es auch Risiken?
Aufgrund der globalen und digitalen Verwundbarkeit, die unsere Branche mit anderen Branchen teilt, bestehen Risiken. Zuletzt wurden die EU-Richtlinien zur Geldwäsche aktualisiert. Wir stehen in ständigem Dialog mit den zuständigen Behörden und befolgen deren Anforderungen, gleichzeitig helfen wir den Behörden wiederum bei ihren Vorbereitungsarbeiten.
Denkst du das Risiko, an eine Fälschung zu geraten, steigt?
Als Auktionshaus geht man noch vorsichtiger vor. Heute stehen Technologie, Informationen und Wissen zur Verfügung, um die Authentizität sicherzustellen, und wir arbeiten mit den Besten jeder Branche zusammen, auch international, um die Sicherheit für Käufer und Verkäufer zu gewährleisten.

Du bist jetzt seit vier Jahren CEO bei Bukowskis. Was war bisher der schönste und was der schwierigste Teil deiner Arbeit?
Zweifellos hat es am meisten Spaß gemacht zu sehen, wie unser Fokus auf bildende Kunst und fortschrittliche digitale Strategien in einer sich verändernden Branche Früchte getragen haben. Wir haben es geschafft, Wirtschaftlichkeit und Kunst in Einklang zu bringen und gleichzeitig Jahr für Jahr die Ergebnisse zu verbessern.
Musstest du Mitarbeiter entlassen?
Wir arbeiten in einer personalintensiven Branche, was einen großen Teil unserer Kostenbasis ausmacht. Wir überprüfen ständig, wie wir arbeiten müssen und haben in den letzten Jahren unsere Kosten erheblich gesenkt. Es gab Umstrukturierungen, bei denen Mitarbeiter entlassen wurden.
Wie siehst du den Wettbewerb in Schweden?
Wir kommentieren normalerweise keine einzelnen Wettbewerber. Unser Fokus liegt darauf, Marktführer zu sein. Unser Auktionsumsatz lag 2019 bei etwas mehr als 850 Millionen SEK (82,6 Millionen Euro), das sind 590 Millionen SEK (57,4 Millionen Euro) mehr als das zweitgrößte Auktionshaus in Schweden. Der nordische Auktionsmarkt hat sich in den letzten zwei Jahren aufgrund der Tatsache verändert, dass Stockholms Auktionsverk ein schwächerer Akteur geworden ist. Beim Wettbewerb geht es um Angebot, Marke, Know-how und eine starke digitale Präsenz. Auf dieser Grundlage sind wir gut positioniert.
Welche sind die größten Herausforderungen für Bukowskis?
Das gesamte Geschäftsmodell basiert darauf, dass wir Makler sind, was eine Kunst für sich ist. Wir haben 365 Tage im Jahr Auktionen und die damit verbundene Betriebskontrolle. Das ist die große Herausforderung, um jeden Tag zu gewinnen. Ansonsten geht es darum, unser Geschäftsmodell einer breiteren Zielgruppe vorzustellen, die sich bereits in einem von digitalen Verhaltensweisen dominierten Sekundärmarkt befindet.
Viele meinen, dass das persönliche Treffen mit Kunden an Bedeutung verlieren wird, doch ist es eher so, dass die Erwartungen an ein persönliches Treffen steigen werden!
Wo siehst du die größten Herausforderungen für die Auktionsindustrie?
Die Branche wird sich in diesem Jahr stärker entwickeln als in den letzten zehn Jahren, was interessant ist. Die Herausforderungen für die Branche sind ansonsten die, die ich bereits für Bukowskis beschrieben habe: Einführung und Kommunikation unseres Geschäftsmodells. Bei den anderen Herausforderungen geht es darum, den Herausforderungen in der digitalen Landschaft zu begegnen.

Welche sind eure wichtigsten Ziele? Wie erreicht ihr sie?
So breit zu arbeiten und so viele verschiedene Zielgruppen anzusprechen, ist für ein Unternehmen oder eine Branche einzigartig. Einer unserer Erfolgsfaktoren ist, dass unsere starke Marke mit rationalen und emotionalen Werten beladen ist. Viele meinen, dass das persönliche Treffen mit Kunden an Bedeutung verlieren wird, doch ist es eher so, dass die Erwartungen an ein persönliches Treffen steigen werden und diese daher für den Erfolg priorisiert werden müssen. Wenn man erfolgreich mit Daten arbeitet, können diese Treffen so vorbereitet werden, dass sowohl der Kunde als auch das Unternehmen davon profitieren. Wir arbeiten jeden Tag aktiv daran.
Bukowskis zählt heute zu den weltweit führenden Auktionshäusern im Bereich Online-Erfahrung. Investiert ihr in eine internationale Expansion?
Die Marktanteile in der nordischen Region können noch um einige Prozentpunkte wachsen, aber wir suchen ständig nach strategischen Möglichkeiten.

Werdet ihr auch weiterhin gedruckte Kataloge anbieten?
Ja, vorerst, aber wir orientieren uns an der Entwicklung der globalen Industrie.
Wie sieht dein Arbeitsstil aus?
Ich bin eine aufgabenorientierte Person mit einem ständigen Bedürfnis, mich im beruflichen Bereich weiterzuentwickeln und Herausforderungen zu stellen. Auf privater Ebene strebe ich im Grunde das Gleiche an, aber die Aufgaben müssen dann meine Familie und enge Freunde miteinbeziehen. Meine persönliche Zeit nutze ich vorzugsweise damit, mir so viele Podcasts in so vielen verschiedenen Genres wie möglich anzuhören.
Wie sah deine erste Begegnung mit Kunst aus?
In den frühen 2000er Jahren lebte ich in New York, London und im Baltikum und ging viel in Museen. Die stärksten Erinnerungen an Kunst und die Kunstwelt in dieser Zeit stammen aus meinen Jahren im Baltikum, wo man an Kunstführungen in Treppenhäusern, Parks und anderen unerwarteten Orten teilnehmen konnte.
Sammelst du selbst irgendetwas?
Ich sammle nichts bestimmtes im Bereich Kunst oder Design, ich verliebe mich eher in individuelle Objekte.
Was war das erste, das du bei einer Auktion gekauft hast?
Champagnergläser, die Simon Gates in den 1920er Jahren für Orrefors-Sandvik entworfen hat. Ich hoffe, ich werde viele Gelegenheiten haben, sie zu benutzen.
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