Eine Zeichnung von Henri Matisse aus dem Jahr 1942 ist eines der Highlights der Kunstsammlung des Musikprofessors Gottfried Boon, die Hallands Auktionsverk am 27. Oktober versteigert. Die wiederentdeckte Zeichnung entstand in jenem Jahr, in dem die porträtierte Dame das Leben das Künstlers für immer veränderte. Werfen wir einen Blick zurück auf die Freundschaft zwischen Henri Matisse und Monique Bourgeois.

Nach einer Darmkrebsoperation im Jahr 1941 war Henri Matisse vorübergehend an den Rollstuhl gefesselt. Im darauffolgenden Jahr veröffentlichte er eine Anzeige, in der er eine junge und schöne Nachtschwester suchte. Es war die 21-jährige Monique Bourgeois, die den Job bekam. Fünf Jahre später kulminierte die Freundschaft, die sich zwischen Matisse und Bourgeois entwickelte, in der Errichtung dessen, was Matisse als eine der größten Schöpfungen seines Lebens betrachtete: die Rosenkranzkapelle in Vence.
Bourgeois arbeitete nur wenige Monate für Matisse, doch dauerte es nicht lange, bis er sie erneut kontaktierte und sie bat, für ihn zu posieren. Von Monique sind mehrere von Matisse ausgeführte Zeichnungen bekannt, aber nur vier Gemälde: Monique in Grey Dress (1942), das die Dargestellte in einem ärmellosen Chiffonkleid mit tiefen Ausschnitt und einem breiten Armband zeigt, Monique L'Idol (1942) , La Robe Verte et les Oranges (1943) und Tabac Royal (1943).
Im Zweiten Weltkrieg trennten sich ihre Wege. Doch nur kurz, denn das Schicksal führte sie bereits 1943 wieder zusammen: Matisse, der sich weigerte, Frankreich zu verlassen, zog in das 12 Kilometer nördlich von Nizza gelegene Vence, wo sich Bourgeois in einem von Dominikanerinnen geführten Pflegeheim, das sich gegenüber von Matisse’ Haus befand, von einer Tuberkuloseerkrankung erholte. Der Künstler und seine Muse waren wieder vereint und es entstanden mehrere neue Porträts.
1946 legte Monique Bourgeois ihr Gelübde als Nonne ab und nahm den Namen Schwester Jacques-Marie an. Damals nutzen die Schwestern des Pflegeheims eine Garage mit undichtem Dach als Kapelle. Nachdem Schwester Jacques-Marie Matisse im Jahr darauf die Skizze eines Buntglasfensters zeigte, dekorierte der Künstler nicht einfach nur die alte Kapelle, sondern entwarf eine völlig neue, vom Fußboden über die Wände bis hin zu den Leuchtern und Bleiglasfenstern. Sogar die Priester kleidete er neu ein.

Neben ihrer Tätigkeit als kreative Beraterin Matisse’ spielte die junge Nonne auch die Rolle einer Diplomatin, denn ihre Mitschwestern waren entsetzt, dass ein moderner Künstler, der Akte malte, ihre Kapelle entwerfen sollte. Doch Schwester Jacques-Marie stand hinter Matisse, der die Rosenkranzkapelle später als ihr „gemeinsames Projekt“ bezeichnete.
Die Eröffnung der Kapelle im Jahr 1951 sorgte bei der französischen Presse für Aufsehen. Als ein Reporter von Paris Match Schwester Jacques-Marie fragte, ob sie jemals nackt für Matisse posiert habe, erklärte sie, dass Matisse für sie wie ein Großvater sei.
Schwester Jacques-Marie, die erfolglos versucht hatte, den nicht gläubigen Matisse davon zu überzeugen, sich nach seinem Ableben in der Rosenkranzkapelle beerdigen zu lassen, wurde 1954 von ihren Vorgesetzten verboten, an seiner Beerdigung teilzunehmen.
1993 schrieb Schwester Jacques-Marie das Buch Henri Matisse, La Chapelle de Vence und zehn Jahre später erschien sie in Barbara Freeds Dokumentarfilm A Model for Matisse: The Story of the Vence Chapel. „Es war eine sehr zärtliche, wundervolle und besondere Beziehung“, bemerkte Freed.

Noch im Jahr des Kennenlernens von Monique Bourgeois und Henri Matisse fertigte der Künstler jene Zeichnung an, die nun bei Hallands Auktionsverk angeboten wird. Das wiederentdeckte Werk zeigt Bourgeois, bevor sie Schwester Jacques-Marie wurde, in einem Kleid ähnlich dem auf dem Ölgemälde Monique in Grey Dress von 1942.
„Bei der Katalogisierung der Werke hatten wir enorme Hilfe von Henri Matisse’ Urenkel Georges Matisse von den Archives Matisse, aber auch von meinem alten Freund und Kollegen Marc Maurie, einem der führenden Kunstkenner Schwedens, der unter anderem Leiter der Kunstabteilung bei Bukowskis und Stockholms Auktionsverk war", sagt Martin Laurell, CEO und Eigentümer von Hallands Auktionsverk AB.
Am 27. Oktober wird die Sammlung des Musikprofessors Gottfrid Boon bei Hallands Auktionsverk in Halmstad versteigert. Die Sammlung besteht aus 18 Werken schwedischer und internationaler Künstler des 20. Jahrhunderts. Neben Matisse’ Zeichnung Portrait de Monique Bourgeois werden neu entdeckte Werke von Helene Schjerfbeck und Pablo Picasso angeboten. Verpassen Sie auch nicht Ragnar Sandbergs Ölgemälde Der Wind bläst, Georges Braques Farbradierung Black Chariot (Chariot V), Marc Chagalls Farblithografie La Nymphe Bleue und die weiteren Highlights, die an jenem Tag unter den Hammer kommen.


