Am Donnerstag, den 27. Oktober, präsentiert Hallands Auktionsverk im schwedischen Halmstad 18 Werke schwedischer und internationaler Künstler des 20. Jahrhunderts. Bei den Top-Losen des Katalogs handelt es sich um neuentdeckte Werle von Pablo Picasso, Henri Matisse und Helene Schjerfbeck. Ebenso vertreten sind Joan Miró, Georges Braque und Marc Chagall, während Schweden von Künstlern wie Carl Kylberg, Karl Isaksson und Sigrid Hjertén vertreten wird.
Die Kunstwerke sind Teil der Sammlung des legendären Musikprofessors Gottfrid Boon und kommen mit einem Gesamtschätzpreis in Höhe von 10-15 Millionen SEK (ca. 909.000-1,4 Millionen Euro) zum Aufruf.

Johan Gottfrid Boon (1886-1981) wurde am Königlichen Konservatorium für Musik ausgebildet und arbeitete später als Klavierlehrer an der Königlichen Musikhochschule. Mehrere Generationen berühmter schwedischer Musiker haben bei Boon studiert. 1938 wurde er zum Mitglied Nr. 621 der Königlich Schwedischen Musikakademie, 1960 wurde ihm die schwedische Medaille zur Förderung der Musik verliehen. Im folgenden Jahr erhielt Gottfrid Boon die Illis-Quorum-Medaille für seinen herausragenden Beitrag zur schwedischen Kultur.
Boon war nicht nur einer der renommiertesten Klavierlehrer Schwedens, sondern auch ein leidenschaftlicher Kunstsammler. Bis zum Zeitpunkt seines Todes am 28. März 1981 war es ihm gelungen, eine beeindruckende Sammlung aufzubauen, die bei Hallands Auktionsverk, einem Auktionshaus, zu dem er enge Beziehungen unterhielt, verkauft werden sollte.
„Wir verkaufen diese Sammlung mit gemischten Gefühlen. Meine Eltern waren eng mit Gottfrids Familie befreundet und ich kenne sie praktisch mein ganzes Leben lang“, sagt Martin Laurell, CEO und Eigentümer von Hallands Auktionsverk AB. "Das Testament besagte, dass der Verkauf von Hallands Auktionsverk durchgeführt werden soll und dass der Gewinn aus dem Verkauf an eine Stiftung im Namen der Familie zugunsten junger Musiker gehen soll."
Viele der Werke standen nie zum Verkauf und wurden direkt bei Galeristen erworben. Hier sind einige der Highlights, die am 27. Oktober bei Hallands Auktionsverk versteigert werden:

Zu den noch nie auf dem Sekundärmarkt angebotenen Werken gehört die Tuschezeichnung Femme Se Coiffant von Pablo Picasso. Gottfrid Boon kaufte das Werk 1952 in der Galerie Louise Leiris in Paris, jetzt wird es mit einem Schätzpreis von 2–3 Millionen SEK (ca. 180.000-270.000 Euro) angeboten. Picasso malte und zeichnete mehrere Werke mit dem Titel Femme Se Coiffant ("Frau, ihr Haar ordnend“). Frauen tauchten in dieser klassisch inspirierten Pose in Picassos Drucken und Leinwänden wiederholt auf und bildeten einen bedeutenden Teil der visuellen Ikonographie des Künstlers.
Wir wissen nicht, wer die Frau auf dem Porträt ist, aber es gibt Grund zu der Annahme, dass es sich dabei entweder Françoise Gilot oder Jacqueline Roque handeln könnte. Im Alter von 61 Jahren lernte Picasso die 40 Jahre jüngere Künstlerin Françoise Gilot kennen. Schon bald entstand eine Beziehung zwischen den beiden, und oft stand Françoise für den spanischen Künstler Modell. Einige Jahre später zog das Paar mit seinen beiden Kindern nach Vallauris in Südfrankreich. Dort begann Picasso mit Keramik zu arbeiten. 1952 traf er mit Jacqueline Roque seine letzte große Liebe und Muse. Im selben Jahr zeichnete Picasso dieses Porträt.

Marc Chagalls wunderschönes Werk La Nymphe Bleue aus dem Jahr 1962 ist ein weiteres Highlight der Auktion. Chagall ist bekannt für seine traumhaften Gemälde mit romantischem Flair. Die Bilder sind voller Symbolik, die den Betrachter in die innere Welt des Künstlers entführt, der immer wieder seine Liebe zu seiner Frau und die Erinnerungen an seine Kindheit darstellte.
Marc Chagalls modernistischer Stil brachte ihm zahlreiche Preise und Auszeichnungen ein. Seine Werke standen oft an der Schnittstelle verschiedener künstlerischer Strömungen und experimentierten gleichzeitig mit Kubismus, Fauvismus, Symbolismus und Surrealismus. Heute erzielen sie auf Auktionen hohe Zuschläge.

Auf einer wolkigen Ebene erstreckt sich eine Vielzahl kryptischer Figuren und Formen, manche biomorph, manche geometrisch. Plate II von Joan Miró, einem der international anerkanntesten Künstler des 20. Jahrhunderts, ist eine humorvolle und fantasievolle Radierung.
Joan Mirós frühe Kunst wurde von Van Gogh und Cèzanne inspiriert und hatte sowohl kubistische als auch fauvistische Einflüsse, obwohl er sich später in den 1920er Jahren der surrealistischen Gruppe anschloss. Von André Breton unfreiwillig zum „surrealistischsten von uns allen“ erklärt – eine Bezeichnung, die er immer abgelehnt hatte – verfolgte Miró in der Nachkriegszeit seine eigenen künstlerischen Interessen und widmete sich hauptsächlich der Keramik und der Druckgrafik. Plate II ist ein Ergebnis dieser Veränderung, und aus dieser Zeit stammen einige seiner wertvollsten Drucke, in denen wir seinen Übergang zum Abstrakten Expressionismus sehen, von dem er zu einem der am häufigsten zitierten Einflüsse nachfolgender Künstler wurde. Als Dichter des Visuellen behauptete Miró, seine Kunst vom rationalen Denken befreit zu haben. Die Schönheit seiner Radierungen liegt in der Interpretation des Unterbewusstseins des Künstlers – die Fragen sind vielfältig, die Essenz unbeschreiblich.

Black Chariot ist einer von vielen Drucken Georges Braques, die von den Mythen des antiken Griechenlands inspiriert sind. In den 1930er Jahren erstmals damit beauftragt, Hesiods Theogonie zu illustrieren, schuf der Künstler eine Reihe von Radierungen, die das antike Epos über die Ursprünge der griechischen Götter anhand surrealistischer Motive interpretierten. Die mythologischen Themen wurden dann in den 1940er und 1950er Jahren zu einem wiederkehrenden Thema in Braques Drucken, und Streitwagen und Pferde bevölkerten seine Lithographien.
Black Chariot von 1958 ist eine Variante vonWhite Chariot aus demselben Jahr, die mit der Technik der Reservage-Aquatinta aus zwei Ätzplatten hergestellt wurde. Der einem Stock gleichende Mann, die Pferde und der Streitwagen spielen auf die Figuren auf antiken Terrakottavasen, die im gesamten Mittelmeerraum zu finden sind, an, vor einem Hintergrund aus abstrakten Formen in Grau und Braun. Eine Radierung aus derselben Ausgabe befindet sich in den Sammlungen der Tate in London.

Maillol, ein weiterer von der antiken griechischen und römischen Kunst inspirierter Künstler, stützte sich weitgehend auf die klassischen Figuren der antiken Skulptur – insbesondere Frauen – und ging gleichzeitig eine Allianz mit den Werken von Cézanne, Gauguin und den Nabis, einer Gruppe junger Künstler, die vom Impressionismus inspiriert wurden, ein.
Maillol war Keramiker, Gobelinhersteller und Maler, vor allem aber Bildhauer – einer der führenden französischen Künstler seiner Zeit. Seine Arbeit war figurativ und folgte einem dekorativen Grundprinzip: „Ich erfinde nichts so Geringes, als der Apfelbaum seine Äpfel erfinden kann…“, wie er in seinen eigenen Worten sagte. Der liegende Akt in dieser Rötelzeichnung folgt einem klassischen Archetypus, der häufig in seinen Werken zu sehen ist, insbesondere in seinen großen Bronzeskulpturen. Maillols Figuren sind gleichzeitig alt und modern: Der harmonische Naturalismus der Tradition ist durchweg offensichtlich, doch gibt es auch einen vereinfachten modernen Anklang, der später durch die Giganten der Skulptur wie Henry Moore veranschaulicht wurde.

Die Sammlung umfasst außerdem sechs Werke der finnischen Meisterin Helene Schjerfbeck, die sowohl mit Lithografien als auch mit Ölgemälden vertreten ist. Mit einem Schätzpreis von 3–4 Millionen SEK (ca. 270.000–360.000 Euro) ist Mädchen mit langem Hals aus dem Jahr 1930 eines der Top-Lose der Auktion.
Helene Schjerfbeck zeichnete sich schon in jungen Jahren durch ihr künstlerisches Können aus. Ihre frühen naturalistischen und historistischen Gemälde wurden so sehr geschätzt, dass sie in den 1880er Jahren Stipendien für ein Studium in Paris erhielt. Den französischen Künstlern war es zu verdanken, dass sich zunächst ihr modernistischer Stil entwickelte. Ihre Kunst veränderte sich jedoch zu Beginn des 20. Jahrhunderts erneut, als sie sich in einer Stadt nördlich von Helsinki niederließ. Damals öffnete sie ihren Blick für japanische Malschulen, die zu ihrer größten Inspirationsquelle und ihrem erkennbarsten Einfluss wurden.
Ein wiederkehrendes Motiv im Werk von Helene Schjerfbeck sind die Frau und das Mädchen. Sie studierte die Modelle für ihre Arbeiten im Detail und bevorzugte die Wiedergabe des jeweiligen Charakters durch ihre Malerei, was durch den Ausschluss von Details im Gesicht und in der Kleidung verstärkt wurde. Das Gemälde Mädchen mit langemHals ist ein schönes Beispiel für diese Technik.



