Von Sommerpause kann im Kunstauktionshaus Schlosser, das Ende des Monats seine 95. Auktion in Bamberg präsentiert, noch keine Rede sein. An zwei Tagen kommen bedeutende Gemälde, Möbel und Kunsthandwerk aus fünf Jahrhunderten sowie zeitgenössische Kunst zum Aufruf – ein vielfältiges Angebot also, das näher begutachtet werden sollte.
Der erste Auktionstag, der 26. Juli, ist ab 13 Uhr zunächst Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen sowie Kunst des 20./21. Jahrhunderts und Design gewidmet, bevor Graphik, Bücher, Plastik, Kunsthandwerk und Metalle auf dem Programm stehen.

Unter den Holzplastiken muss auf diese Figur der heiligen Katharina von Alexandrien hingewiesen werden, die um 1500 von einem fränkischen Künstler aus Lindenholz geschnitzt wurde. Minimale Spuren zeugen von einer einstigen Fassung. Die heilige Katharina zählt zu den vierzehn Nothelfern sowie den vier Virgines capitales. Als geweihte Jungfrau war ihr Leben Gott gewidmet und ihre mystische Vermählung mit Christus ist ein wiederkehrendes Thema in der Kunst. Häufiger ist jedoch die Darstellung Katharinas als Märtyrerin. Der Legende nach sollte sie durch das Rad den Märtyrertod sterben, doch wurde das grausame Folterinstrument von Engeln zerstört, sodass Katharina schließlich enthauptet wurde. Das zerstörte Rad ist das häufigste Attribut Katharinas, hinzu kommen Krone, Schwert, Palmzweig und Buch.
Eine weitere spannende Schnitzarbeit kommt mit einem musealen Tafelaufsatz zum Aufruf, der dem böhmisch-österreichischen Bildhauer Johann Rint, der ab 1865 Hofschnitzer in Wien war, zugeschrieben wird.
Die Gemäldeofferte kann mit vielen Highlights aufwarten, darunter Madonna mit Nelke, das aus dem Umkreis Raffaels stammt, Bildnis einer Dame mit Schnupftabakdose von Pietro Longhi sowie ein paar venezianischer Veduten von Francesco Tironi.

Ein weiteres Gemäldepaar wurde im 18. Jahrhundert vom österreichischen Künstler Franz Christoph Janneck geschaffen. Janneck widmete sich im Laufe seiner Karriere vielfältigen Themen zu, höfische Szenen waren häufig darunter. Die vorliegenden auf Leinwand gemalten Bilder sind identisch mit zwei auf Kupfertafeln ausgeführten Arbeiten, die sich hauptsächlich nur in der Wahl der Farben von den bei Schlosser angebotenen Werken unterscheiden.

Pferd und Mensch sind die gerne kombinierten Hauptmotive des italienischen Künstlers Marino Marini, der seine Inspiration zunächst als Bildhauer umsetzte. In den 1960er und 1970er Jahren kamen Farblithografien hinzu, die in Zyklen jeweils identische Motive mit farblichen Variationen zeigten. 1972 war das etwa die 12-teilige Reihe Chevaux et Cavaliers, die in Paris und New York herausgegeben wurde. Zum achten Bild dieses Zyklus kommt bei Schlosser eine vorbereitende Arbeit auf Papier zum Aufruf, die unten links die handschriftliche Signatur des Künstlers trägt.

Aus einer bedeutenden süddeutschen Privatsammlung stammt ein geflügelter Stuhl des neuseeländisch-britischen Künstlers Mark Brazier-Jones, der für seine skulpturalen und fantasievollen Möbelstücke bekannt ist. Diese müssen für ihren Schöpfer drei Dinge erfüllen: aus der Ferne eine beeindruckende Silhouette aufweisen, aus der Nähe mit faszinierenden Details beeindrucken und bei Kontakt mit Substanz und Qualität überzeugen. Der vorliegende Wingback Chair ist signiert und auf das Jahr 1990 datiert.
Möbel, jedoch aus weiter zurückliegenden Jahrhunderten, stehen auch am zweiten Auktionstag, dessen Versteigerungen um 11 Uhr beginnen, auf dem Programm. Zu nennen sind hier etwa ein Dresdener Aufsatzmöbel und ein Paar lombardische Kommoden aus dem 18. Jahrhundert sowie eine Salongruppe, die vermutlich in der St. Petersburger Fabrik von Roman Fedorovich Melzer angefertigt wurde.

Ein weiteres Highlight ist ein Kabinett, das Ende des 16. Jahrhunderts von begabten Händen in Augsburg ausgeführt wurde. Das museale Stück verfügt über eine Front- und eine Deckelklappe, mehrere Schubladen sowie ein Tabernakel und drei Geheimfächer. Neben den Originalbeschlägen ist auch der Originalschlüssel vorhanden. Die aufwendige Marketerie aus Ahorn, Esche und weiteren heimischen Laubhölzern zeigt eine große Jagdszene, Architekturelemente, Singvögel sowie Blatt- und Blütengeflechte.

Eine weitere museale Antiquität kommt mit einem Rokokosäulenspiegel zum Aufruf, der in Bayreuth hergestellt wurde. Bayreuth erlebte im 18. Jahrhundert eine architektonische und künstlerische Blütezeit, die vor allem durch das Engagement der Markgräfin Wilhelmine, die ältere Schwester Friedrichs des Großen, geprägt war, wovon heute noch u. a. die Eremitage und das Neue Stadtschloss zeugen. An diese Glanzzeit erinnert auch der vorliegende (sowie ein zweiter) Spiegel, der mit seinen aufwändigen Schnitzarbeiten im Stil des Rokoko und der polychromen Fassung besticht.
Des Weiteren darf am zweiten Auktionstag auf vielfältiges Kunsthandwerk, darunter Porzellan, Silber und Glas, sowie Schmuck und Jugendstilobjekte (Vasen von Daum frères und Émile Gallé). Den Abschluss bilden schließlich außereuropäische Kunstwerke, unter denen eine chinesische Dayazhai-Schale und eine kambodschanische Figur der Gottheit Uma, die vermutlich aus dem Alten Königreich der Khmer stammt, besonders hervorzuheben sind.
Die Versteigerungen finden am 26. und 27. Juli im Auktionshaus Schlosser, Karolinenstraße 11, in Bamberg statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 20.-25. Juli möglich.
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