Achtzehn Jahre lang war Marianne von Werefkins „Rosafarbenen Salon“ eine bedeutende Ideenschmiede der Münchener Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts. Werefkin, die Tochter wohlhabender Eltern, war 1896 aus ihrer Heimat Russland in die bayerische Hauptstadt gekommen. An ihrer Seite, der fünf Jahre jüngere Alexej von Jawlensky, dessen Förderung sie sich auf die Fahnen geschrieben hatte und dafür ihre eigenen künstlerischen Ambitionen zurückstellte. Sie selbst hatte bei Ilja Repin studiert und sich zu einer äußerst begabten Vertreterin der realistischen Malerei entwickelt. Eine großzügige Rente des russischen Zaren sorgte nun in München für ein komfortables Leben in einer Doppelwohnung in Schwabing.
Marianne von Werefkins „Rosafarbener Salon“ war 1908 der Geburtsort der Neuen Künstlervereinigung München (N.K.V.M.), deren Mitglieder sich dem Expressionismus verschrieben hatten. Neben Werefkin und Jawlensky zählten auch Wassily Kandinsky und Gabriele Münter zu den Gründungsmitgliedern. Zu jenem Zeitpunkt hatte Werefkin ihre eigene Malerei wieder aufgenommen – jedoch anders als zuvor. 1906 hatte sie auf einer Frankreichreise die Kunst van Goghs, Gauguins und der Nabis kennengelernt und war in München nun eine der ersten, die sich einer expressionistischen Flächenmalerei zuwendeten.
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1914 ging die Münchener Zeit zu Ende, als der Erste Weltkrieg ausbrach und Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky als gebürtige Russen das Deutsche Reich verlassen mussten. Sie kehrten jedoch nicht in ihre Heimat zurück, sondern zogen ein Leben im Schweizer Exil vor, wo sie sich zunächst in St. Prex am Genfer See niederließen. Hier entstand auch Werefkins Gemälde Romantische Landschaft mit Reitern, das am 21. Juni bei Koller in Zürich unter den Hammer kam.

Das zu vielfältigen Interpretationen einladende Werk zeugt von dem großen Einfluss eines weiteren Malers auf Marianne von Werefkin: Edvard Munch, was in der Wahl der symbolistischen Farben und der verdrehten Perspektive zum Ausdruck kommt. Die Landschaft wirkt wie aus einem Märchenbuch entsprungen und gleichzeitig wie eine Ankündigung der Apokalypse, die der durch den Krieg ins Wanken geratene Welt bevorsteht. Ebenso unklar ist die Rolle, die die vier Reiter in dem Bild spielen. Sind es die vier Reiter der Apokalypse oder doch Werefkin und Jawlensky selbst, die nun gemeinsam in einer ihnen unbekannten Welt ihren Weg suchen? Auch eine Verbindung zum 1911 von Kandinsky und Franz Marc gegründeten Blauen Reiter, dem Werefkin verbunden war, ist möglich.
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Romantische Landschaft mit Reitern kam mit einem Schätzpreis in Höhe von 100.000-150.000 CHF zum Aufruf. Verkauft wurde es schließlich für 475.000 CHF (ca. 490.000 Euro, inkl. Aufgeld), was einem neuen Weltrekord für ein Gemälde von Marianne von Werefkin entspricht. Zuletzt hatte das Werk Styx von ca. 1910/11 den ersten Platz inne, das 2008 bei Christie’s in London für 337.250 GBP (428.982 Euro) verkauft worden war.
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