Picassos erste Ehefrau in der Sammlung Titi von Fürstenberg

Nachdem es jahrzehntelang Teil der Sammlung der Philanthropin Fürstin Cecil Amelia "Titi" von Fürstenberg war, wird das Portrait, das Picasso 1923 von seiner ersten Ehefrau Olga Chochlowa malte, im Mai versteigert.

Picassos erste Ehefrau in der Sammlung Titi von Fürstenberg

Im Frühjahr 1917 hielt sich der 35-jährige Pablo Picasso in Rom auf. Ein Jahr zuvor war seine heimliche Liebesaffaire mit Gabrielle Lespinasse für ihn unglücklich zu Ende gegangen, nachdem sie seine Liebeserklärung abgewiesen hatte und stattdessen einen anderen Liebhaber heiratete.

Picasso hatte sich nun dem durch Europa tourenden Tanzensemble Ballets Russes unter der Leitung von Sergei Djagilew als Bühnendekorateur angeschlossen. In Rom entwarf er die Kostüme, das Bühnenbild und den Vorhang für das Ballett Parade, dessen Libretto von seinem Freund Jean Cocteau stammte.

Pablo Picasso (zweiter von rechts, mit Mütze), umgeben von Bühnenarbeitern bei den Vorbereitungen zum Ballett "Parade" | Foto via Wikimedia Commons
Pablo Picasso (zweiter von rechts, mit Mütze), umgeben von Bühnenarbeitern bei den Vorbereitungen zum Ballett "Parade" | Foto via Wikimedia Commons

Eine Tänzerin der Compagnie war die 1891 im Süden des Russischen Kaiserreichs (heute Ukraine) geborene Olga Stepanowna Chochlowa. Als diese und der zehn Jahre ältere Picasso einander in Rom begegneten, verliebten sie sich Hals über Kopf. Olga ließ ihr bereits acht andauerndes Engagement bei den Ballets Russes sausen und ging mit Picasso zunächst nach Spanien und dann nach Paris, wo sie am 12. Juli 1918 heirateten. Einer der Trauzeugen war Jean Cocteau.

Olga Chochlowa, um 1916 | Foto via Wikimedia Commons
Olga Chochlowa, um 1916 | Foto via Wikimedia Commons

Die Ehe entwickelte sich zunächst harmonisch und wurde 1921 mit der Geburt des Sohnes Paolo gekrönt. Anschließend verschlechterte sich das Verhältnis der Eheleute Picasso. 1927 begann der Maler eine Affaire mit dem Modell Marie-Thérèse Walter. Als diese von Picasso schwanger wurde, verließ Olga ihren Mann, zog mit Sohn Paolo nach Südfrankreich und reichte 1935 die Scheidung ein.

Obwohl Olga und Pablo Picasso nie wieder zueinander fanden, blieben sie bis zum Tode Olgas im Jahr 1955 verheiratet. Der umtriebige Maler wollte seiner ersten Frau nämlich unter keinen Umständen die ihr laut Gesetz zustehende Hälfte seines Vermögens überlassen.

Pablo Picasso (1881-1973), La Lettre (La Réponse), Öl/Lwd., signiert und datiert, 1923 | Foto: © 2019 Estate of Pablo Picasso / Artists Rights Society (ARS), New York via Christie's
Pablo Picasso (1881-1973), La Lettre (La Réponse), Öl/Lwd., signiert und datiert, 1923 | Foto: © 2019 Estate of Pablo Picasso / Artists Rights Society (ARS), New York via Christie's

In den glücklichen Jahren der Ehe war Olga - wie alle seine Lebensgefährtinnen - auch Picassos Muse, die vom Malergenie wiederholt portraitiert wurde. Eines dieser Bilder ist La Lettre (La Réponse) aus dem Jahr 1923, also jener Zeit, in der es mit der ersten Picasso-Ehe so langsam bergab ging - eine Situation, die durch die darauf innehaltende Olga geradezu greifbar dargestellt zu werden scheint.

Etwa 1926 verkaufte Picasso das Gemälde an seinen langjährigen Pariser Kunsthändler Paul Rosenberg. Dieser stellte es 1923/24 zusammen mit 15 weiteren Werken Picasso in dessen erster Einzelausstellung in den Vereinigten Staaten aus. Um 1940 ging es in den Besitz der Rosenberg-Dependence in New York über, wo es sechs Jahre später von der in Houston, Texas lebenden Sarah Campbell-Blaffer gekauft wurde. Diese war die Tochter von William Thomas Campbell, einem der Mitgründer von The Texas Company (heute Texaco). Verheiratet war Sarah mit Robert Lee Blaffer, dem Gründer von Humble Oil (heute Exxon Mobile).

Sarah Campbell-Blaffer war eine der führenden Sammlerinnen und Förderinnen der Künste in Texas, eine Leidenschaft, die sie an ihre Tochter Cecil Amelia (1919-2006), genannt "Titi", weitergab - genauso wie das Portrait von Picasso.

Cecil Amelia "Titi" Blaffer, verheiratete Fürstin von Fürstenberg (1919-2006) | Foto via Christie's
Cecil Amelia "Titi" Blaffer, verheiratete Fürstin von Fürstenberg (1919-2006) | Foto via Christie's

"Titi" heiratete 1975 den österreichischen Fürsten Tassilo von Fürstenberg, für den es nach der Scheidung von Claire Agnelli die zweite Ehe war. Das Ehepaar besaß Häuser in Europa, in den USA und auf den Bahamas und verfügte somit über genügend Platz für die hervorragende Kunstsammlung, die "Titi" geerbt und stetig und mit viel Sachverstand erweiterte.

Picassos Gemälde im Wohnzimmer von Titi von Fürstenberg | Foto: © 2019 Estate of Pablo Picasso / Artists Rights Society (ARS), New York via Christie's
Picassos Gemälde im Wohnzimmer von Titi von Fürstenberg | Foto: © 2019 Estate of Pablo Picasso / Artists Rights Society (ARS), New York via Christie's

Die Sammlung "Titi" von Fürstenberg umfasst Werke von Pablo Picasso, Mark Rothko, André Derain, Emil Nolde,  Lucio Fontana, Pierre-Auguste Renoir, Jean Dubuffet, Max Ernst und Jean (Hans) Arp. Mehr als 30 Kunstwerke dieser herausragenden Sammlung des 20. Jahrhunderts wird Christie's im Mai sowie im Oktober dieses Jahres versteigern.

Picassos La Lettre (La Réponse) wird am 13. Mai im Zuge des Impressionist and Modern Art Evening Sale in New York versteigert. Schätzpreis: 20-30 Millionen USD.

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