Am Abend des 29. Juni 1994 wurde im britischen Fernsehen die Dokumentation „Charles: The Private Man, the Public Role“ über den damaligen Prince of Wales ausgestrahlt. Teil der Doku war ein Interview, in dem Charles nichts weniger tat, als sich zu seiner ehelichen Untreue, über die ohnehin schon lange spekuliert wurde, öffentlich zu bekennen. Zum Zeitpunkt der Ausstrahlung waren er und Diana bereits seit beinahe zwei Jahren offiziell getrennt, die Scheidung sollte schließlich am 29. August 1996 erfolgen, also fast auf den Tag genau ein Jahr vor dem tragischen Autounfall in Paris, bei dem Diana ums Leben kam.
Doch zurück zum 29. Juni 1994: Diana hatte für den Abend eine Einladung zu einem Benefiz-Dinner in der Londoner Serpentine Gallery angenommen und eigentlich geplant, zu dem Anlass eine eher konservative Robe von Valentino zu tragen. Nachdem ihr jedoch zu Ohren gekommen war, welche Enthüllung ihres Noch-Ehemanns an genau diesem Abend einem Millionenpublikum offenbart werden würde, verwarf sie ihre Pläne und nahm ein anderes Kleid aus dem Schrank, das dort bereits seit drei Jahren auf seinen Einsatz wartete und das ihr bislang zu gewagt erschienen war: ein „Kleines Schwarzes“ aus skulptural drapierter Seide der griechischen Modedesignerin Christina Stambolian. Kurz, figurbetont und schulterfrei, war das Kleid sicherlich eine ungewöhnliche Wahl für eine Prinzessin von Wales, für eine Frau in ihrer Situation jedoch genau die richtige. Selbstbewusst und mit strahlendem Lächeln stieg Diana im Blitzlichtgewitter der Fotografen vor der Galerie aus dem Auto. Die Presse verstand diesen Hinweis sofort und über Nacht war der Name „Revenge Dress“ („Rachekleid“) für die Robe geboren.
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Dazu Morgane Halmi, Global Head of Handbags and Fashion bei Sotheby’s: „Mode kann eine Sprache sein, wenn Worte versagen oder schlicht nicht ausreichen. Prinzessin Diana begriff dies instinktiv. Was dieses Kleid so außergewöhnlich macht, ist nicht allein die Tatsache, dass es von der Prinzessin getragen wurde, noch dass sein Auftritt bei der Veranstaltung in der Serpentine Gallery weltweit für Schlagzeilen sorgte. Es ist die Botschaft, die es vermittelte. Ganz nach ihren eigenen Vorstellungen machte Prinzessin Diana das Kleid zu einer der wirkungsvollsten Botschaften, die sie je aussandte – und das inmitten einer der am stärksten öffentlich beobachteten und emotional aufgeladenen Phasen ihres Lebens. Was zu einem weltweiten viralen Moment wurde – lange bevor dieser Begriff durch die sozialen Medien alltäglich wurde –, ermutigte zudem jeden, insbesondere jedoch Frauen, Mode nicht nur als bloßen Schmuck, sondern viel bewusster und bedeutungsvoller einzusetzen: als Schutzschild, als Waffe oder beides. Was über die Jahrzehnte hinweg Bestand hatte, ist nicht der Skandal jenes Abends, sondern Prinzessin Dianas Ausstrahlung von Selbstvertrauen und Souveränität. Sie trat in einen Moment, in dem so vieles ihrer Geschichte von anderen für sie erzählt wurde, und eroberte sich durch ihre Kleiderwahl die Deutungshoheit über ihre eigene Geschichte zurück.“
Diana ließ das „Revenge Dress“ im Juni 1997 bei Christie’s New York zusammen mit 78 weiteren ihrer Kleider versteigern, um Geld für Krebs- und Aids-Hilfsorganisationen zu sammeln. Am 9. Dezember dieses Jahres kommt das Kleid erneut unter den Hammer. Abermals in New York, jedoch bei Sotheby’s, wo es im Zuge der „Luxury Week“ zum Aufruf kommt. Der Schätzpreis liegt bei 150.000-300.000 US-Dollar – wobei das Ergebnis deutlich höher ausfallen könnte, so wie es 2023 auch bei dem aktuell teuersten Kleid Dianas, das bislang versteigert wurde, der Fall war.
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Die jetzige Einlieferin, die das Kleid 1997 gemeinsam mit ihrem Ehemann ersteigert hatte, erinnert sich: „Mein verstorbener Mann und ich wussten, dass dieses Kleid etwas Besonderes war. Prinzessin Diana stand vor der schlimmsten Nacht ihres Lebens, doch man sah es ihr nicht an. In der kurzen Zeit, die es brauchte, sie zu fotografieren, wandelte sich das Cocktailkleid zu einem Statement. Auch dreißig Jahre später genügt es, dieses Kleid zu erwähnen – wo auch immer auf der Welt –, und jeder weiß sofort, welches gemeint ist. Die Auktion, bei der wir den Zuschlag erhielten, war einer der großartigen Tage unseres gemeinsamen Lebens. Da er nicht mehr lebt, hat sich dieses Kapitel geschlossen, und nun soll sich auch dieses hier schließen. Ich hoffe, es findet einen neuen Besitzer, der genauso viel Freude daran hat wie wir.“
Ein Teil der Verkaufssumme wird erneut – und ganz im Sinne Dianas – wohltätigen Zwecken zugute kommen.
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