Schätze einer Privatsammlung und sakrale Meisterwerke bei Lempertz

Mitte November stehen im Kölner Auktionshaus Lempertz alte Kunst und Kunstgewerbe auf dem Programm. Als ganz besonderer Teil der Offerte kommt eine hochbedeutende Sammlung aus Niedersachsen zum Aufruf mit rund 200 Objekten von musealem Rang.

MEISTER DES SIEFERSHEIMER ALTARS, Umkreis (tätig am Mittelrhein (Mainz?), Ende 14./Anfang 15. Jahrhundert) - Sechs Apostel, Öl/Lwd.
MEISTER DES SIEFERSHEIMER ALTARS, Umkreis (tätig am Mittelrhein (Mainz?), Ende 14./Anfang 15. Jahrhundert) - Sechs Apostel, Öl/Lwd.

Vom 15.-17. November stehen die Auktionen im Kölner Haus Lempertz ganz im Zeichen alter Kunst und Kunsthandwerk vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Los geht der Auktionsreigen jedoch am 15. Jahrhundert mit einer 375 Lose umfassenden Schmuckofferte, die antike, Belle Epoque- und Vintage-Stücke präsentiert.

Fortgesetzt werden die Auktionen am 16. November mit drei Katalogen, die historisches Kunstgewerbe umfassen. Zum Aufruf kommen dabei Silber, Porzellan, Keramik, Teppiche und Möbel.

Ein besonderes Highlight stellt die Versteigerung einer niedersächsischen Privatsammlung dar, die museale Objekte aus Silber, Porzellan und Elfenbein beinhaltet. Die erlesenen Stücke wurden in den 1970er und 1980er Jahren auf Auktionen in London und Genf zusammengetragen und zeugen einzeln aber auch in ihrer Gesamtheit von einer Qualität, wie sie nur selten anzutreffen ist.

Mit einer Elfenbeinschnitzerei, die den griechischen Heros Herkules im Kampf mit der Hydra darstellt, kommt ein bedeutendes Stück Handwerkskunst zum Aufruf, das im 17. Jahrhundert in Süddeutschland oder Österreich ausgeführt wurde. Weitere interessante Elfenbeinarbeiten eine Auswahl an Deckelhumpen dar, die antike oder jagdliche Motive präsentieren.

Links: Trinkgefäß in Form eines steigenden Pferdes, vergoldetes Silber, wohl Süddeutschland 17. Jh. Rechts: Herkules im Kampf mit der Hydra, Elfenbein, Süddeutschland oder Österreich, wohl um 1650/2. H. 17. Jh., das Relief des Sockels später, Ende 17./18. Jh.
Links: Trinkgefäß in Form eines steigenden Pferdes, vergoldetes Silber, wohl Süddeutschland 17. Jh. Rechts: Herkules im Kampf mit der Hydra, Elfenbein, Süddeutschland oder Österreich, wohl um 1650/2. H. 17. Jh., das Relief des Sockels später, Ende 17./18. Jh.

Auch das Silberangebot umfasst eine Reihe hochinteressanter Arbeiten, darunter ein Trinkgefäß aus vergoldetem Silber in Gestalt eines steigenden Pferdes, das im 17. Jahrhundert in Süddeutschland ausgeführt wurde. Ein französischer Importstempel von 1893 gibt einen Einblick in den weiteren Verbleib des Gefäßes.

Ascot Trophäe von 1883, Silber, London, R & S Garrard, 1882
Ascot Trophäe von 1883, Silber, London, R & S Garrard, 1882

Wenn bedeutendes Silber zum Aufruf kommt, dürfen Stücke aus englischer Herstellung natürlich nicht fehlen. Bedeutsam sind darunter eine Tazza sowie ein Wandleuchter aus der Zeit Charles II., von denen sich letzterer einst im Besitz des Königshauses befand. Ein weiteres Stück mit königlicher Provenienz stellt der Ascot-Pokal für den Sieger des Queen's Vase-Rennens vom Mai 1883 dar, den Königin Victoria gestiftet hat.

Das Porzellanangebot der niedersächsischen Sammlung wird im Frühjahr 2019 in der Berliner Dependance von Lempertz zum Aufruf kommen.

Ebenfalls am 16. November steht der 78 Lose umfassende Katalog mit ausgewählten Objekten des Kunstgewerbes auf dem Programm. Neben einem seltenen großen Tafelleuchter aus dem Meissner Schwanenservice und einem Lesetisch des Meister-Ebenisten Jean-François Oeben kommen zwei Lose mit bedeutenden Renaissance-Kirchenfenstern aus Belgien zum Aufruf.

Links: Ein Paar bedeutender belgischer Renaissance-Kirchenfenster mit dem Hl. Sulpicius und dem Hl. Dionysius, Diest, Collégiale de Saint Sulpice et Denis, zweites Viertel 16. Jh. Rechts: Bedeutendes Kirchenfenster mit Hl. Nikolaus, Belgien, Collégiale de Saint Sulpice et Denis in Diest, 1523
Links: Ein Paar bedeutender belgischer Renaissance-Kirchenfenster mit dem Hl. Sulpicius und dem Hl. Dionysius, Diest, Collégiale de Saint Sulpice et Denis, zweites Viertel 16. Jh. Rechts: Bedeutendes Kirchenfenster mit Hl. Nikolaus, Belgien, Collégiale de Saint Sulpice et Denis in Diest, 1523

Auch der Katalog mit Gemälden und Zeichnungen Alter Meister, der am 17. November zum Aufruf kommt, enthält eine Vielzahl bedeutender Kunstwerke aus dem sakralen Bereich. Angeführt wird diese Offerte von einer Darstellung von sechs Aposteln auf Goldgrund, die um 1400 im Umkreis des Meisters des Siefersheimer Altars entstand.

MEISTER DES SIEFERSHEIMER ALTARS, Umkreis (tätig am Mittelrhein (Mainz?), Ende 14./Anfang 15. Jahrhundert) - Sechs Apostel, Öl/Lwd.
MEISTER DES SIEFERSHEIMER ALTARS, Umkreis (tätig am Mittelrhein (Mainz?), Ende 14./Anfang 15. Jahrhundert) - Sechs Apostel, Öl/Lwd.

Ein weiteres sakrales Meisterwerk ist die ikonengleiche Darstellung der Madonna mit Kind und Engeln des Florentiner Meisters Neri de Bicci aus dem 15. Jahrhundert. Bicci schuf es in dem für ihn typischen Stil der Frührenaissance, in den er noch viele, der Gotik entnommene Merkmale einfließen ließ.

NERI DI BICCI (1418 Florenz 1492) - Madonna mit Kind und Engeln, Tempera u. Gold/Holz
NERI DI BICCI (1418 Florenz 1492) - Madonna mit Kind und Engeln, Tempera u. Gold/Holz

Ebenfalls zum Aufruf kommt ein Altarbild von Jan van Dornicke, gen. Meister von 1518, der ein Meister des Antwerpener Manierismus war. Das Triptychon zeigt zentral die Anbetung der Könige, die von der Anbetung der Hirten sowie der Rast auf der Reise nach Ägypten flankiert wird.

JAN VAN DORNICKE, gen. MEISTER VON 1518 und Werkstatt (tätig in Antwerpen im 1. Drittel des 16. Jahrhunderts) - Triptychon mit der Anbetung der Könige, der Anbetung der Hirten und der Rast auf der Flucht nach Ägypten, Öl/Holz
JAN VAN DORNICKE, gen. MEISTER VON 1518 und Werkstatt (tätig in Antwerpen im 1. Drittel des 16. Jahrhunderts) - Triptychon mit der Anbetung der Könige, der Anbetung der Hirten und der Rast auf der Flucht nach Ägypten, Öl/Holz

Neben sakraler Kunst kommen auch Portraits, Landschaften, Stillleben und Genreszenen von Meistern wie Jan Brueghel d. J., Agostino Verrocchi, Floris van Schooten oder Pieter Aertsen zum Aufruf.

LEO VON KLENZE (1784 Bockenem - 1864 München) - Römische Bauten mit Ansicht der Cloaca Maxima, Öl/Kupfer
LEO VON KLENZE (1784 Bockenem - 1864 München) - Römische Bauten mit Ansicht der Cloaca Maxima, Öl/Kupfer

Den Abschluss der Auktionen bildet der 88 Lose umfassende Katalog mit Gemälden des 19. Jahrhunderts. An der Spitze des Kataloges steht ein eine römische Ansicht von "Italien-Fan" Leo von Klenze. Klenze, der sowohl Maler als auch Architekt war, eignete sich bei wiederholten Aufenthalten in Italien den dortigen Stil an, den er nicht nur in seine Gemälde sondern auch in seine Bauwerke einfließen ließ, die noch heute das Stadtbild von München prägen, darunter die Ruhmeshalle, die Glyptothek und die Propyläen am Königsplatz.

OSWALD ACHENBACH (1827 Düsseldorf 1905) - Gesellschaft im Park der Villa Torlonia in Frascati, Öl/Lwd., signiert und datiert, 1889
OSWALD ACHENBACH (1827 Düsseldorf 1905) - Gesellschaft im Park der Villa Torlonia in Frascati, Öl/Lwd., signiert und datiert, 1889

Auch Carl Morgenstern und Oswald Achenbach entführen uns mit stimmungsvollen Landschaften auf die italienische Halbinsel. Weitere Arbeiten des Katalogs stammen von Carl Spitzweg, Max Clarenbach, Adolph von Menzel, Franz von Lenbach und Andreas Achenbach.

Die Auktionstermine im Überblick:

  • 15. November, 16 Uhr - Schmuck
  • 16. November, 10:30 Uhr - Kunstgewerbe
  • 16. November, 15 Uhr - Schätze aus einer niedersächsischen Sammlung
  • 16. November, 16:30 Uhr - Ausgewählte Objekte
  • 17. November, 11 Uhr - Gemälde und Zeichnungen Alter Meister/Skulptur
  • 17. November, 14 Uhr - Kunst des 19. Jahrhunderts
  • Entdecken Sie das aktuelle Angebot von Lempertz hier bei Barnebys.

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