Was passt besser zu der erwachenden Natur des Frühlings als der von der Natur inspirierte Jugendstil und dessen stilisiertere Weiterentwicklung in Gestalt des Art déco? Gar nichts, lautete offenbar die Schlussfolgerung im Münchener Auktionshaus Quittenbaum, weshalb dieses den beiden herrlichen Stilepochen am 10. und 11. Mai gleich drei Auktionen widmet.
Jeder der drei Auktionskataloge ist ein wahres Who-is-who der besten Künstler des Jugendstils und des Art déco. Die erste Auktion, die am 10. Mai um 15 Uhr beginnt, ist jedoch vollständig einem einzigen Meister gewidmet: René Lalique.

51 von ihm und seiner berühmten Glasmanufaktur geschaffene Kunstwerke kommen zum Aufruf, darunter auch diese Vase, die ihren Namen, Archers, ihrem Relief aus auf Vögel zielenden Bogenschützen verdankt. Die Vase wurde 1921 aus farblosem Glas hergestellt, das in eine Hohlform geblasen und anschließend patiniert und mit einer zartbraunen Patina versehen wurde.
Auch in der im Anschluss (16 Uhr) stattfinden Auktion dreht sich alles um Kreationen aus Glas. Gabriel Argy-Rousseau ist hier genauso vertreten wie Amalric Walter, die Brüder Daum oder die Manufaktur Lötz Witwe im böhmischen Klostermühle.

Maßgeblichen Einfluss auf die Produktion im floralen Stil bei Daum frères in Nancy hatte der Dekorateur und Illustrator Henri Bergé, der dort eine führende Position bekleidete. Ein schönes Beispiel dafür kommt mit der Ziervase Iris von 1909-12 zum Aufruf. Die Oberfläche des blütenförmigen Pokals wurde mit Pulvereinschlüssen sowie skulpturalen Glasauflagen und Aufschmelzungen in eine Teichlandschaft verwandelt, die von blauvioletten Schwertlilienblüten beherrscht wird.

Ein weiteres Motiv, das vom Ufer eines Sees stammen könnte, wurde in den Tiffany Studios in New York für die Gestaltung der Tischleuchte Dragonfly verwendet. Der Lampenschirm mit Libellen-Dekor aus Opalglas ist eine der bekanntesten Kreationen von Clara Driscoll, die ab 1888 für mehr als 20 Jahre für die Firma von Louis Comfort Tiffany arbeitete. Der Entwurf zu Dragonfly stammt aus dem Jahre 1899 und liegt hier in einer zeitnahen Ausführung von 1906 vor.
Am 11. Mai schwelgt das Auktionshaus Quittenbaum ab 15 Uhr ein weiteres Mal in den Schätzen des Jugendstils und des Art déco, erweitert das Angebot jedoch um vielfältige Materialien wie Holz, Keramik und Chryselephantin.

Ein absoluter Meister des Chryselephantin, also der Kombination von Elfenbein und einem Metall (im Art déco meist Bronze), war der rumänisch-französische Bildhauer Demétre H. Chiparus, dessen Figuren geradezu stilprägend für die Epoche waren und auch heute noch gern gesammelt werden. Besonders bekannt für seine exotischen Tänzerinnen, ist Chiparus bei Quittenbaum mit der zweifigurigen Gruppe Confidences - The Secret von ca. 1925 vertreten, deren lebhafte Ausführung uns zu dem Titel dieses Artikels inspiriert hat.

Vom Meister des Jugendstil-Möbels, Louis Majorelle, kommt der Tisch Sagittaires zum Aufruf, den er 1905 für den Salon des Industries du Mobilier in Paris entworfen hat. Die Beine des organisch geformten Tisches aus Mahagoni und Zitronenholz sind mit Bronzeapplikationen in Form von stilisiertem Pfeilkraut verziert. Diese Dekorversion des Tisches ist sonst nur von einer Fotografie von besagter Industriemesse bekannt, weshalb sich dieses Los rühmen darf, das absolute Highlight der Auktion zu sein.

Um diesen oder einen anderen Tisch in eine Kaffeetafel der Spitzenklasse zu verwandeln, sei abschließend noch auf das Jugendstil-Service Saxonia von Eduard Voigt hingewiesen, das vor 1924 in der Manufaktur Meissen ausgeführt wurde, wo Voigt ab 1896 tätig war. Das vorliegende Teilservice besteht aus einer Kaffe- und einer Milchkanne, einer Zuckerdose, sechs Tassen und fünf Untertellern sowie einem Tablett.
Die Versteigerungen finden am 10. und 11. Mai bei Quittenbaum Kunstauktionen, Theresienstraße 60, in München statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 5. bis 9. Mai möglich.
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