Das Jahr 1968 markiert den Beginn der kommerziellen Vermarktung des Sassicaia, dem Super Tuscan par excellence. Heute ist es schwer, noch eine Flasche dieses Jahrgangs aufzutreiben, und wenn man es schafft, muss man mit mindestens 2.500 Euro rechnen.
...seinen Ursprung hatte dieses Experiment in den Jahren zwischen 1921 und 1925, als ich, ein Student in Pisa und häufiger Gast der Herzöge Salviati in Migliarino, einen Wein trank, der auf deren eigenen Weinberg in Vecchiano gewachsen war und der über das gleiche unverwechselbare Bouquet jenes alten Bordeaux' verfügte, an dem ich vor 1915 im Haus meines Großvaters Chigi einmal genippt hatte (da ich mit 14 noch keinen Wein trinken durfte).
Alles begann im Jahr 1930, als der aus dem Piemont stammende Marchese Mario Incisa della Rocchetta, der Pferde und französische Weine liebte, Clarice della Gherardesca heiratete, die das Anwesen San Guido mit in die Ehe brachte. Der Marchese glaubte, das das Gebiet morphologisch jenem der Graves-Region, einer steinigen Gegend, sehr ähnlich sei und entschied sich, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc, typische Bordeaux-Reben, anzubauen. Dem Marchese, dem das Weinbaugebiet in Südwestfrankreich dank seiner Freundschaft mit Baron Rothschild gut bekannt war, zog auch den Önologen Giacomo Tachis hinzu. 1944 hielt Mario Incisa della Rocchetta schließlich die ersten Flaschen seines Sassicaia in Händen: ein Bordeaux, aber toskanisch.

Von 1948 bis 1967 verblieb der auf dem Weingut San Guido hergestellte Sassicaia in Privatbesitz, und jedes Jahr wurden nach der Verfeinerung der Weine in Eichenfässern nur wenige Kisten im Keller gelagert, um weiter zu reifen. Mit jedem Jahrgang verbesserte der Marchese seinen Wein, womit wir wieder im Jahr 1968 angekommen sind. Der Sassicaia stieß zunächst auf Zurückhaltung, niemand verstand anfangs seine Vorzüglichkeit, die erst einige Jahre später international anerkannt werden sollte.

Unterdessen entwickelte sich die Toskana zu einem Experimentierfeld für neue Mischungen. 1872 war von Bettino Ricasoli die Formel des klassischen Chianti festgelegt worden: 70% Sangiovese-Trauben, der Rest Canaiolo und Malvasia. Ab 1968 wurden diese starren DOC-Regeln jedoch gelockert und die Hersteller gingen neue Wege.

Es war der Marchese Antinori, der für seinen Tiganello Cabernet Sauvignon und Sangiovese kombinierte: Wie der Sassicaia konnte auch dieser Wein nicht die Herkunftsbezeichnung DOC tragen, da (absichtlich) gegen die Regeln des Chianti Classico verstoßen worden war. Es waren Tafelweine, allerdings mit hohem Preis und Anspruch. Schon bald folgten andere, darunter Solaia, Le Pergole Torte, Ornellaia, Masseto und Guado al Tasso.

1992 wurde in Italien die IGT-Bezeichnung eingeführt, die weniger verbindlich ist als die Bezeichnungen DOC und DOCG, wodurch dem Super Tuscan endlich eine höhere Anerkennung zukam. Diese Weine sind heute in Italien und in aller Welt sehr erfolgreich. Der Name Super Tuscan stammt vermutlich von dem amerikanische Winzer Robert Parker, der als einer der ersten die toskanischen Bordeaux-Weine zu schätzen wusste.

Im vergangenen Jahr gewann der 2015 Sassicaia den Preis für den besten Wein der Welt. Zwei Jahre vor der Auszeichnung war die Sassicaia-Traube von dem Bolgheri DOC losgelöst und mit einem eigenen DOC versehen worden, was bei Weinen französischer Herkunft nur sehr selten geschieht. Die Bezeichnung Bolgheri Sassicaia darf nur vom Weingut San Guido verwendet werden. Diese Weine erzielen mittlerweile hohe Preise und sind zu echten Sammler- und Investitionsobjekten avanciert. In seiner Wein- und Spirituosenauktion am 6. November hat Finarte mehrere renommierte Super Tuscans im Angebot.

Insgesamt umfasst der Katalog 288 Lose mit interessanten Weinen aus der Toskana, dem Piemont und Venezien. Hinzu kommen einige exzellente Flaschen Dom Pérignon und Richebourg Domaine de la Romanée-Conti sowie kalifornische Weine und Spirituosen.



