Wein wird nicht einfach nur getrunken, man muss ihn riechen, untersuchen, probieren, schlürfen und… über ihn sprechen.
Der sinnenfreudige britische König Edward VII. brachte es auf den Punkt: Wein darf nicht einfach nur getrunken, sondern muss mit allen Sinnen erlebt werden – und auf was trifft das mehr zu, als auf die „Super Tuscans“, die man genauso gut für sich oder zu köstlichen Speisen genießen kann.
Der Ursprung der Super Tuscans ist mit jener „Weinrevolution“ verbunden, die in den 1970er Jahren begann, als einige italienische Produzenten die strikten Gesetze der Weinherstellung und die „DOC“-Regularien umgehen wollten, die bestimmten, welche Weine sich mit dem Prädikat der „geschützten Herkunft“ schmücken durften. Der Ausdruck „Super Tuscans“ sollte auf innovative Weine hindeuten, die in der Toskana hergestellt wurden. Für diese Weine hielt man sich nicht an die strengen Herstellungsstandards, die damals gefordert waren, und verwendete außerdem andere Rebsorten, vor allem Cabernet Sauvignon.
Rebellisch und revolutionär, handelte es sich bei diesem oft im Fass gereiften Weinen um Bordeaux-Varietäten, die auf italienischem Boden gewachsen waren. Das Ergebnis war ein Produkt mit internationalem Erfolg, der im Brechen von Traditionen zugunsten einer qualitativ hochwertigen Mischung begründet lag.
Nehmen Sie nun an unserer virtuellen Weinprobe teil und entdecken Sie die fünf für Sammler interessantesten Super Tuscans!
1. Sassicaia

Bolgheri Sassicaia, meist nur Sassicaia genannt, ist einer der feinsten italienischen Weine, hergestellt von Tenuta San Guido in der Gegend von Castagneto Carducci. Die faszinierende Geschichte des Sassicaia nahm ihren Anfang dank des kreativen Genies des Marchese Mario Incisa della Rocchetta, der eine große Leidenschaft für guten Wein hatte, Bordeaux-Weine idealisierte und davon träumte, etwas Neues zu schaffen, seit er Student an der Fakultät für Landwirtschaft der Universität von Pisa war. Um die 1940er Jahre importierte der Marchese einige Stecklinge von Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc in die Toskana, um einen Bordeaux-Mischwein herzustellen. 1944 stellte er die ersten Flaschen Sassicaia her, die allerdings zunächst dem Familiengebrauch vorbehalten waren. Bis 1968 mussten Weinfreunde warten, bis der erste echte Jahrgang vermarktet wurde.
Eine Kuriosität zu diesem Wein: er war der erste italienische Wein, dem eine exklusive DOC-Herkunftsbezeichnung, Bolgheri Sassicaia DOC, zuerkannt wurde, welche sich ausschließlich auf die Weine von Tenuta San Guido mit mindestens 80% Cabernet Sauvignon bezieht.
Die große Bekanntheit des Sassicaia hat ihn leider auch zu einem der am meisten gefälschten Weine gemacht. Wer ihn kauft, vor allem im Internet, sollte daher gegen mögliche Betrügereien gewappnet sein.
Das Bouquet dieses wunderbaren Weins ist elegant, mit fruchtigen Düften, die durch Noten von mediterraner Macchia, würzigen Aromen und balsamischen Noten bereichert werden. Mit einer weichen Tanninstruktur ist er am Gaumen stark und anhaltend, mit Empfindungen von Schokolade, Vanille und einer reichen Würze, die durch einen Hauch von frischem Gemüse ausgeglichen wird.
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2. Tignanello

Seidig und reich am Gaumen, mit reifen Tanninen und einem tiefen und klaren Aroma, ist der Tignanello ein bei Weinliebhabern seit jeher begehrter Wein und ein Meilenstein der italienischen Weinherstellung. Seinen Namen verdankt er dem Weingut Tignanello, wo auch sein „Bruder“ Solaia auf den sanften toskanischen Hügeln zwischen den Tälern Greve und Pesa hergestellt wird. Sowohl Tignanello als auch Solaia werden von Kritikern zu „den einflussreichsten Weinen der italienischen Weingeschichte“ gezählt. Der Tignanello besteht aus 80% Sangiovese, 15% Cabernet Sauvignon und 5% Cabernet Franc und kann einige Premieren vorweisen: Er war der Vorläufer der Super Tuscans, der erste moderne Rotwein, der mit nicht einheimischen Sorten (wie Cabernet) verschnitten wurde, und der erste Sangiovese zur Reifung in Barriques. Er war auch einer der ersten Chianti Classico-Rotweine, bei denen keine weißen Trauben verwendet wurden (ab 1975 vollständig entfernt). Sein Etikett wurde 1974 von Silvio Coppola entworfen, einem Grafikdesigner und Innenarchitekten, der für minimalistische Beleuchtung, strenge Möbel und die Umschläge vieler berühmter Bücher bekannt ist.
Als Gewinner unzähliger internationaler Auszeichnungen wurde der Tignanello mehrmals in die internationalen Top Ten der berühmten Zeitschrift Wine Spectator aufgenommen.
Der Name Tignanello leitet sich womöglich von der Gottjeit Tinia ab, dem etruskischen Äquivalent zum römischen Jupiter bzw. griechischem Zeus – also genau richtig für so einen großen und bedeutenden Wein.
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3. Solaia

Der Solaia wurde auf einem felsigen Kalkboden geboren und wird mit Leidenschaft und Sorgfalt aus den erlesensten Cabernet Sauvignon-, Cabernet Franc- und Sangiovese-Trauben hergestellt. Der Weinberg, auf dem er angebaut wird, liegt im sonnigsten Teil des Hügels von Tenuta Tignanello im Chianti Classico-Gebiet. Der Wein wurde zum ersten Mal von der Familie Antinori mit dem Jahrgang 1978 und einer ersten Mischung aus 80% Cabernet Sauvignon und 20% Cabernet Franc hergestellt, die auch für das folgende Jahr beibehalten wurde. In den folgenden Jahren wurden 20% Sangiovese mit einigen Korrekturen im Verhältnis Cabernet Sauvignon/Cabernet Franc eingeführt, um schließlich zur heutigen Zusammensetzung aus 75% Cabernet Sauvignon, 5% Cabernet Franc und 20% Sangiovese überzugehen. Eine der Besonderheiten dieses Weines ist, dass er nur in außergewöhnlichen Jahrgängen produziert wird, was bedeutet, dass die nicht weniger guten Jahre 1980, 1981, 1983, 1984 und 1992 leer ausgingen. Gesondert betrachtet werden muss das Jahr 2002: Damals war die Sangiovese-Traube für die Herstellung dieses flüssigen Juwels nicht von zufriedenstellender Qualität, weshalb nur Cabernet-Trauben verwendet wurden. Die besten Jahrgänge für Sammler sind 2014, 2015, 2016 und 2017.
Elegant und cremig, intensiv komplex und fruchtig mit süßen Aromen von schwarzer Johannisbeere und reifen Kirschen, die zu einem Finish von Lakritze und Kakao führen, hat der Wein sortentypische aromatische Empfindungen und ausgewogene Tannine. Der Solaia wird von wahren Kennern verehrt und ist ein Wein, der mit ausgesuchter Sorgfalt konzipiert wurde, um Exzellenz in jeder Flasche zu garantieren.
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4. Masseto

Der Masseto, hergestellt aus Merlot-Trauben, ist eine wahre Ikone des italienischen Weins, die auf der ganzen Welt Anerkennung findet. Der Name Masseto leitet sich vom Wort masso („Fels“) ab, welches sich auf die blauen Tonblöcke aus dem Pliozän, die in der Gegend seiner Herstellung vorhanden sind, bezieht. Die erste Flasche kam 1986 auf den Markt und war einfach als Merlot gekennzeichnet. Der Name Masseto erschien erst in den darauffolgenden Jahren auf dem Etikett. Der Wein war ein sofortiger Erfolg und sein Ansehen stieg mit jedem weiteren Jahrgang. Im Laufe von 30 Jahrgängen hat er verschiedene 100/100-Bewertungen von führenden internationalen Kritikern erhalten, darunter Robert Parker, der amerikanische Guru der weltweiten Weinkritik und Schöpfer von The Wine Advocate. Diese Ergebnisse besiegelten sein Schicksal als Sammlerstück und rechtfertigen die hohen Auktionspreise, auch aufgrund einer begrenzten Produktion (nur etwa 30.000 Flaschen pro Jahr). Bei zahlreichen Gelegenheiten erzielte Masseto erstaunliche Ergebnisse unter dem Auktionshammer, beispielsweise 2012, als eine 15-Liter-Flasche (ein sogenannter Nebukadnezar) des Jahrgangs 2007 von Sotheby's in New York zu dem Rekordpreis von 50.000 USD versteigert wurde. Einer der besten Jahrgänge ist sicherlich 2016, der sowohl von Robert Parker als auch von James Suckling mit 100 von 100 möglichen Punkten bewertet wurde.
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Der Masseto ist einer der teuersten Weine auf dem Markt mit Preisen von über 800 Euro pro Flasche. Aber er hat einen großen Wert zu Recht, sowohl in Bezug auf das Sammeln von Prestige als auch in Bezug auf sensorische Erfahrungen. Das Entkorken einer Flasche dieses kostbaren Nektars ist gleichbedeutend mit dem Auslösen eines flüssigen Kaleidoskops von Empfindungen: Üppige Opulenz, wirkungsvolle Tanninstruktur, Weichheit und raffinierte Eleganz vereinen sich am Gaumen. Ein önologisches Meisterwerk, das von großen Liebhabern sehr geschätzt wird.
5. Ornellaia

Der Ornellaia ist ein Bolgheri Superiore-Rotwein, der Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot in einer phänomenalen Cuvée vereint, die das einzigartige Gebiet, auf dem er produziert wird, am besten zum Ausdruck bringt. Tenuta dell'Ornellaia wurde 1981 vom Marchese Lodovico Antinori in der Nähe von Bolgheri mit dem Ziel gegründet, in Italien etwas Neues zu schaffen, das Experiment und Marketing kombiniert. Dabei nahm er auch die Hilfe des bekannten Winzers André Tchelistcheff in Anspruch. Das Weingut etablierte sich bald als einer der größten italienischen Weinproduzenten. 2005 wurde es vollständig von der Familie Frescobaldi übernommen.
Auch der Ornellaia erzielt immer wieder großartige Ergebnisse auf dem Auktionsmarkt. 2007 wurde beispielsweise eine 9-Liter-Flasche (ein Salmanazar) von 2005 bei Christie’s in New York für 33.600 USD verkauft.
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Ein Glas Ornellaia in den Händen zu halten, bedeutet, zunächst seine intensive rubinrote Farbe, die fast zum Schwarzen neigt, zu bewundern, bevor man seinen robusten, eleganten und gut strukturierten Geschmack mit seidigen Tanninen genießt, der eine Kaskade von Aromen und Empfindungen sowie eine sehr lange Persistenz zu bieten hat.
Eine kürzlich von Vinitaly geförderte Marktstudie hat übrigens ergeben, das der Ornellaia der bei Frauen beliebteste Rotwein ist. Doch sind alle SuperTuscans zweifellos eine Symphonie für die Sinne, die in der Lage ist, Geist und Seele zu öffnen, und das, obwohl sie doch eigentlich „revolutionäre Verunreinigungen“ sind.
Schließen möchten wir diesen kleinen Überblick mit den Worten Anton Tschechows, der bekannte: „Wein und Musik waren für mich immer die besten Korkenzieher.“










