Den ersten Teil des Artikels finden Sie hier.
Nachdem die Taschenuhr aus dem Alltag weitestgehend verschwunden war und die Menschen die Zeit bevorzugt von Armbanduhren und später auch von Mobiltelefonen ablasen, darf sie sich mittlerweile über ein Revival freuen, das von der Liebe zu Nostalgie und Vintage geprägt ist.

Wie bei vielen Sammlerstücken stehen auch hier Exemplare hoch im Kurs, die einst einer berühmten Persönlichkeit gehörte. So wurde beispielsweise eine Schweizer Taschenuhr, die einst Mahatma Gandhi die Zeit anzeigte, im November 2020 für 12.000 GBP versteigert. Eine noch höhere Summe erzielte Edgar Allan Poes französische Taschenuhr, die 2019 bei Christie’s zum Aufruf kam. Die goldene Uhr mit guillochiertem Metallzifferblatt wurde mit einem Schätzpreis von 80.000-120.000 USD in New York angeboten und schließlich für 250.000 USD verkauft.
Sie möchten News und Stories aus der Welt der Kunst, Sammlerstücke und Auktionen direkt in Ihrem Postfach? Dann abonnieren Sie unseren kostlosen Newsletter!
Doch nicht nur historische Taschenuhren werden gesammelt, auch neue Modelle mit modernem Twist sind gefragt.

„Die Geste, eine Uhr aus der Tasche hervorzuholen und von ihr die Zeit abzulesen, ist für einen Mann sehr elegant. Aber wenn es darum geht, eine Taschenuhr zu entwerfen, möchte ich, dass sie sehr modern ist. Ich wollte nie altmodisch sein“, erklärte Richard Mille, Mitgründer des gleichnamigen Unternehmens, das 2001 in der Schweiz gegründet wurde. Die dort hergestellte Taschenuhr RM 020 verfügt zwar über ein klassisches Tourbillon-Werk mit Handaufzug, aber auch über ein quadratisches Gehäuse, welches ihr einen entschieden modernen Look verleiht und sie somit radikal von ihren historischen Vorbildern abhebt. Die rautenförmige Form der Kettenglieder ist wiederum eine Referenz an die Unendliche Säule des brillanten Bildhauers Constantin Brâncuși aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Ein Beispiel für den „Evergreen“-Charakter der Taschenuhren ist die Hebdomas 8-jours, die 1888 von Irenée Aubry in der Schweiz erstmals hergestellt und registriert worden war. Das Modell zeichnete sich durch seine hohe Qualität und die Sorgfalt aus, mit der jedes einzelne Element verbaut und geprüft wurde. Nachdem die Produktion später für viele Jahre eingestellt worden war, wurde sie 1968 wieder aufgenommen – ein schönes Beispiel für die „Wiedergeburt“ der Taschenuhr. Die Hebdomas 8-jours wird heute von leidenschaftlichen Sammlern geschätzt, die vor allem ihren unverwechselbaren Stil und ihr nostalgischen Aussehen lieben – hinter dem sich allerdings einige Verbesserungen des Uhrwerks verbergen.
Lesen Sie auch: Die königliche Geschichte der teuersten Großuhr der Welt
Auf dem Markt sind unzählige Varianten der Taschenuhr zu haben: mit fluoreszierenden Indizes, Zifferblättern in bunten Farben oder auch aufwändige Emaillemalerei. Wirklich einzigartig wird eine Taschenuhr aber erst durch eine Personalisierung, was, gerade wenn man sie verschenken möchte, eine schöne Geste ist. Von der Gravur der Initialen bis zu einer speziellen Widmung oder einem bedeutsamen Datum ist alles möglich, um eine Uhr zu erhalten, die sich definitiv von jeder anderen unterscheidet.

Einen wichtigen Beitrag zur Wiederbelebung der Taschenuhr hat die Steampunk-Bewegung geleistet, die den viktorianischen Stil ins Heute holt.
In manchen Ländern bekommen Mitarbeiter bei Erreichen des Ruhestandes eine goldene Taschenuhr geschenkt – als Zeichen der Wertschätzung für die Zeit, die er in das Unternehmen investiert hat, aber auch als Zeichen für die Freizeit, die er nun zurückgewonnen hat.

Oft wird angenommen, dass eine Taschenuhr unbedingt teuer oder selten sein muss, um das Interesse von Sammlern zu wecken. Tatsächlich ist das Wesentliche, dass sie eine Geschichte zu erzählen hat, eine Geschichte, die weitergetragen werden muss. Neue Armbanduhren, Smartphones oder Smartwatches haben selten eine interessante Geschichte hinter sich, im Gegensatz zu antiken oder Vintage-Uhren, insbesondere Taschenuhren, die über einen langen Zeitraum von Generation zu Generation weitergegeben wurden und aufgrund der Sorgfalt, mit der sie gehegt und gepflegt wurden, noch immer funktionstüchtig sind.
Lesen Sie auch: Die 10 meistgesuchten Uhrenmarken bei Barnebys
Ihre „einfache Komplexität“ und raffinierte Eleganz machen Taschenuhren zu einem Accessoire mit einzigartigem Charme. Üblicherweise werden sie in der Westen-, Hosen- oder Hemdtasche getragen und mit einer Kette am Revers oder an einer Gürtelschlaufe befestigt. Das meist von einem Deckel geschützte Zifferblatt kann dekoriert, emailliert oder anderweitig veredelt sein. Auch das Gehäuse weist bisweilen dekorative Gravuren oder Ähnliches auf.

Dabei kommt es auf die richtige Balance an, denn schließlich möchte man mit einem eleganten Modell Aufmerksamkeit erregen und nicht mit einer kitschigen Variante für Stirnrunzeln sorgen. Am Ende kommt es aber beim Erwerb eines so ungewöhnlichen Accessoires immer auf den persönlichen Geschmack und die Kleidung, die man trägt, an. Elegante Kleidung verlangt quasi nach Gold oder Platin, während für einen sportlichen Look Silber oder Stahl zu bevorzugen ist. Doch nur, wer sich mit seiner Taschenuhr absolut wohl fühlt, wird sie mit größtmöglicher Natürlichkeit tragen können.
Lesen Sie auch: Innere Schönheit: Die Welt der Uhrenkomplikationen
Während Taschenuhren früher hauptsächlich von Männern getragen wurden, sind sie neuerdings auch bei Frauen beliebt, die sie wie einen Anhänger um den Hals tragen oder in Mantel-, Jacken- und Handtaschen mit sich führen. Ein wichtiger Faktor dieses Revivals ist jener, dass die Taschenuhr als Unisex-Objekt betrachtet wird, das von den Vertretern beider Geschlechter gleichermaßen getragen werden kann.

Da die Taschenuhr naturgemäß die meiste Zeit in einer Tasche verbringt, ist es die Kette, die zunächst die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Daher muss die Wahl der richtigen Kette, die zum eigenen Look passt, wohl durchdacht sein. Hier kann man zwischen verschiedenen Materialien, Farben und Stilen wählen. Die klassische Variante ist die Kette mit dem sogenannten Albert-T-Bar, jenem T-förmigen Haken, der in ein Knopfloch geschoben wird. Benannt wurde diese Variante nach Prinz Albert, dem Gemahl von Queen Victoria, durch den dieser Look zu einem Must-have der Männermode avancierte.

Neben der Art der Befestigung gibt es bei einer Taschenuhr noch zahlreiche weitere Optionen, unter denen man wählen kann: Römische Zahlen oder arabische Ziffern, ein sichtbares oder ein verborgenes Uhrwerk, ein Sprungdeckel über dem Zifferblatt oder kein Sprungdeckel über dem Zifferblatt – von den vielen Komplikationen ganz zu schweigen.
Sie besitzen eine Taschenuhr und möchten wissen, wie wertvoll sie ist? Dann lassen Sie sie noch heute von den Experten von ValueMyStuff schätzen!
Dann gilt es auch noch, sich zwischen einer Taschenuhr mit mechanischem Werk oder Quarzwerk zu entscheiden. Die Uhren mit mechanischem Werk, sowohl mit Handaufzug als auch automatisch, sind allgemein die klassischere Wahl mit höherem Vintage-Charme. Quarzuhren sind hingegen präzisier, weniger anfällig für Umwelteinflüsse und bedürfen eines geringeren Wartungsaufwands.
Vielleicht hat man es auch auf eine Uhr von einer ganz bestimmten Marke abgesehen. Perseo, Tissot, Mondaine, Omega – die Auswahl ist groß. Taschenuhren mit vielen Komplikationen, etwa von Breguet, Vacheron Constantin und Patek Philippe, haben in der Regel recht hohe Preise. Die aktuell komplizierteste moderne Taschenuhr, die Vacheron Constantin Ref. 57260, verfügt über 57 Komplikationen. Sie löste bei ihrer Einführung im Jahr 2015 die Patek Philippe Kaliber 89 ab, die 1989 anlässlich des 150. Firmenjubiläums kreiert wurde, und die mit „nur“ 33 Komplikationen ausgestattet ist.
Sich in eine Taschenuhr zu verlieben, geschieht manchmal in weniger als einer Sekunde, doch kann daraus eine Liebe entstehen, die für die Ewigkeit bestimmt ist. Taschenuhren sind ein ganz besonderes Accessoire, das zu Recht ein Revival erlebt und hoffentlich auch zukünftige Generationen in einen Bann ziehen wird.










