Ende der 1920er Jahre beschäftigten sich Alberto Giacometti und sein Bruder Diego in Paris mit der Herstellung dekorativer Objekte. Aus wirtschaftlichen Gründen nahm man auch bescheidenere Aufträge an und dank der Zusammenarbeit mit dem bedeutenden Art-déco-Designer Jean-Michel Frank verkauften sich die Kreationen gut. Außerdem erhielt Alberto auch die zunehmende Anerkennung der surrealistischen Avantgarde, denn er beugte sich nicht den Richtlinien des aufstrebenden Funktionalismus, sondern erschuf jede Kreation wie ein wahres Kunstwerk, bei dem jedes Detail eine entscheidende Rolle spielte.
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Tatsächlich verschwammen die Grenzen zwischen Gebrauchsgegenstand und Skulptur, wie Alberto selbst erklärte: „Ich war mir bewusst, an einer Vase zu arbeiten, wie ich es mit einer Skulptur tat, es gab damals keinen Unterschied zwischen dem, was ich eine Skulptur nannte, und dem, was tatsächlich ein Objekt war – eine Vase!“
Es gab damals keinen Unterschied zwischen dem, was ich eine Skulptur nannte, und dem, was tatsächlich ein Objekt war!
1946/47 gab der britische Sammler und Surrealismus-Fan Peter Watson bei Alberto Giacometti einen Kronleuchter in Auftrag. Das Ergebnis war ein Leuchter mit geometrischen Linien und organischen Kurven mit einer Poesie, die für den Schweizer Bildhauer typisch ist. Eine gewisse Ähnlichkeit besteht zu der Skulptur La boule suspendue (1931), die in der Giacometti-Stiftung in Paris zu sehen ist.
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Ab 1949 erleuchtete Giacomettis Kreation für ein Jahr die Eingangshalle des Kulturmagazins Horizon in Bloomsbury. Anschließend lagerte Watson den Leuchter ein und er tauchte auf ungeklärtem Wege in einem Antiquitätengeschäft in der Marylebone Road wieder auf. Dort machte der englische Maler John Craxton in den 1960er Jahren einen sehr guten Deal. Ohne zu wissen, dass er es mit einem echten Giacometti zu tun hatte, kaufte er den Leuchter für 250 GBP (was heute rund 6.200 GBP entspricht) und hängte ihn in seinem Haus in Hampstead auf, wo das gute Stück die nächsten fünfzig Jahre verblieb. Nach dem Tod Craxtons im Jahr 2009 machten seine Erben eine Bestandsaufnahme seiner Hinterlassenschaften und der lange Prozess der Authentifizierung des Leuchters nahm seinen Anfang. 2021 übergab das Versicherungsunternehmen Aston Lark den Kronleuchter an die Fondation Giacometti, die die Echtheit bestätigte. Gegenüber dem Guardian bemerkte der Kunstgutachter James Glennie von Art & Antiques Appraisals: „Alberto hat nur ein halbes Dutzend Kronleuchter geschaffen, aber keiner von ihnen hat eine solche Geschichte, und der Kronleuchter von Peter Watson sollte daher eher als Skulptur denn als Leuchter betrachtet werden.“
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Alberto hat nur ein halbes Dutzend Kronleuchter geschaffen, aber keiner von ihnen hat eine solche Geschichte, und der Kronleuchter von Peter Watson sollte daher eher als Skulptur denn als Leuchter betrachtet werden.

Der 1966 verstorbene Alberto Giacometti zählt heute zu den teuersten Künstler auf dem Markt. Im selben Jahr, als er den Kronleuchter für Peter Watson schuf, entstand auch seine berühmte Bronze L’homme au doigt, die 2015 bei Christie’s für 141,3 Millionen US-Dollar verkauft wurde und noch immer die teuerste Skulptur der Auktionsgeschichte ist. Der Watson-Leuchter wird am 28. Februar bei Christie’s in London mit einem Schätzpreis von 1,5-2,5 Millionen GBP zum Aufruf kommen, allerdings könnte die Endsumme noch deutlich höher ausfallen, verkaufte Sotheby’s 2018 einen weiteren Kronleuchter von Alberto Giacometti aus dem Jahr 1949 für stolze 7,6 Millionen GBP.
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