An zwei Tagen findet Ende des Monats die Herbstauktion des Auktionshauses Neumeister in München statt. Während am 28. September Kunsthandwerk und Antiquitäten sowie Schmuck auf dem Programm stehen, kommen am 29. September Graphik und Gemälde des 15.-20. Jahrhunderts, Ikonen, Werke der Moderne und Contemporary Art zum Aufruf.
Zu den Highlights der Kunsthandwerk-Offerte gehört diese Bechervase, die um 1730 in der Manufaktur Meissen ausgeführt wurde. Gekennzeichnet ist die mit Blumen und Vögeln bemalte Vase auf ihrer Unterseite in Unterglasurblau mit der Augustus-Rex-Marke „AR“, die sie als ein für August den Starken von Sachsen und Polen (1670-1733) angefertigtes Objekt kennzeichnet.

In der Frühphase der Manufaktur Meissen, die August zwanzig Jahre zuvor gegründet hatte, nachdem auf sein Betreiben hin die Formel für die Herstellung von europäischem Porzellan entdeckt worden war, wurden dort Kunstwerke für den Herrscher produziert, die dieser selbst sammelte oder als diplomatische Geschenke verwendete. Nur acht Jahre nach der Gründung wurde durch Industriespionage in Wien ebenfalls eine Porzellanmanufaktur etabliert, weshalb die Meissener Ware künftig gekennzeichnet werden musste. Zunächst die kurfürstlich-königlichen Stücke mit „AR“, später allgemein mit der auch heute noch berühmten Schwerter-Marke.
August der Starke machte auch durch seine vielen Mätressen von sich reden, ebenso wie sein „Kollege“ auf dem französischen Königsthron, Ludwig XV. (1710-1774). Dessen berühmteste Maitresse-en-titre war die Marquise de Pompadour, eine Bürgerliche, die als Jeanne-Antoinette Poisson (1721-1764) das Licht der Welt erblickt hatte. Kaum eine andere Mätresse hielt jemals so viel Macht in den Händen wie sie, deren Name zum Synonym einer königlichen Geliebten wurde.

In der Graphik-Offerte am 29. September kommt ein eigenhändiger Brief von Madame de Pompadour zum Aufruf, der Einblick in die vielfältigen Angelegenheiten gewährt, die die Verfasserin tagtäglich beschäftigten. Den vorliegenden Brief schrieb sie 1757 im Auftrag Ludwigs XV. an den lieutenant général de police, Nicolas René Berryer, Comte de La Ferrière, um diesen die Wünsche des Monarchen hinsichtlich des „Spions" Jean Frédéric Herrenschwand mitzuteilen.

Auch in der Gemälde-Offerte bleibt es zunächst royal mit diesem Porträt, das Joseph Stieler vom bayerischen Kronprinzen malte, der 1848 als König Maximilian II. den Thron Thron bestieg. Bei dem Porträt handelt es sich um jenes, das Maximilan seinem Philosophielehrer Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling zukommen ließ und das sich seither im Besitz von dessen Nachfahren befindet. Das Porträt entstand vermutlich 1843, worauf ein Brief Schellings an Maximilan hindeutet.

Gabriele Münter und Murnau am Staffelsee sind untrennbar miteinander verbunden. Dort erlebte die Expressionistin und langjährige Lebensgefährtin von Wassily Kandinsky mit und später ohne ihn ihre beiden großen Schaffensphasen, für die ihr die Landschaft rund um ihre Villa als Modell diente. 1932 war es für das vorliegende Gemälde eine Tigerlilie, die sie zusammen mit anderen Blüten und Zweigen in einer Vase arrangierte und vor der Murnauer Landschaft in einem Stillleben in Szene setzte.

Direkt beim Schöpfer Ernst Fuchs wurde dieser Mosesbrunnen – eines von nur sechs Exemplaren – von einem deutschen Privatsammler erworben. Nun kommt die 185 cm hohe Bronze mit einem sechsstelligen Schätzpreis bei Neumeister zum Aufruf. Vergleichsbeispiele stehen auf dem Domplatz in Wiener Neustadt, im Stadtpark von Bärnbach in der Steiermark sowie im Garten der in den 1880er Jahren errichteten Wagner-Villa in Wien, die Ernst Fuchs 1972 erworben hatte und umfassend in seinem eigenen Stil, dem Phantastischen Realismus, umgestaltete. Als Inspirationsquelle für die Gestaltung der Figur dürfte ihm Michelangelos Monumentalstatue des Moses gedient haben, die die zentrale Figur des Wandgrabes von Papst Julius II. in der Kirche San Pietro in Vincoli in Rom darstellt.

Mit dem letzten Los, das wie Ihnen an dieser Stelle vorstellen möchten, kommen wir im Hier und Heute an, denn Also sprach Zarathustra entstand 2022 mithilfe einer Künstlichen Intelligenz (KI). Hinter der Arbeit steht der Autodidakt Prof. Dr. Wolfgang Martin Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums und Inhaber des Oskar von Miller Lehrstuhls für Wissenschaftskommunikation an der TU München, der Kunst mit technischen Innovationen verbindet, und dafür bereits mehrfach ausgezeichnet wurde.
Die Versteigerungen finden am 28. und 29. September im Auktionshaus Neumeister, Barer Straße 37, in München statt. Auktionsbeginn ist an beiden Tagen um 14 Uhr. Vorbesichtigungen sind vom 22.-26. September möglich.
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