Von Sommerferien kann bei Schlosser keine Rede sein, wenn das Bamberger Kunstauktionshaus Ende dieses Monats an zwei Tagen zur Versteigerung einlädt. Am 28. und 29. Juli kommen mehr als 1.700 Lose zum Aufruf, die nicht nur mehrere Kategorien, sondern auch mehrere Jahrhunderte umfassen.
Der erste Auktionstag ist ab 14 Uhr vollständig kunstvollen Erzeugnissen aus Glas gewidmet, wobei ein Großteil dieser faszinierenden Offerte aus der Privatsammlung der Münchener Galeristin Christiane Waldrich stammt.

So auch diese interessante Skulptur, die von Harvey Littleton geschaffen wurde. Littleton war 1962 der Begründer des amerikanischen Studio Glass Movements, das Objekte aus Glas als eigenständige dreidimensionale Kunstwerke präsentierte, die von unabhängigen Künstlern in ihren Ateliers statt in Glasmanufakturen hergestellt werden. Das mit 1988 datierte zweiteilige Objekt aus farblosem Glas wurde mit dünnen Schichten in Blau, Violett und Orange überfangen, ergänzt durch orangefarbene Fäden. Gezeigt wurde die Skulptur 1989 in einer Ausstellung im Glasmuseum Ebeltoft in Dänemark, die Littleton und dessen ebenfalls in der Auktion vertretenen Kollegen Kyohei Fujita gewidmet war.

Neben Werken, die von Glaskünstlern wie Dale Chihuly, Toots Zynsky und Keith Brocklehurst geschaffen wurden oder aus Murano und Nancy stammen, darf auch auf drei Arbeiten des tschechischen Ehepaares Jaroslava Brychtová und Stanislav Libenský mitgeboten werden, darunter auf dieses kantige Glasobjekt von 1994. Brychtová und Libenský hatten sich in den 1950er Jahren kennengelernt und 1963 geheiratet. Ihre gemeinsamen Arbeiten fanden großen Anklang bei der Brüsseler Weltausstellung von 1958 und sind Teil vieler renommierter Museumssammlungen, wie etwa des Metropolitan Museum of Art und des Victoria & Albert Museums.
Der zweite Auktionstag präsentiert ab 10 Uhr Gemälde, Skulpturen und Antiquitäten aus fünf Jahrhunderten in mehr als 1.000 Losen. Moderne Künstler wie Emil Nolde sind hier genauso zu finden wie Alte Meister und Kunsthandwerker verschiedener Epochen.

Stößt man auf ein Gemälde, auf dem eine Frau mit dem abgetrennten Kopf eines Mannes zu sehen ist, denkt man sicherlich zunächst einmal an Judith und Holofernes oder Salome und Johannes den Täufer. Doch gibt es auch jene von Herodot überlieferte Episode um die skythische Königin Tomyris, gegen die der Perserkönig Kyros erfolglos in den Krieg zog und daraufhin von Tomyris’ Soldaten enthauptet wurde. Peter Paul Rubens machte die Präsentation von Kyros’ Kopf um 1625 zum Thema eines Gemäldes, das im späten 17. Jahrhundert einen Platz im Apollosaal des Schlosses von Versailles fand und heute im Louvre zu sehen ist. Bei Schlosser kommt nun eine qualitätsvolle frühe Kopie von Rubens’ Werk zum Aufruf, die von einem Maler aus dem Umkreis des Meisters angefertigt wurde.
In der Offerte muss auch auf viele interessante Objekte aus dem Bereich der sakralen Kunst hingewiesen werden, wie etwa auf zwei zweisitzige Kirchenbänke aus dem Österreich des frühen 16. Jahrhundert oder auf einen gotischen Einbaum-Opferstock aus dem 15. Jahrhundert.

Noch älter, wohl aus dem 14. Jahrhundert, ist dieses Vortragekreuz aus Holz, das mit vergoldetem Kupferblech beschlagen wurde. Neben dem plastisch ausgearbeiteten Gekreuzigten im Dreinageltypus sind an den dreipassigen Enden Reliefs mit den Symbolen der Evangelisten zu sehen, als zusätzliche Verzierung dienen jeweils Bergkristallcabochons. Rückseitige Gravuren zeigen das Lamm Gottes, den seine Jungen fütternden Pelikan sowie drei Greifen als Symbole für Christus.

Um eine Arbeit des späten 18. Jahrhundert handelt es sich bei dieser aus Lindenholz geschnitzten und farbig gefassten Skulptur eines Mönchs des Bildhauers Christian Jorhan dem Älteren, der in Landshut lebte und arbeitete. In seiner dortigen Werkstatt schuf er sakrale Werke für verschiedene Kirchen in Bayern. Die vorliegende Skulptur zeichnet sich durch ihre Lebendigkeit aus, die in der bewegten Armhaltung und der feinen Ausarbeitung des Gewandes zum Ausdruck kommt.

Zum Schluss möchten wie Sie noch auf diesen musealen Kabinettschrank hinweisen, der im späten 16. Jahrhundert in Süddeutschland oder Tirol ausgeführt wurde. Für die Gestaltung wurden verschiedene heimische Laubhölzer verwendet, vor allem im Bereich der aufwendigen Einlegearbeiten, die Rundbogen- und Ruinenarchitekturen sowie Früchte, Blüten und Insekten darstellen. Ein weiteres Highlight sind die „Geheimschübe“, die sich hinter einem herausnehmbaren Innenfach befinden.
Die Versteigerungen finden am 28. und 29. Juli im Kunstauktionshaus Schlosser, Karolinenstraße 11, in Bamberg statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 22.-27. Juli möglich.
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