1665 Lose kommen zum Aufruf, wenn das Kunstauktionshaus Schlosser am 28. und 29. November zu seiner letzten Auktion des Jahres nach Bamberg einlädt. Der schön bestückte Katalog umfasst neben Gemälden, Grafik und Skulpturen auch Kunsthandwerk und Antiquitäten aus fünf Jahrhunderten.
Begeben Sie sich nun mit uns anhand von sechs Highlights auf eine Reise durch die Kunstgeschichte.

Los geht es am 28. November um 14 Uhr mit Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen. Hier begegnet uns in einem Porträt-Paar eines der „Power Couple“ des 18. Jahrhunderts: Franz I. Stephan und Maria Theresia. Beide sind mit den wichtigsten Insignien ihrer Macht abgebildet: Franz Stephan mit der deutschen Kaiserkrone, Maria Theresia mit der ungarischen Stephanskrone. Während die Kaisertochter Maria Theresia den Titel der Königin von Ungarn geerbt hatte, konnte sie jenen der Kaiserin nur auf Umwegen erlangen, indem sie dafür sorgte, dass ihr Gatte, Franz Stephan von Lothringen, die Wahl zum Deutschen Kaiser gewann. Die vorliegenden Porträts entstanden in der Werkstatt Martin van Meytens, dem bedeutendsten Maler am Hof Maria Theresias in Wien.

Nach Grafik und Büchern stehen Plastik und Kunsthandwerk auf dem Programm. Hier muss vor allem auf die bezaubernde Bronze Kleine verhüllte Eos von Gerhard Marcks hingewiesen werden, die die Auktion aus einer süddeutschen Privatsammlung erreicht hat. Eos ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Morgenröte, die dem Wagen ihres Bruders Helios, des Sonnengottes, vorauseilt. Oft geflügelt und mit Sonnenkranz um ihr Haupt dargestellt, besticht sie hier durch ihre ruhige Präsenz, während nur der in die Ferne gerichtete Blick auf ihre Ungeduld, einen neuen Tag zu beginnen, hindeutet.

In der Toskana der Renaissance erfreuten sich liebliche Madonnenbilder außerordentlicher Beliebtheit. Es gab sie in allen Größen, gerne auch als rundes Tondo. Viele berühmte Künstler schufen sie, darunter auch Raffael und Sandro Botticelli, dessen Madonna del Magnificat als Kopie eines Nachfolgers ebenfalls Teil der Offerte ist. An dieser Stelle möchten wir jedoch besonders auf ein Tondo mit Madonna hinweisen, das Ende des 16. Jahrhunderts aus Terrakotta angefertigt wurde. Das zentrale Bild zeigt Maria und den Jesusknaben in zärtlicher Umarmung, flankiert von zwei Cherubim, auf blauem Grund.
Nachdem Metallarbeiten den ersten Auktionstag beendet haben, starten die Versteigerungen am 29. November um 11 Uhr mit Porzellan, Fayence und Glas, gefolgt von Schmuck, Miniaturen und Objets de vertu. Nach Silberobjekten folgt in der Kategorie „Jugendstil, Angewandte Kunst“ das nächste Highlight, das wir Ihnen vorstellen möchten.

Dabei handelt es sich um eine Schöpfung des bedeutenden Glaskünstlers Pino Signoretto, der, in Venedig geboren, 1978 als Glasbläsermeister seine eigene Werkstatt auf der Insel Murano gründete. Berühmt und gerühmt für sein großes handwerkliches Können, arbeitete Signoretto mit verschiedenen Künstlern zusammen und schuf figürliche als auch abstrakte Werke. Die vorliegende Arbeit zeigt mit einem Clown ein wiederkehrendes Motiv im Œuvre des Meisters.

Alessandro Mendini zählt zu den bedeutenden und prägenden Namen des italienischen Designs und der Architektur im 20. Jahrhundert – nicht nur durch seine eigenen Entwürfe, sondern auch als Herausgeber und Chefredakteur von Fachzeitschriften wie Domus und Casabella. 1988 gründete er das Magazin Ollo. Der vorliegende Teppich selbigen Namens stammt aus jenem Jahr und erinnert mit seinem bunten Design an die Kreationen der Memphis Group, der Mendini verbunden war.

Unter den im Anschluss präsentierten Möbeln, Uhren und Einrichtungsgegenständen ist vor allem dieser sehr feine Barocksekretär aus der Mitte des 18. Jahrhunderts hervorzuheben, dessen Nussholzfurnier am Aufsatz über dem Schreibfach eine sehr schöne gespiegelte Maserung aufweist. Die äußerst qualitätsvolle Art der Ausführung könnte auf den Berner Ebenisten Mathäus Funk oder seine Werkstatt hindeuten.
Asiatica und außereuropäische Kunst bilden schließlich den Abschluss der Auktion.
Die Versteigerungen finden am 28. und 29. November im Kunstauktionshaus Schlosser, Karolinenstraße 11, in Bamberg statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 22.-27. November möglich.




