Von den Grabreliefs ägyptischer Pharaonen und den „cave canem“-Mosaiken in den Eingangsbereichen römischer Häuser bis hin zu Jeff Koons Balloon Dog und George Rodrigues Blue Dog, wurde der Hund im Laufe seiner langen Karriere an der Seite des Menschen von diesem immer wieder künstlerisch dargestellt. 10 Beispiele dafür haben wir einmal herausgepickt.
1. Anthonis van Dyck, Die fünf ältesten Kinder Karls I. (1637)

In der Kunst nimmt der Hund schon lange die Rolle eines Symbols der Treue ein (beispielsweise in Jan van Eycks berühmter Arnolfini-Hochzeit). Im Laufe der Renaissance wurde es chic, sich mit einem Hund an der Seite porträtieren zu lassen. Herrscher und Adelige bevorzugten dabei große Wach- oder Jagdhunde, die ihre Macht, sogar die unbändige Natur zu beherrschen, und das dem Adel vorbehaltene Recht auf die Jagd symbolisierten. Ein interessantes späteres Beispiel ist Anthonis van Dycks (1599-1641) Gruppenporträt Die fünf ältesten Kinder Karls I. aus dem Jahr 1637. Hier ist im Mittelpunkt des Gemäldes der spätere englische König Karl II. im Alter von sieben Jahren zu sehen, wie er einem Hund, der fast genauso groß ist wie er selbst, mit viel Selbstbewusstsein die Hand auf den Kopf legt, was als Symbol seiner zukünftigen Macht gedeutet werden kann.
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2. Giovanna Garzoni, Canina con biscotti (um 1648)

Ebenfalls in Mode kamen damals kleine Schoßhündchen, die fortan gleichermaßen zu einem beliebten Beiwerk auf (Damen-)Porträts wurden. Doch wurden sie auch alleine dargestellt, so wie in diesem Beispiel, das um 1648 von der italienischen Barockmalerin Giovanna Garzoni (1600-1670) ausgeführt wurde. Neben der Abbildung des gescheckten Lieblings an sich scheint das Hervorheben von dessen kleiner Statur im Mittelpunkt gestandenen zu haben. Zum Größenvergleich wurden dazu eine Tasse, Kekse und sogar Fliegen herangezogen. Wem das Hündchen wohl gehörte? Garzoni lebte zu jener Zeit in Florenz, wo Vittoria della Rovere, an der Seite von Ferdinando II. de’ Medici Großherzogin der Toskana, eine ihrer wichtigsten Förderinnen war.
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3. Giuseppe Castiglione (Láng Shìníng), Ten Prized Dogs Album (18. Jh.)

Hunde erfreuen sich auf der ganzen Welt großer Beliebtheit, auch im fernen China, wo der malende Jesuitenmönch Giuseppe Castiglione (1688-1766)im frühen 18. Jahrhunderts zum Hofmaler des Kaisers Kangxi aufgestiegen war und den Namen Láng Shìníng angenommen hatte. Unter Kangxi und dessen Nachfolgern Yongzheng und Qianlong schuf Láng Shìníng höfische Porträts und Historienbilder, aber auch Pflanzen- und Tierdarstellungen, darunter das Ten Prized Dogs Album, das die zehn Lieblingshunde des Kaisers Kangxi zeigt.
4. Edwin Landseer, Eos, A Favorite Greyhound of Prince Albert (1841)

Die Liebe zum Hund hat in der britischen Königsfamilie eine lange Tradition, vom Cavalier King Charles Spaniel unter Karl I. bis zu den ikonischen Corgies der verstorbenen Elisabeth II. Auch Königin Victoria und ihr geliebter Albert (1819-1861) mochten nicht ohne Hunde sein. Als Albert 1840 Victoria heiratete, brachte er seine sehr geliebte Hündin Eos mit in die Ehe.

Im Jahr darauf überraschte Victoria Albert zu Weihnachten mit einem großen Porträt von Eos, gemalt vom bedeutenden Tiermaler Edwin Landseer (1802-1873). Doch scheint der künstlerisch begabte Albert seine Eos bereits 1839 selbst verewigt zu haben, nämlich in seinem eigenhändigen Gemälde Der Tod des Grafen Mansfeld (1580-1626), in der ein schwarzweißer Windhund treu zu seinem Herrn, der der Legende nach stehend verstorben sein soll, aufblickt.
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5. Anton Romako, Kaiserin Elisabeth mit Bernhardinerhund (1883)

Kaiserin Elisabeth von Österreich liebte Hunde – vor allem große. Einmal bekannte sie: „Ich fürchte fast, ein so großer Hund wie ich ihn mir wünsche, existiert gar nicht“. Zu ihren liebsten Vierbeinern gehörten eine Dogge namens Shadow und ein Irischer Wolfshund namens Houseguard. Auch sieben wuschelige Leonberger wurden ab 1870 Teil des kaiserlichen Rudels. 1883 fertigte der österreichische Maler Anton Romako (1832-1889)nach einer Fotografie ein Porträt seiner Kaiserin an. So wie seine anderen Werke war es in dem für ihn typischen unkonventionellen Stil gehalten, der bei seinen Zeitgenossen nicht gut ankam. Auch das Porträt der Kaiserin fiel durch. Allerdings könnte man sich vorstellen, dass es Elisabeth vielleicht sogar gefallen hat, erinnert ihr Kostüm doch ein wenig an die Feenkönigin Titania aus Shakespeares Sommernachtstraum, mit der Elisabeth sich selbst gerne verglich. Und dann auch noch der große Hund… Natürlich steht der Hund hier nicht im Mittelpunkt des Porträts, doch einen besseres „Accessoire“ hätte Romako der Kaiserin gar nicht an die Seite geben können.
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6. Francis Barraud, His Master’s Voice (1898/99)

Nach dem Tod seines Bruders Mark nahm der britische Maler Francis Barraud (1856-1924) dessen Hund Nipper, ein braun-weißer Terriermischling, bei sich auf. Nipper vermisste sein einstiges Herrchen und saß oft an der Tür, als hoffte er auf dessen Rückkehr. Barraud ließ sich von der horchenden Haltung des Hundes inspirieren und platzierte Nipper auf einem Gemälde vor einem Walzenphonographen, den er später durch ein Grammophon ersetzte, um das Werk der Gramophone Company anzubieten, die es dann auch inklusive der Vermarktungsrechte kaufte. Heute wird das berühmte Motiv des lauschenden Hundes von verschiedenen Plattenfirmen verwendet. Die Version der Geschichte, nach der Francis Barraud im Besitz einer Schallplatte mit einer Stimmaufnahme seines Bruders besessen haben soll, gehört ins Reich der Legenden.
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7. C. M. Coolidge, Dogs Playing Poker (1894 und 1903)

Nicht auf Eigeninitiative hin, sondern im Auftrag des Verlags Brown & Bigelow führte der amerikanische Maler Cassius Marcellus Coolidge (1844-1934) ab 1903 mehrere Ölbilder mit anthropomorphen Hunden, die Poker spielen, aus, mit denen Zigarren beworben werden sollten. Zuvor hatte Coolidge bereites im Jahr 1894 ein entsprechendes Gemälde gemalt, welches 2015 für den Rekordpreis von 658.000 US-Dollar bei Sotheby’s in New York versteigert wurde. Diese hohe Summer veranschaulicht sehr gut die Popularität der Dogs Playing Poker-Gemälde Coolidges, die, bis heute immer wieder aufgegriffen und kopiert, trotz oder gerade wegen ihrer kitschigen Aufmachung einen Platz in der Pop-Kultur Amerikas und darüber hinaus erobern konnten.
8. Franz Marc, Liegender Hund im Schnee (1911)

Tiere spielten für Franz Marc (1880-1916) in seiner Kunst eine zentrale Rolle, waren sie für ihn in ihrer Unschuld doch die Verkörperung natürlicher Harmonie. Privat hatte er sein Herz an einen weißen Sibirischen Schäferhund namens Russi verloren, der 1909 in sein Leben trat und den er wiederholt malte. Das bekannteste Russi-Porträt ist Liegender Hund im Schnee von 1911, in dem Marc untersuchte, wie sich das eigentlich weiße Fell des Hundes vor dem reinen Weiß des Schnees in gelbe Farbtöne von unterschiedlicher Schattierung verwandelte. Russi nahm einen besonderen Platz in den Gedanken des Malers ein, der auch an der Front des Ersten Weltkriegs an seinen treuen Gefährten dachte. Nachdem er Russi bei seinem letzten Heimaturlaub erschreckend alt und gebrechlich vorgefunden hatte, schrieb Marc seiner Frau Maria, ob es nicht das Beste wäre, Russi von seinen Leiden zu erlösen. Franz Marc selbst fiel einen Monat später bei Verdun.
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9. Thomas Theodor Heine, Siegfried (1921)

Der Maler und profilierte Karikaturist Thomas Theodor Heine (1867-1948) ist, was Hunde betrifft, besonders für die rote Bulldogge bekannt, das „Wappentier“ des politischen Satiremagazins Simplicissimus. Privat scheint sein Herz jedoch besonders für Hunde der Gattung Mops geschlagen zu haben. So entstand 1902 ein Doppelporträt seiner sechsjährigen Tochter Johanna nebst Mops und bereits um 1890 ein gezeichnetes Selbstporträt, das Heine mit Mops bei einem Winterspaziergang darstellt. Bewegend, jedoch mit ironischem Unterton, ist auch die Todesanzeige für einen Mops von 1911, in der die Familie Heine das Ableben eines Hundes namens Moppi beklagt. Einfach nur bezaubernd ist hingegen das Gemälde Siegfried von 1921, das einen noch jungen Mops auf einem roten Sessel sitzend darstellt. Durch den Blick des Betrachters von oben und die dezentrierte Platzierung des Hundes werden dessen geringe Größe und herzige Unschuld betont.
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10. Max Beckmann, Majong und Chilly (1930)

Die Liebe zu ihren Hunden war etwas, das Max Beckmann (1884-1950) und seine Frau Mathilde („Quappi“) gemeinsam hatten, auch wenn der Maler vor der Hochzeit noch eher Katzen zugetan war. Das änderte sich jedoch an der Seite von Quappi, die einen schwarz-weißen Japan-Chin namens Chilly mit in die Ehe brachte. Bald hatte auch Max Beckmann sein Herz an die kleine Hündin verloren. Nach einigen Jahren kam noch die Pekinesin Majong hinzu, ein Geschenk Max Beckmanns an Quappi, die als jüngste Tochter des Malers Friedrich von Kaulbach mit Hunden aufgewachsen war. Als Max und Quappi 1937 Berlin verließen und sich in Amsterdam niederließen, mussten sie die Hunde zunächst beim Hausmeisterehepaar zurücklassen. Majong konnte ihnen nach einigen Monaten folgen, doch Chilly war schon zu alt für ein solches Abenteuer. Nach Majongs Dahinscheiden wurde eine Pekinesen-Hündin namens Butschy zum neuen Mitglied der Familie Beckmann. Butschy genoss wohl weitgehend Narrenfreiheit (Max Beckmann zeichnete sie beispielsweise in spielerischer Pose auf dem Frühstückstisch) und wurde überall mit hingenommen, sogar ins Kino!










