An drei Tagen präsentiert das Nürnberger Auktionshaus Franke in diesem Monat seine Frühjahrsauktion 2024, die mit ihrer gleichermaßen umfangreichen wie auch vielseitigen Offerte punkten kann. Über 2300 Lose warten am 18.-20. April darauf, ersteigert zu werden. Das Angebot reicht von funkelndem Schmuck über Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen bis hin zu Möbeln und Kunsthandwerk verschiedener Epochen.
Begleiten Sie uns nun auf einer Reise zu sechs Auktions-Highlights aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Begeben wir uns zunächst nach Frankreich, wo um 1860 dieser Parfümflakon angefertigt wurde, der ein außergewöhnliches Sammlerstück darstellt. Für das Fläschchen wurde Bergkristall in eine facettierte Balusterform gebracht und mit einer Goldmontierung bekrönt. „Bekrönt“ ist hier genau der richtige Ausdruck, denn die Montierung, die auch den mit einem Scharnier zu öffnenden Deckel umfasst, ist wie eine Krone, die auf einem Kissen ruht, geformt. Die Krone und das Kissen, das mit rotem Emaille verziert ist, sind mit über 110 Diamanten besetzt, die unterschiedliche Schliffe aufweisen, darunter Diamantrosen und Altschliff.

Etwa 20 Jahre später entstand bei Carl Martin Weishaupt und Söhne in Hanau diese Tabatière aus 14-karätigem Gelbgold, deren godronierte Wandung sie als ein Produkt des Neorokoko ausweist. Hinzu kommt eine allseitige Verzierung mit königsblauem Emaille in Form von feinen Streifen und Blattdekor, die auch auf dem Deckel zu finden ist. Carl Martin Weishaupt, dessen Firma hauptsächlich auf die Herstellung von Schmuckdosen spezialisiert war, wurde auf den Weltausstellungen in London (1851) und Paris (1867) jeweils mit Medaillen ausgezeichnet.

Nur etwa vierzig Jahre später hatte sich Marcel Breuer am Bauhaus von Schnörkeln jeder Art verabschiedet, um auf klare Linien und ein schlichtes, aber dennoch wirkungsvolles Design zu setzen. Setzen konnte und kann man sich auch auf seinen 1925 entworfenen Clubsessel B3, dessen bei Thonet hergestellter Stahlrohrrahmen genauso revolutionär war, wie das für die Sitzflächen verwendete, stabile Eisengarn, das von der Textildesignerin Margaretha Reichardt am Bauhaus erfunden worden war. Heute ist der Sessel B3 unter dem Namen Wassily Chair bekannt, wobei es sich jedoch um eine Marketingstrategie des italienischen Möbelherstellers Dino Gavini handelte, der die Herstellungslizenz in den 1960er Jahren dennoch nur wenig erfolgreich umsetzte. 1968 wurde Gavinis Firma von Knoll International aufgekauft, wo der Wassily Chair heute noch hergestellt wird. Die beiden vorliegenden Exemplare stammen vermutlich aus den späten 1990er Jahren.

In den 1920er Jahren begann sich Bildhauer Fritz Klimsch vor allem auf (weibliche) Aktdarstellungen im naturalistischen Stil zu konzentrieren. Diese wurden nicht nur in Marmor und Bronze umgesetzt, sondern auch als günstigere Variante aus Porzellan in der 1910 gegründeten Kunstabteilung von Rosenthal in Selb. Ein Beispiel dafür ist die bei Franke angebotene Tanzende (Tänzerin) von 1935/36, die es sowohl als Bronze- als auch als Porzellanausführung gibt. Letztere wurde 1937 auf der Weltausstellung in Paris mit dem Grand Prix ausgezeichnet.

1946 reiste Grafikdesigner und Illustrator Fulvio Bianconi wiederholt von Mailand nach Murano, um sich über die dortige Glaskunst zu informieren und ein neues kreatives Betätigungsfeld zu entdecken. Die Möglichkeit dazu bereitete ihm Paolo Venini, für dessen Firma Bianconi in der Folge viele ikonische Objekt schuf, darunter die Vase Fazzoletto, aber auch die Reihe Fasce orizzontale, die mit horizontalen Linien und oftmals kontrastierenden Farben besticht. Für die vorliegende, zylindrische Vase wurde rubinrotes Glas gewählt und mit türkisfarbenen Bandaufschmelzungen kombiniert.

Abschließend darf auch diese Arbeit der im vergangenen Jahr verstobenen Künstlerin Mary Bauermeister nicht unerwähnt bleiben. Bauermeister, die an der Hochschule für Gestaltung Ulm sowie an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken studiert hatte, hatte in den 1960er Jahren als freie Künstlerin mit den von ihr organisierten Zusammentreffen großen Einfluss auf die Entwicklung der Fluxus-Bewegung und die Kölner Kunstszene. Nachdem in den 1950er Jahren Paris ihr wiederholtes Ziel gewesen war, zog es sie 1962 nach New York. Dort konnte sie zwei Jahre später mit ihren Linsenkästen ihren Durchbruch feiern. Jeder dieser zum Betrachter hin offenen Kästen ist wie ein Mikrokosmos, für den Texte und Bilder mit Linsen und Glaskugeln kombiniert werden. Auf die Arbeit Wissenskunst 1986 darf am 19. April mitgeboten werden.
Die Versteigerungen finden vom 18.-20. April im Auktionshaus Franke, Kalchreuther Straße 125, in Nürnberg statt. Vorbesichtigungen sind dort am 16. und 17. April nach vorheriger telefonischer Terminvereinbarung möglich.
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