Am 25. des Monats starten die Juni-Auktionen im Auktionshaus Quittenbaum, dessen Spezialgebiet das Design des 20. Jahrhunderts ist, mit einer fulminanten Versteigerungsparty zum 100. Bauhaus-Geburtstag. Die rund 180 Lose umfassen neben späteren, von der einflussreichen Schule geprägten Stücken auch viele Originale aus der Bauhaus-Zeit zwischen 1919 und 1933.

Unter den vielen Highlights dieser Offerte ist der Lattenstuhl ti 1a zu nennen, den Marcel Breuer ab 1922 entworfen hat, zwei Jahre bevor der junge Möbeltischler seine Gesellenprüfung am Bauhaus in Weimar bestand. Der junge Marcel Breuer beschäftigte sich intensiv mit Holzmöbeln und begann früh, sie auf minimale Gestaltungselemente zu beschränken, ohne auf den nötigen Komfort verzichten zu müssen. Kurz darauf begann sich Breuer mit Stahlrohrmöbeln zu beschäftigen. Sein bedeutendster Entwurf war hier der Stahlrohr-Klubsessel B3 (besser bekannt als Wassily-Chair) von 1925. Der Lattenstuhl ti 1a bildet eine wichtige Etappe auf dem Weg zu diesem ikonischen Möbelstück.
Das vorliegende Exemplar des Lattenstuhl ti 1a ist eines von vermutlich nur 26 Exemplaren, die 1924/25 ausgeführt wurden. Er wurde in den 1920er Jahren von einem Architekten erworben und befand sich seitdem in Familienbesitz.

Ein weiteres seltenes Stück der Auktion ist ein Exemplar der 2. Version von Marcel Breuers Stahlrohr-Klubsessel B4 von 1927. Das Design des Sitzmöbels baut, wie sein Name bereits vermuten lässt, auf dem Stahlrohr-Klubsessel B3 auf, ist durch seine Klappfunktion jedoch die platzsparende Variante.

Mit Wilhelm Wagenfeld ist ein weiterer Bauhaus-Pionier in der Auktion vertreten. 1923/24 entwarf er die Tischlampen MT8 und MT9, besser bekannt unter dem Namen Wagenfeld-Leuchte. Nach dem Umzug des Bauhauses nach Dessau, blieb Wagenfeld in Weimar, wo er u.a. seine ikonische Lampe weiterentwickelte. Das erste Ergebnis dieser Arbeit war die Lampe Typ 2 mit Glasfuß und Pergamentschirm. Beim vorliegenden Exemplar wurde die Pergamentbespannung mittlerweile durch Stoff ersetzt.

Ein weiteres interessantes Stück, das man vielleicht nicht sofort mit dem Bauhaus in Verbindung bringt, ist die hölzerne Gliederpuppe von Oskar Schlemmer aus dem Jahr 1922. Auf den ersten Blick ein Spielzeug, diente die Puppe Schlemmer, der sowohl Maler als auch Bildhauer und Bühnenkünstler war, als Forschungsobjekt hinsichtlich der menschlichen Bewegung im Raum.
Am 26. Juni hat Quittenbaum dann sein "Steckenpferd" im Programm, wenn mehr als 300 Lose mit Design-Highlights des 20. Jahrhunderts zum Aufruf kommen. Besonders gut vertreten sind die beiden "Vorzeigeregionen des Mid-Century-Designs" Skandinavien und Italien.

Als zeitlose Dauerbrenner kommen hier Entwürfe des dänischen Designers Hans J. Wegner unter dem Hammer, darunter sein Armlehnsessel AP 19 - Papa Bear von 1951. Ein großartige Gelegenheit bietet auch die Losnummer 145B 235, hinter der sich gleich 12 Stück von Wegners The Chair' - PP 503 verbergen. Seit seinem Entwurf 1949 wird dieses Modell immer wieder gerne genutzt, z.B. 1961 in der Fernsehdebatte zwischen Richard Nixon und John F. Kennedy während des Präsidentschaftswahlkampfes.

Doch Skandinavien kann nicht nur "klassisch" sondern auch futuristisch, was der finnische Designer Eero Aarnio bereits 1963-65 mit dem Sessel Ball Chair bewies. Ein zeitgenössischer Entwurf ist Olafur Eliassons Deckenleuchte Starbrick von 2009. Das skulpturale Lichtmodel ist sowohl als Hänge- und Stehlampe als auch als Tischleuchte einsetzbar.

Vielleicht ein wenig von der Science-Fiction der 1960er Jahre scheint das gradlinige Design von Marzio Cecchis Schreibtisch Diapason (ital. "Stimmgabel") inspiriert zu sein. Für die Ausführung des im höchsten Maße minimalistischen Entwurfs setzte man auf verchromtes und poliertes Edelmetallblech.

Die Auktion mit Moderner Kunst am 27. Juni ist in drei Kapitel aufgeteilt. Den Anfang macht hier "Picasso & Friends". Das Top-Los stammt vom namentlich bereits erwähnten Meister selbst: Der Keramikkrug Visage aux yeux rieurs (frz. "Gesicht mit lachenden Augen"). Der Entwurf stammt aus dem Jahr 1969, rund zwanzig Jahre nachdem Picasso die Töpferei im südfranzösischen Vallauris für sich entdeckt hatte.

Ein Zeitgenosse Picassos ist in der im Anschluss stattfindenden Auktion "Ausgewählte Werke" vertreten: Der Franzose Jean Souverbie mit einem Hauptwerk aus seiner besten Schaffensperiode, als er sich mit dem Kubismus auseinandersetzte. Baigneuse dans un paysage (frz. "Badende in einer Landschaft") stammt aus dem Jahr 1925 und ist auch unter dem Titel Nu allongé (frz. "Liegender Akt") bekannt.

Das umfangreichste Kapitel dieser Offerte ist mit Werken der Pop Art bestückt. Zwei spannende aktuelle Arbeiten stammen von Peter Klasen und Maximilian Wiedemann. Letzterer ist mit The only pain is champagne von 2016 in der Auktion vertreten, eine mit Sprühfarbe und Schablone ausgeführte Arbeit aus der Serie Vogue, die Wiedemanns langjährige Erfahrung in der Werbebranche als auch sein Interesse an der Mode- und Medienwelt widerspiegelt.

„Menschheit unter Hochspannung“ ist die Devise hinter Peter Klasens Werken, die Ausschnitte aus der Alltäglichkeit des menschlichen Daseins mit etwas Unerwartetem wie leuchtender Neoschrift oder einem Netzschalter kombiniert und diese so in einen neuen, nicht selten bedrohlich anmutenden Kontext rückt. In seiner 2003 entstandenen Serie, aus der auch das vorliegende Love No. 4 stammt, beschäftige sich Klasen mit Liebe und Hass, den beiden großen Antriebskräften des menschlichen Lebens.

Die Auktionen finden vom 25.-27. Juni im Auktionshaus Quittenbaum in der Theresienstraße 60 in München statt. Versteigerungsbeginn ist an allen drei Tagen um 17 Uhr. Die Möglichkeit einer Vorbesichtigung aller Objekte besteht vom 20.-24. Juni unter derselben Adresse.
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