Am 28. und 29. März bittet die Landshuter Rüstkammer zur Auktion und präsentiert an diesen zwei Tagen eine umfassende und spannende Offerte, die historische und insbesondere militärhistorische Schätze und Raritäten aus mehreren Jahrtausenden und verschiedenen Regionen umfasst.
Entdecken Sie nun 6 Highlights der Auktion, die am 28. März um 11:30 Uhr beginnt.
Nach Antiquitäten, Objekten der Frühgeschichte und Gerichtsbarkeit sowie Fachliteratur steht die Kategorie „Schutzwaffen und Rüstungen“ auf dem Programm.

Hier kommt als erstes Los ein bedeutender Eisenhut zum Aufruf, der ehemals in der Sammlung von Kaffee Hag-Gründer Ludwig Roselius in Bremen aufbewahrt wurde. Der aus einem Stück geformte Helm mit halbkugelig geschmiedeter Glocke und waagrecht eingeschnittenem Augenschlitz wurde um 1480 in Landshut angefertigt. Vergleiche mit anderen Stücken aus der Zeit und der Region lassen vermuten, dass es sich um eine Arbeit der Werkstatt des Plattners Mathes Deutsch handelt.

Bei einem weiteren Helm der Offerte handelt es sich um einen seltenen Helm, der speziell für Kolbenturniere konzipiert wurde. Das Kolbenturnier war eine spätmittelalterliche Turnierform, die ausschließlich im höfischen Kontext ausgetragen wurde. Ziel der Kontrahenten, wobei es sich um zwei einzelne Gegner oder zwei Gegnergruppen handeln konnte, war es, die Helmzier des jeweils anderen durch den Einsatz eines Streitkolbens oder einer anderen stumpfen Waffe abzuschlagen. Das vorliegende Exemplar wurde ebenfalls um 1480 in Süddeutschland oder Österreich angefertigt.
Nach verschiedenen Kategorien mit Blank- und Stangenwaffen sowie Armbrüsten und Reitzubehör folgen zivile und jagdliche Schusswaffen.

Hier sei zunächst auf ein Paar Steinschloss-Wenderpistolen von ca. 1680 hingewiesen. Wie der Name dieser Waffen bereits andeutet, zeichnen sie sich dadurch aus, dass sie über mehr als einen Lauf verfügen, wobei der Wechsel zwischen den Läufen manuell getätigt werden muss oder durch eine Mechanik ausgelöst wird. Die bekannten Wenderpistolen verfügen meist über zwei Läufe, bei dem vorliegenden Paar handelt es sich jedoch um seltene Exemplare mit jeweils drei Läufen. Gravuren auf beiden Stücken geben den Niederländer Hendryck Strabeeck als ausführenden Büchsenmacher an.

Auch dieses seltene Radschloss-Hinterladergewehr mit besonderer Schlossmechanik darf nicht unerwähnt bleiben. Wohl im Augsburg des frühen 17. Jahrhunderts angefertigt, verfügt das Gewehr möglicherweise über ein selbstspannendes Rad. Neben seiner Mechanik besticht es zudem mit seinen aufwändigen Verzierungen aus schwarz gravierten Beineinlagen, wobei besonders ein Offizier mit Rapier auf dem Kolbenfachdeckel sowie ein Offizier zu Pferd mit seiner Edeldame auf der Schaftbacke hervorzuheben sind.
Nach weiteren Schusswaffen sowie Objekten zum Belagerungswesen geht es weiter mit Waffen und Antiquitäten aus dem Orient sowie Afrika und Asien.

Auch hier ist ein absolutes Highlight der Auktion zu finden, eine vollständige Tosei Gusoku aus dem Japan der mittleren Edo-Zeit (1603-1868) im Originalzustand. Interessant ist, dass es sich bei dem Helm, dem kabuto, jedoch um eine wesentlich ältere Arbeit handelt, die aus dem Sengoku-Jidai („Zeit der streitenden Reiche“, ca. 1477-1573) stammt. Tatsächlich zog der Kriegeradel der Edo-Zeit antike Helmglocken modernen Exemplaren oftmals vor. Grund dafür war zum einen, dass diese Helme ihre Kampftauglichkeit bereits unter Beweise gestellt hatten, und zum anderen, dass handwerklich hochwertige Arbeiten vom Wohlstand und Ansehen der Vorfahren zeugten. Ebenfalls hervorzuheben ist die Signatur „Myochin“ (明珍) an der Unterseite des Gesichtsschutzes (menpo), die auf ein Mitglied der bedeutendsten Plattner-Dynastie Japans hinweist, wobei auch Meister, die ihre Ausbildung bei den Myochin erfolgreich abgeschlossen hatten, den Familiennamen, als Zeichen der hohen Qualität ihrer Arbeiten, führen durften.
Internationale Waffen und Militaria runden schließlich den ersten Auktionstag ab. Weiter geht es am 29. März um 11:30 Uhr mit deutschen und internationalen Orden und Ehrenzeichen, bevor deutsche Militaria von 1750-1918 zum Aufruf kommen.

Ein ganz besonderes Stück führt uns hier ins Großherzogtum Hessen-Darmstadt des Jahres 1828. Damals bekam August Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums beim Garderegiment Chevaux Legers von den Offizieren den vorliegenden Ehrensäbel überreicht, wie auf der gebogenen Klinge aus verziertem und vergoldetem Echtdamast zu lesen ist. Ein lithografisches Porträt des Prinzen, das diesen mit dem Prunksäbel zeigt, liegt bei. August Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg stand von 1803-1848 in Hessen-Darmstädtischen Diensten und nahm 1813 an der Völkerschlacht bei Leipzig teil. Ab 1852 war er Generalleutnant der Herzoglich Nassauischen Armee sowie Staatsminister. 1849 war er zudem Reichskriegsminister und Reichsministerpräsident der Provisorischen Zentralgewalt des kurzlebigen Deutschen Reiches von 1848/1849.
Zuletzt stehen in mehreren Abschnitten Stücke des 20. Jahrhunderts, von 1918 bis 1989, auf dem Programm.
Die große internationale Auktion der Landshuter Rüstkammer findet am 28. und 29. März im Auktionshaus in der Fischergasse 660 in Landshut statt. Vorbesichtigungen sind dort vom 17.-26. März ausschließlich mit Terminvereinbarung möglich.



