Mit ihrer Auktion für Sammlerautos in Kissimmee, Florida sorgte Mecum Auctions kürzlich für Schlagzeilen, als der höchste Auktionspreis für einen Mustang erzielt wurde. Dieser hatte bis dahin bei 2,2 Millionen US-Dollar gelegen, jetzt sind es 3,4 Millionen US-Dollar (ohne Gebühren). Doch was machte eben diesen Mustang, der sich nicht einmal in optimalem Zustand befand, so besonders? Ganz einfach: Schauspieler Steve McQueen brauste mit ihm 1968 durch die Kulissen des Films Bullitt.

Doch nicht nur McQueen saß am Steuer des 1968 Mustang GT, auch diverse professionelle Stuntmen nahmen hinter seinem Lenkrad Platz. Besonders legendär: die Verfolgungsjagd auf den Straßen von San Francisco, die allgemein als die beste Verfolgungsjagdszene in der Geschichte des Films gilt - und seitdem viele ähnliche Szenen inspiriert hat, vor allem durch Kameraeinstellungen, die das Geschehen aus dem Auto heraus zeigen, statt dieses einfach nur von außen zu zeigen.
auch war der Mustang nicht wie jeder andere, sonders stark für den Film modifiziert, sodass er, laut McQueen, wie ein eigenständiger Filmcharakter angesehen wurde. Die Embleme und Rückfahrscheinwerfer wurden entfernt und die üblichen Reifen durch graue ersetzt, um dem Auto ein härteres Aussehen zu verleihen, das dem Charakter seines (Film-)Fahrers entsprach. Hinzu kam eine zur Bewältigung diverser Sprünge notwenige Hochleistungsfederung sowie ein speziell modifizierter Motor und Befestigungspunkte für Kameras.

Nach Bullitt wurde das Auto 1974 von den Eltern des nunmehrigen Ex-Besitzers Sean Kiernan für nur 3.500 US-Dollar erworben. Drei Jahre später versuchte Steve McQueen, es den Kiernans abzukaufen, jedoch vergeblich. Stattdessen diente der berühmte Mustang als Familienkutsche für den täglichen Gebrauch - eine Vorstellung, die Film- und Autoenthusiasten sicherlich Schmerzen bereiten dürfte - bis es, 75.000 gefahrene Kilometer später, im Jahr 1981 dauerhaft in der Garage geparkt wurde und somit aus der Öffentlichkeit verschwand.
Im Laufe der folgenden Jahrzehnte ging man davon aus, dass der Mustang gar nicht mehr existierte, bis sich Sean Kiernan nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2014 entschied, den Wagen authentifizieren zu lassen und zu verkaufen. Gemeinsam mit Ford entstand der Plan, den Mustang zum 50-jährigen Jubiläum von Bullitt wieder der Öffentlichkeit zu präsentieren. Im selben Jahr stellte der amerikanische Automobilhersteller eine neue Version des Bullitt-Mustang, das er Seite an Seite mit dem 1968 GT Fastback erstmals enthüllte.

Mit einem erzielten Preis von 3,74 Millionen US-Dollar fuhr der Bullitt-Mustang dem bisherigen Rekordhalter für einen Mustang davon: ein 1967 Shelby GT500 Super Snake, der Anfang 2019 bei Mecum Auctions' Kissimmee-Auktion für 2,2 Millionen US-Dollar versteigert worden war. In der Rangliste der teuersten Muscle-Cars der Auktionsgeschichte belegt der Bullitt-Mustang den zweiten Platz hinter einem 1971 Plymouth Hemi Barracuda Cabriolet, das 2014 für 3,78 Millionen US-Dollar den Besitzer wechselte.
Zweifellos hat auch die einzigartige Provenienz des neuen Rekord-Mustangs zu seinem hohen Verkaufspreis beigetragen. Gemäß dem Hagerty Price Guide wäre ein Ford Mustang GT aus dem Jahr 1968 in gutem Zustand schätzungsweise 70.000 US-Dollar wert. Der ikonische Film und Steve McQueens individuelle Berühmtheit als Schauspieler und Autoenthusiast haben eben den Ausschlag gegeben. Seine Performance mit dem Auto in Bullitt und die darin gezeigten geschickten Fahrmanöver hat Generationen von Autofans geprägt.

Der Name Steve McQueen ist ein gutes Aushängeschild, wenn es um die Versteigerung von Filmautos geht. Dies belegt auch das Beispiel jenes 1967 Ferrari 275 GTB/4, der ebenfalls in Bullitt "mitspielte" und 2014 ein Auktionsergebnis von über 10 Millionen US-Dollar erzielte - das Dreifache des üblichen Preises für dieses Modell. Der sogenannte „Steve McQueen-Effekt“ erhöht den Preis jedes Autos, das dem Schauspieler gehörte oder von ihm gefahren wurde, um ein Vielfaches, und viele seiner Fahrzeuge haben bei Auktionen ähnlich attraktive Preise erzielt.
Wer der neue Besitzer des Bullitt-Mustangs ist, wurde nicht bekannt gegeben und viele Fans fragen sich, was mit dem Oldtimer geschehen wird. Seit den Dreharbeiten wurde er nie restauriert, ja sogar die Kratzer auf dem Kotflügel, die er sich bei der filmischen Verfolgungsjagd zugezogen hatte, sind immer noch zu sehen. Die Meinungen darüber, ob man diese besonderen Charakteristika bewahren oder den Wagen vollständig wieder instand setzen sollte, spaltet die Fangemeinde. Eines ist aber sicher: Nach seiner wechselhaften Geschichte als Filmauto, Familienkutsche, "Staubfänger" und Rekordhalter wird der Bullitt-Mustang gewiss nie mehr in Vergessenheit geraten.
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