Am 30. Juni und 1. Juli lädt das Pariser Auktionshaus Kunstliebhaber und -sammler dazu ein, die großen Meister des 20. Jahrhunderts treffen. In zwei Aktionen werden hervorragende Arbeiten von Künstlern wie Fernand Léger. Francis Picabia, Robert Combas und Andy Warhol versteigert.
Moderne Kunst
Unter den vierzig Losen des Katalogs befindet sich La Danseuse, eine außergewöhnliche Komposition des Kubisten Fernand Léger aus dem Jahr 1929. Die monumentale weibliche Figur, der das Werk seinen Titel verdankt, nimmt den gesamten linken Teil des Gemäldes ein und wirkt wie erstarrt in der Schwerelosigkeit über einem gelben, schwarz umrandeten Hintergrund. Sie koexistiert mit Objekten, die wie zufällig auf die Leinwand geworfen wirken, in einer Art Spiel von Luftobjekten, in dem jedes Element seine Autonomie behält. "Ich habe das Objekt genommen, ich habe den Tisch in die Luft gesprengt, ich habe das Objekt in die Luft gehoben, ohne Perspektive, ohne Stütze", kommentierte der Maler.

Diese Menge von Objekte, Formen und Farben, die nichts als unterschiedlich sein können, behalten dank eines geschickten Kniffs dennoch eine gewisse Homogenität: sie sind um eine Symmetrieachse angeordnet, während das goldgelbe Feld im Hintergrund einem Teppich ähnelt und so den Raum schließlich doch klarer definiert.
Fernand Légers Gemälde befindet sich in der Schwebe zwischen Kubismus und naiver Kunst und vermittelt einen ausgesprochen positiven Eindruck. Die gute Laune seiner farbenfrohen und prallen Charaktere, wie die Tänzerin, erklärt ihre Universalität. "Für mich als Mensch ist der menschliche Körper nicht bedeutsamer als Schlüssel oder Fahrräder. Das ist wahr. Alles sind für mich plastisch gültige Gegenstände und nach meiner Wahl zu entsorgen [...] Ich weiß, dass diese sehr radikale Konzeption der Objektfigur viele Leute empört, aber ich kann nichts dagegen tun", erklärte Léger einmal.

Schon früh distanzierte sich Francis Picabia von den Bildkonventionen seiner Zeit, insbesondere was die Porträtmalerei betrifft. Anfang der 1940er Jahre fand er seine Motive in erotischen Magazinen und malte fiktive Figuren nach bereits existierenden visuellen und sozialen Codes. Dies trifft auch auf Profil de femme blonde sur fond bleu zu, das nicht nach einem lebenden Modell gemalt wurde. Vielmehr spielte Picabia mit den platinblonden Haaren und dem glamourösen Make-up mit den Schönheitsidealen der damaligen Zeit, die von den ersten Massenmedien und Magazinen bestimmt wurden.
Das Gemälde reagierte auf eine Zeit, in der Malerei ihre Vormachtstellung als die primäre Form der Bilderzeugung in der westlichen Kultur verloren hatte.

Der Dadaist Jean (Hans) Arp betrachtete die Malerei als "ergänzende Polychromie für Holzreliefs", die nach seinen Anweisungen von Tischlern angefertigt wurden. Obwohl Arp von Kritikern als Maler eingestuft wird, produzierte er nur wenige zweidimensionale Werke, wobei er an seinen Skulpturen mit äußerster Verschwiegenheit arbeitete, bevor er sie schrittweise der Öffentlichkeit zugänglich machte. Experten glauben, dass der Übergang zwischen den beiden Disziplinen mit seinen "zerrissenen Papieren" stattgefunden hat, kleinen Papierstücken, die er nach dem "Gesetz des Zufalls" auf ein Blatt Pappe klebte.

Bei Torse de jeune fille, Juliette Vary von Louis Anquetin handelt es sich um eine Gouache, die auch in einer ölgemalten Fassung bekannt ist und 1891 im siebten Salon der Société des Artistes Indépendants Aufsehen erregte. 1882 in Paris angekommen, um in der Werkstatt von Léon Bonnat zu arbeiten, freundete sich Louis Anquetin mit Henri de Toulouse-Lautrec an und begleitete diesen in die Kabaretts auf dem Montmartre. Die vorliegende Arbeit stammt aus Anquetins sogenannter "linearen" Periode, als er sich allmählich von der von Émile Bernard beeinflussten "reflektierenden" Malerei zugunsten einer profaneren Malerei entfernte. Juliette Vary lebte in derselben Straße wie Toulouse-Lautrec, der auf sie aufmerksam wurde und von ihren Eltern die Erlaubnis erhielt, sie porträtieren zu dürfen.
Zeitgenössische Kunst
Robert Combat ist in diesem Katalog von Tajan mit Ça grouille, ça arrache les gencives en sang au trompettiste, et Crapeau le guitareu et Mimi le baptiste! vertreten, ein Werk mit psychedelischen Touch, das von der starken Verbindung des Künstlers zur Musik zeugt.

Das Gemälde von 1988 zeigt drei Musiker in einer von Details, Objekten und Formen aller Art übersäten Umgebung. Mit Poesie, Humor und Spott gegenüber Floskeln drückt Combas seine Leidenschaft zur Musik aus, zweinlos das dominante Thema seines Œuvres, über das er einmal sagte: "Musik, Malerei, was auch immer, ich habe Dinge zu sagen, sie sprudeln beinahe ungeachtet meiner selbst hervor, dass ich es nicht glauben kann".

Pop Art-Papst Andy Warhol fühlte sich Mitte der 1960er Jahren vom Thema "Blumen" angesprochen und wählte für die Umsetzung eine gewohnt ungewöhnliche Herangehensweise. Seine ikonische Flowers-Serie basiert auf einer Fotografie von Hibiskusblüten, die Patricia Caulfield aufgenommen hatte, um im Juni 1964 einen Artikel der Zeitschrift Modern Photography zu illustrieren. Das scheinbar einfache Motiv hatte dennoch eine komplexe Bedeutung für Warhol und zeigt seinen Wunsch, wirklich "populäre" Kunst zu schaffen.
Wie er selbst zugab, malte er "gerne auf einem Quadrat". In diesem Fall ermöglicht das Format des Siebdrucks seinem Eigentümer aus vier möglichen Optionen der Hängung selbst zu wählen.

Laut dem französischen Kunstkritiker, Journalisten und Schriftsteller Pierre Cabanne bedeutet "ein Gemälde von Chu Teh-Chun zu betrachten, sich ihm hinzugeben, seinen Atem aufzunehmen, sich an eine direkte, impulsive Sprache zu halten, die vom der Reichtum der Farbe unterstützt und unterbrochen wird. Und es teilt auch Ihre Träumereien." Tajan präsentiert eine hervorragende Kollektion von neun Werken Teh-Chuns, die die Sammler Sacha und Paulette Klerx direkt vom Künstler erworben hatten.
Der Künstler und die Familie Klerx verband mehr als dreißig Jahre eine enge Freundschaft, die mit einem ersten Treffen im Jahr 1958 begann, als Sacha Klerx künstlerischer Leiter der Galerie du Haut-Pavé war. Das Treffen markierte einen Wendepunkt in der Karriere Chu Teh-Chuns.
Die Auktionen finden am 30. Juni (Moderne Kunst) und am 1. Juli (Zeitgenössische Kunst) statt. Ab dem 26. Juni kann die Ausstellung im Espace Tajan in Paris besucht werden.



