Mit seiner Gründung im Jahr 1919 revolutionierte das Bauhaus die Kunst und das Design der Moderne auf internationaler Ebene, von architektonischen Neuerungen über Möbelinnovationen bis hin zur bildenden Kunst und dem textilen Handwerk. Das Bauhaus definierte einen modernen Stil. der die Grundsätze des Funktionalismus und der Massenproduktion mit einer einfachen und dennoch schönen Ästhetik zu verbinden wusste. Dieses Konzept hat auch heute, 100 Jahre nach der Gründung des Bauhauses, nicht an Aktualität eingebüßt und ist allgegenwärtig.

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 und dem Zusammenbruch des Kaiserreiches in Deutschland endete das von Traditionen geprägte "Diktat von oben". Stattdessen vollzog sich in der jungen Weimarer Republik eine Art künstlerische Befreiung, in der Kreativität und Innovation aufblühten. Vor diesem Hintergrund gründete der Architekt Walter Gropius im April 1919 die Kunstschule Bauhaus in Weimar. In einem Manifest hielt er den Auftrag, die Grundsätze und der Lehrplan seiner Gründung fest: "Bilden wir also eine neue Zunft der Handwerker ohne die klassentrennende Anma- ßung, die eine hochmütige Mauer zwischen Handwerkern und Künstlern errichten wollte! Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft, der alles in einer Gestalt sein wird: Architektur und Plastik und Malerei, der aus Millionen Händen der Handwerker einst gen Himmel steigen wird als kristallenes Sinnbild ei- nes neuen kommenden Glaubens."

Der Lehrkörper am Bauhaus setze sich aus vielen beeindruckenden Namen zusammen, darunter Wassily Kandinsky, Lyonel Feininger, Josef und Anni Albers sowie Paul Klee. Es wurden Kurse in Kunstgeschichte, Farbtheorie, Anatomie und Materialwissenschaft gebeten, dazu natürlich Malen und Zeichnen sowie kunsthandwerkliche Fächer zur Herstellung von Möbeln, Keramik, Textilien und Glasmalerei.

Wie in einer Endlosschleife sprudelte das Bauhaus in den 1920er Jahren über vor innovativen Ideen. Bauhaus-Lehrer Marcel Breuer entwarf die ikonischen Freischwinger- und Wassily-Stühle, bei denen er sich auf die wichtigsten Elemente beschränkte, die größtenteils aus Stahlrohr bestanden und so leicht in Serie hergestellt werden konnte. Orientiert hatte er sich dabei an den Rahmen von Fahrrädern. Bauhaus-Student und später -Lehrer Herbert Bayer entwickelte serifenlose Typen, die die Bauhaus-Schriften charakterisieren und ausgesprochen modern waren.

Auch Haushaltsgegenstände wurden unter dem Einfluss des Bauhauses zu nach wie vor funktionalen aber dennoch schönen Objekte: von der Wagenfeld-Halbkugel-Lampe bis zu Marianne Brandts silberner Teekanne. Wilhelm Wagenfeld fasste den Designethos des Bauhauses so zusammen, dass das Notwendigste für den Haushalt "billig genug für den einfachen Arbeiter und gut genug für die Reichen" sein sollte. Das Bauhaus führte modernes Design in allen Gesellschaftsschichten ein, in dem es sie Massenproduktion und erschwingliche Preise einbezog, die durch den technologischen Fortschritt ermöglicht wurde.

Das Bauhaus wollte die Trennung von Kunst und Handwerk aufheben, eine Mission, die in den Arbeiten von Anni Albers, Frau von Maler und Kunsttheoretiker Josef Albers, verwirklicht wurde. Anni Albers studierte am Bauhaus Weben, der einzigen handwerklichen Spezialisierung, die Frauen offen stand. Die Betonung der Schule auf die Massenproduktion veranlasste Albers, gewebte Protoyen zu entwickeln, für deren Herstellung ein Handwebstuhl nicht erforderlich war, die aber dennoch optisch ansprechend waren. Sie baute neue Materialien und Muster in ihre Webarbeiten ein und wurde eine wahre Textilkünstlerin, deren Werkstatt am Bauhaus sich als lukrativer Erfolg erweisen sollte.

Ihre Lehrtätigkeit am Bauhaus hatte erhebliche Auswirkungen auf die Werke von Kandinsky und Klee, die bereits zuvor als Pioniere der modernen Kunst und Mitglieder des Blauen Reiters auf sich aufmerksam gemacht hatten. Am Bauhaus haben sie ihre unverwechselbaren Stile weiter geformt und ausgebaut, indem sie die dort gelehrte Farbtheorie mit einbezogen ebenso wie Formen und Linien, die an das Bauhaus-Design angelehnt waren.

Die Farbtheorie am Bauhaus begründete die moderne Farbenlehre, die warme und kalte Farben unterscheidet. Als dekoratives Element propagierte die Designschmiede das farbige Streichen von nur einer einzelnen Wand eines Wohnraumes oder lediglich einen begrenzten Bereich.
Am Bauhaus kündigte Walter Gropius seine Vision eines neuen Architekturstils an, die eine moderne Ästhetik vorsah. Einfache grade Formen lösten hierbei den Jugendstil ab. Als Materialien hielten industrielle Stoffe wie Glas und Stahl Einzug, die leicht in Massenproduktion hergestellt werden konnten. Er war der Auffassung, dass die Ästhetik für Design und Funktion von größter Bedeutung sei und förderte ihr Zusammenspiel.

Das erste große Architekturprojekt des Bauhauses war eines in eigener Sache: ein neuer Campus in Dessau an der Elbe, wohin die Schule aufgrund von Finanzierungsproblemen 1926 umzog. An der Spitze des Architektenteams für das neue Gebäude stand Gropius selbst, der damit den internationalen Bauhausstil durch geometrische Formen, industrielle Materialien und fehlende Ornamente auszeichnet.
Das bedeutendste Element war jedoch die Vorhangfassade aus Glas und Stahl, die für größtmöglichen Lichteinfall sorgen sollte, aber keinerlei tragende Funkton hatte. Die tragenden Elemente waren ins Innere des Gebäudes umgesiedelt worden, was noch heute vor allem bei Wolkenkratzern gern aufgegriffen wird.

1928 trat Walter Gropius zurück und Hannes Meyer übernahm die Leitung - eine umstrittene Entscheidung, denn unter Meyer verlor die Form zunehmend an Bedeutung. Meyer musste bereits 1930 den Sessel räumen, auf dem nun Ludwig Mies van der Rohe - von Gropius selbst ernannt - als neuer Leiter des Bauhauses Platz nahm. Die Tage der einflussreichen und bedeutenden Schule waren jedoch bereits gezählt. Die zunächst regionalpolitisch erstarkende NSDAP forderte in Dessau 1931 die Streichung sämtlicher Mittel für das Bauhaus sowie die Entlassung der dort arbeitenden ausländischen Lehrkräfte. Mies van der Rohe verlegte das Bauhaus daraufhin in ein leeres Fabrikgebäude in Berlin, was jedoch nur einen Aufschub bis zur endgültigen Schließung bedeutete, die im April 1933 auf Betreiben der Nationalsozialisten erfolgte.

Obwohl das Bauhaus seine Tore hatte schließen müssen, breitete sich sein Einfluss schnell auf der ganzen Welt aus. Viele Bauhaus-Schüler und -Lehrer wanderten in den 1930er Jahren ins europäische Ausland, nach Kanada, in die USA und ins spätere Israel aus. Walter Gropius und Marcel Breuer zogen 1937 nach Massachusetts, um an der Harvard School of Graduate Design zu unterrichten. Sie arbeiteten dort weiterhin zusammen und beeinflussten die nächste Generation moderner Architekten und Designer, die ihre Schüler waren, darunter Philip Johnson und I. M. Pei. Mies van der Rohe ging nach Chicago, wo er die Second Chicago School leitete, die viele der Stahl- und Glastürme der Stadt gebaut hat und für die Chicago bekannt ist. Das Ehepaar Albers zog nach North Carolina, wo sie am Black Mountain College eine amerikanische Handwerksgilde nach Bauhaus-Vorbild nachbildeten.

Mit über 4000 Gebäuden ist die White City in Tel Aviv der weltweit größte Komplex mit Bauhaus-Gebäuden. Den Grundstein dafür hatten jene jüdische Architekten gelegt, die vor den Nationalsozialisten ins damals von den Briten kontrollierte Palästina geflohen waren. 2003 wurde White City zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt.
Die Wirkung des Bauhauses hat auch im 21. Jahrhundert Bestand. Gropius' Vision der reduzierten Formen voller Funktionalität in Architektur Design wird noch immer überall angewendet, vom Alltagsgegenstand wie einem Smartphone bis hin zur großflächigen Stadtplanung.

In Deutschland wird dem 100. Geburtstag des Bauhauses mit zahllosen Museumsausstellungen, Festivals und Projekten gedacht, darunter ein Reisebus des Berliner Architekten Van Bo Le-Mentzel. Der Bus, der in der Form des Bauhaus-Gebäudes in Dessau umgestaltet wurde, beherbergt eine Galerie zur Geschichte der Schule. Nachdem der Bus Anfang des Jahres in Dessau und Berlin Station gemacht hat, besucht er nun Kinshasa, die Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, und anschließend Hongkong. Darüber hinaus erhielt das Bauhaus Museum im Weiamr anlässlich des Jubiläums einen neues Gebäude. Und auch Dessau wird sich ab September 2019 über ein Museum über die einflussreiche Ideenschmiede der Moderne freuen dürfen.



