1894 erhielten Gustav Klimt und Franz Matsch, die bereits zuvor an ähnlichen Projekten in der österreichischen Hauptstadt gemeinsam gearbeitet hatten, den Auftrag, für die Universität Wien ein Deckengemälde für den Großen Festsaal anzufertigen, das die vier Fakultäten Theologie, Philosophie, Jurisprudenz und Medizin allegorisch darstellen sollte. Während dem Historisten Matsch das Thema Theologie anvertraut wurde, übernahm Klimt die anderen drei – und löste mit ihnen 1907 einen Eklat aus, da seine modernen und symbolistischen Entwürfe beim Wiener Publikum nicht gut ankamen.

Klimt war so genervt, schließlich hatte er 13 Jahre an den Gemälden gearbeitet, dass er die fertigen Bilder zurückkaufte. Während der Zeit des Nationalsozialismus gelangten sie in staatliche Hand und wurden während des Krieges in das niederösterreichische Schloss Immendorf gebracht, wo sie durch einen von SS-Truppen gelegten Brand vollständig zerstört wurden. Die drei Fakultätsbilder Klimts sind heute nur noch als Reproduktionen, von Fotografien und den Studien, die der Künstler dafür anfertigte, bekannt.

Eine solche Studie gehört nun zu den Highlights der kommenden Kunstauktion des Berliner Auktionshauses Bassenge, die dort vom 25. bis 28. November stattfinden wird. Klimts Studie der "Schwebenden" aus dem der Medizin gewidmeten Bild, wurde mit schwarzem Stift auf graubraunem Papier ausgeführt. Auf der Rückseite des Blattes befindet sich eine weitere gezeichnete Studie.

Weitere Highlights unter den Zeichnungen, die am 27. November versteigert werden, stammen von Künstlern wie Giovanni Battista Tiepolo, Paul Klee und Théodore Géricault. Letzterer ist mit der Kreidezeichnung La course des chevaux libres vertreten, die als Studie für ein Gemälde diente, von dem es zwar auch mehrere Ölskizzen gibt, das der Künstler letztendlich aber doch verwarf.

Ob es sich bei der von Antoine Watteau in Trois crayons-Technik ("Drei-Kreide-Technik") ausgeführten Skizze eines nach unten blickenden jungen Mannes um eine Studie handelt, ist nicht ganz klar. Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem sich in inniger Umarmung befindlichen Mann in jenem Werk von 1718/19 ist allerdings nicht von der Hand zu weisen.

Den Auftakt zur Auktionsreihe bildet am 25. November die Versteigerung von Druckgraphik des 15. bis 19. Jahrhunderts. Hier sind die Highlights dieses Fachs anzutreffen, zu denen natürlich der Nürnberger Renaissance-Meister Albrecht Dürer nicht fehlen darf.

Auch muss die Radierung Der Obelisk (Der Meilenstein bei der Hütte am Spaarndammerdijk) von Rembrandt hingewiesen werden, der in der vorliegenden exzellenten Erhaltung sehr selten ist.

Am 26. November widmet sich Bassenge Gemälden Alter und Neuerer Meister. Zu den letztgenannten gehört hier der in Werder an der Havel geborene Landschaftsmaler Karl Hagemeister. Dieser wandte sich um 1885 einer impressionistischeren Malweise in hellen Farben zu, wofür die vorliegende Ansicht des märkischen Dorfes Ferch ein schönes Beispiel ist.

Während seiner gesamten Karriere als Maler widmete sich Ludwig von Hofmann immer wieder arkadischen Szenen, die von nackten Menschen bevölkert sind. So verhält es sich auch mit diesem Ölgemälde, das dem Spätwerk des Künstlers zuzuordnen ist.

Ein Werk Ludwig von Hofmanns, der die Avantgarde um 1900 stark beeinflusst hat, ist die perfekte Überleitung zur Modernen Kunst, die Bassenge am 27. und 28. November versteigert. Hier sei auf das Gemälde Landschaft mit Palme und Häusern hingewiesen, das Hans Purrman 1957 in Italien, seinem persönlichen Arkadien, malte.

Von Ernst Ludwig Kirchner wird der aquarellierte Holzschnitt Arbeitende Frauen auf Balkon von 1919 zum Aufruf kommen. Wie so oft in Kirchners Werken ist auch hier eine Katze abgebildet. Vermutlich handelt es sich um den schwarzen Kater Bobby, der in jenem Jahr auf leisen Sohlen in Kirchners Leben getreten war.

Mit seinem Schwarzen Schwan von 1980 erschuf Georg Uecker zum einen eine Ode an das pulsierende und gleichzeitig zerbrechliche Leben an sich und kreierte durch die unterschiedlich langen Nägel einen in die Tiefe gehenden Rhythmus, der im Gegensatz zu seinen späteren Werken steht, in denen die in bestimmte Richtungen ausgerichtete Nagelgruppen von Bewegung und Dynamik zeugen.

Die Kunstauktion wird ergänzt durch eine Versteigerung mit Porträtminiaturen (26. November) sowie die Sonderkataloge "Felix Austria" und "Fidus – Auf der Suche nach dem Licht", der den deutschen Jugendstilkünstler Fidus (Hugo Reinhold Karl Johann Höppener) beleuchtet.

Zum Schluss sei noch auf die Auktion mit Fotografie des 19. – 21. Jahrhunderts am 2. Dezember hingewiesen, die Arbeiten von Diane Arbus, Robert Adams, Wilmar Koenig und Nan Goldin umfasst.
Die Versteigerungen finden in der Galerie Bassenge, Erdener Straße 5A, in Berlin-Grunewald statt. Dort finden auch die Vorbesichtigungen zur Alten Kunst statt, während die Ausstellungen mit Moderner Kunst und Fotografie in der Rankestraße 24 besucht werden können.
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