Durch seine innovative Herangehensweise an die Bildhauerei wurde Auguste Rodin (1840-1917) zu einem der bedeutendsten Vertreter auf diesem Gebiet. Mit seinen Arbeiten erforschte er Themen wie Leid, Leidenschaft und die Komplexität menschlicher Beziehungen. Besonders berühmt sind seine ikonischen Werke Der Denker und Der Kuss.
Obwohl Rodin zunächst wegen seines unkonventionellen Stils kritisiert wurde, wurden sein Talent und sein Genie dennoch schnell erkannt. Rodin hat enorme Spuren in der Kunstgeschichte hinterlassen und seine Skulpturen werden in Museen und Galerien auf der ganzen Welt ausgestellt. Hier sind sieben Fakten, die Sie vielleicht noch nicht über den Künstler wussten.

1. Er fiel dreimal durch die Bildhauerprüfung
So herausragend Rodin als Bildhauer auch war, so bescheiden waren seine Leistungen auf der Schulbank. Dort verbrachte er seine Zeit damit, in seinen Heften zu kritzeln, was seine Eltern 1854 dazu veranlasste, ihren damals 14-jährigen Sohn in Paris an der Schule für Zeichnen und Mathematik (genannt Petite École, heute École nationale supérieure des arts décoratifs) anzumelden. Einer seiner dortigen Mitschüler war Alphonse Legros. Dass er einmal Bildhauer werden würde, wurde Rodin klar, als er zum ersten Mal ein Klassenzimmer betrat, in dem Schüler mit Knete arbeiteten. Seine Lehrer waren Antoine-Louis Barye und Albert-Ernest Carrier-Belleuse. 1857 nahm er an der Aufnahmeprüfung für die École des beaux-arts teil. Die Zeichenprüfung war dabei nicht das Problem, vielmehr scheiterte er dreimal an der Bildhauerprüfung, vor allem wegen seines Mangels an humanistischer Kultur und seines Stils, der so gar nicht der klassizistischen der Zeit entsprach.
Lesen Sie auch: Albert-Ernest Carrier-Belleuse: Der vielseitige Meister der Skulptur

2. Er wäre beinahe Mönch geworden
Nach dem Tod seiner Schwester Maria fiel Rodin eine schwere Krise und beschloss am 8. Dezember 1862, das Noviziat der Kongregation des Allerheiligsten Sakraments in Paris anzutreten. Sein Name sollte künftig Frère Augustin lauten. Der Gründer der Kongregation, Pater Eymard, erkannte jedoch schnell, dass Rodin nicht für das Klosterleben geeignet war. Daher überzeugte er seinen Schützling, die Gemeinschaft zu verlassen, um einen künstlerischen Weg einzuschlagen, was Auguste Rodin im Mai 1863 dann auch tat.

3. Er unternahm eine Grand Tour
1875 verwirklichte Rodin seinen Traum und unternahm eine Grand Tour. Bei der Grand Tour, die hauptsächlich zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert praktiziert wurde, handelte es sich um eine lange Europareise, die von jungen Männern aus den höchsten Schichten der europäischen Gesellschaft unternommen wurde, um die Erziehung abzuschließen. Rodin reiste nach Italien und entdeckte die Kunstschätze des Landes. Er interessierte sich besonders für Michelangelo, der zu seiner größten Inspirationsquelle wurde, sowohl in Bezug auf die Haltung der Körper als auch in seiner Arbeit mit Marmor und seiner Technik des Non Finito (also einer scheinbar unvollendeten Bearbeitung eines Marmorblocks).
Lesen Sie auch: 5 Skulpturen in Italien, die man gesehen haben muss

4. Ihm wurde Schummelei vorgeworfen
Nachdem Rodin 1877, im Alter von 37 Jahren nach Paris zurückgekehrt war, schuf er mit L'Âge d'airain sein erstes großes Werk, das ihn schließlich an die Spitze der Pariser Kunstszene bringen sollte. Bei der Statue handelte es sich um eine lebensgroße Gipsskulptur eines jungen Mannes, die jedoch einen so lebendigen Eindruck vermittelte, dass man Rodin vorwarf, er habe einen Abguss direkt am Modell vorgenommen. Trotz der Kritik gab es zahlreiche offizielle Aufträge und Rodin wurde zum begehrten Porträtisten der High Society. Als Reaktion auf seine Kritiker wählte Rodin 1878 Johannes den Täufer als Motiv und schuf eine überlebensgroße Skulptur, um so endgültig zu beweisen, dass er es nicht nötig hatte, auf Abgüsse am Modell zurückzugreifen.

5. Seine Virilität sorgte für viele Dramen
Schlagen wir nun das Kapitel "Rodin und die Frauen" auf: Besonders bekannt ist hier natürlich seine turbulente Beziehung mit seiner Schülerin Camille Claudel, die allerdings kaum die einzige Frau in seinem Leben war. Rodin lernte Claudel 1882 kennen, als er Lehrer einer Gruppe junger Bildhauerinnen wurde. Zwei Jahre später war sie seine Muse und Geliebte. Claudel posierte insbesondere für die Skulpturen Torse de femme, Mon Frère und L'Aurore. Die leidenschaftliche Beziehung dauerte etwa 10 bis 15 Jahre und war eine produktive künstlerische Zeit für Rodin, der 1884 L'éternel printemps und 1892 L'adieu schuf. Trotz einer Vereinbarung weigerte sich Rodin standhaft, Claudel zu heiraten.
Lesen Sie auch: 6 Künstlerinnen und ihre männlichen Musen

Weniger bekannt ist, dass er 53 Jahre seines Lebens mit Rose Beuret verbrachte, die er 1864 kennenlernte. Rose war damals eine ungebildete Arbeiterin von 20 Jahren alt und saß für ihn Modell. 1866 bekamen Rose und Rodin einen Sohn, den er jedoch nicht anerkannte (er wohl auch zwei Kinder mit Camille Claudel, die er ebenfalls nicht anerkannte). Doch sie blieben zusammen, zogen nach Meudon und wurden gemeinsam alt. Am 29. Januar 1917, im Alter von 77 Jahren, als er bereits mehrere Anfälle erlitten hatte und sehr geschwächt war, heiratete Rodin Rose Beuret. Sie starb am 14. Februar 1917 im Alter von 73 Jahren an einer Lungenentzündung. Rodin folgte ihr am 17. November desselben Jahres. Im Laufe seines Lebens hatte Auguste Rodin viele Geliebte, darunter Gwendolen Mary John und die Herzogin von Choiseul.
Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!
6. Er scheute den Fortschritt nicht
1893 präsentierte Henri Lebossé Rodin ein mechanisches System zur Vergrößerung oder Verkleinerung von Skulpturen, das es dem Bildhauer ermöglichte, seine Werke in verschiedenen Maßstäben und in Serien herzustellen. Rodin stellte die Gussformen seiner Skulpturen auch seinem Museum (das Musée Rodin in Paris) zur Verfügung, damit er seine Reproduktionsrechte und seine künstlerische Integrität weiterhin wahren konnte. Darüber hinaus fertigte er auch Nachbildungen seiner Signatur an, um anderen die Möglichkeit zu geben, seine Werke nach seinem Tod zu reproduzieren und so sein künstlerisches Erbe fortzuführen.

7. Einige seiner Arbeiten wurden am 11. September 2001 zerstört
Im World Trade Center in New York befanden sich mehr als fünfzig Werke Rodins, die jedoch bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 unwiederbringlich verloren gingen. Bei den Such- und Rettungsaktionen wurden drei Bronzeskulpturen aus den Trümmern geborgen, doch waren sie schwer beschädigt. Zu diesen Skulpturen gehören Büste des Jean d'Aire (eine vorbereitende Studie zu Die Bürger von Calais), Les Trois Ombres sowie eine kleine Bronzeversion des berühmten Denkers. Auch Werke von Alexander Calder und Joan Miró befanden sich in den Twin Towers.
