Unsere Route durch Italien führt uns durch vier Städte und zu fünf Meisterwerken, die eine Reise absolut wert sind.
Michelangelos David

Die erste Station unserer Reise ist Florenz, die Wiege der Renaissance und des Vaters der italienischen Sprache, Dante Alighieri. In der Galleria dell’Accademia steht mit Michelangelos David ein Symbol der Renaissance, der toskanischen Stadt und ganz Italiens.
Die Marmorskulptur stellt jenen biblischen Jüngling dar, der den tyrannischen Riesen Goliath besiegte, womit er den Menschenhelden der Renaissance verkörpert. Inspiriert vom ästhetischen Kanon der Klassik, ist David auch ein Ideal männlicher Schönheit – trotz der scheinbar unverhältnismäßigen Größe des Kopfes und der rechten Hand. Diese Maße hatte Michelangelo jedoch bewusst gewählt: Zum einen mussten einige Teile der über fünf Meter hohen Skulptur größer sein, um von unten gesehen werden zu können, zum anderen repräsentiert eine starke rechte Hand die Tatkraft eines mächtigen Mannes, während der Kopf für den Intellekt steht, der den Menschen über alles andere Irdische erhebt.
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Michelangelos Pietà

Von Florenz aus geht es weiter in die „Ewige Stadt“, Italiens Hauptstadt Rom, genauer gesagt in den Vatikan. Dort darf ein weiteres Meisterwerk Michelangelos staunend betrachtet werden, die Pietà, die nicht nur eines der schönsten Werke der Kunstgeschichte ist, sondern als einziges von Michelangelos Werken dessen Signatur trägt (auf einem Band, das quer über die Brust der Madonna verläuft).
Die Skulptur aus weißem Carrara-Marmor, für deren Ausführung der Künstler den Auftrag vom französischen Kardinal Jean Bilhères erhielt, als er erst Anfang zwanzig war, wurde zum Gegenstand einiger Kritik, da viele das zu jugendliche Erscheinungsbild der Jungfrau bemängelten. Doch scheint Michelangelo die Entscheidung bewusst aus theologischen Gründen getroffen zu haben, da die jugendliche Maria ein Symbol der Unbefleckten Empfängnis darstellt, deren kindliche Unschuld nicht altern und verwelken kann.
Betrachtet man das Werk von oben, wird eine weitere Besonderheit deutlich: Christus verfügt über einen zusätzlichen Zahn, genauer gesagt über einen fünften Schneidezahn. In der Renaissance wurde dieser Zahn als „Zahn der Sünde“ bezeichnet und war eigentlich negativen Charakteren vorbehalten. In diesem Fall scheint er den Umstand zu symbolisieren, dass Christus bei seinem Tod alle Sünden der Welt auf sich nahm.
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Gian Lorenzo Berninis Apollo und Daphne

Verweilen wir noch ein wenig länger in Rom und begeben wir uns zur Galleria Borghese, wo die Figurengruppe Apollo und Daphne ausgestellt wird, die von Gian Lorenzo Bernini im Auftrag von Kardinal Scipione Borghese geschaffen wurde.
Inspiration war der antike Mythos um den Gott Apollon und die Nymphe Daphne: Liebesgott Amor war zornig auf Apollo, der ihn verspottet hatte. Aus Rache fertigte er zwei Pfeile an, von denen der erste unsterbliche Liebe bewirkte, während der zweite dazu bestimmt war, diese Liebe abzulehnen. Der erste Pfeil traf Apollo, der sich daraufhin in Daphne verliebte, als er ihrer in einem Wald ansichtig wurde, und sie nun hartnäckig verfolgte. Die Nymphe, vom zweiten Pfeil getroffen, empfand nichts als Verachtung für Apollo und versuchte, ihm zu entkommen. Schließlich bat sie die Götter um Hilfe, die sie daraufhin in einen Lorbeerbaum verwandelten. Berninis Werk zeigt den Moment der Verwandlung.
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Giuseppe Sanmartinos Cristo Velato

Für die vierte Skulptur ziehen wir weiter nach Neapel, eine Stadt, die nicht nur über tausend Kirchen und gutes Essen verfügt, sondern auch über einen unschätzbaren kulturellen und künstlerischen Reichtum. Ein Teil von diesem ist der Cristo Velato („Verschleierter Christus“) von Giuseppe Sanmartino, der ein Symbol der Stadt darstellt. Die Marmorskulptur erfreut sich seit ihrer Erschaffung zahlreicher Bewunderer. Einer von ihnen war Antonio Canova, der bekannte, dass er zehn Jahre seines Lebens geben würde, um ebenfalls der Schöpfer eines solchen Kunstwerkes zu sein.
Der Schleier, der das Antlitz Christi bedeckt, ist so meisterhaft gearbeitet, dass eine Legende darüber entstand: Der Wissenschaftler und Alchemist Raimondo di Sangro, der das Werk in Auftrag gegeben hatte, soll Giuseppe Sanmartino die Technik der „alchemistischen Marmorierung“ verraten haben, durch die ein königlicher Schleier aus Stoff, der auf die Skulptur gelegt wurde, zu Marmor wurde. Natürlich gehört diese Geschichte ins Reich der Legenden, doch ist die Ausführung tatsächlich so meisterhaft, dass man an eine Art „magische Berührung“ denken könnte.
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Arnaldo Pomodoro Sfera

Nachdem wir uns nun so lange an der Westseite Italiens aufgehalten haben, begeben wir uns nun ins malerische Pesaro an der Adria. Auf der dortigen Piazza della Libertà lassen wir uns von der Sfera von Arnaldo Pomodoro verblüffen. Der Bronzeguss, der auch „Pomodoro-Kugel“ genannt wird, scheint über der Wasseroberfläche eines großen Beckens zu schweben, von wo aus er über das Meer blickt. Ausgeführt wurde die Bronze im Jahr 1998 nach einem Polyestermodell der Sfera Grande, die Pomodoro 1967 für die Expo in Montreal geschaffen hatte und die 1971 in Pesaro eintraf. Das Original befindet sich nun in Rom vor dem Außenministerium.
Ein wichtiges Merkmal dieser Arbeit ist die glatte und polierte Oberfläche, die sich in der Mitte „spaltet“ und so einen inneren Mechanismus offenbart, was den Kontrast zwischen der äußerlichen Perfektion und der verborgenen Komplikation symbolisiert, als Metapher für die Komplexität des Unbekannten.









