Wirft man einen Blick in ein Lifestyle-Magazin oder das Angebot eines Immobilienmaklers, stellt man fest, dass die abgebildeten Wohnräume frei von allem, das nicht zeitgemäß ist, sind. Stattdessen stehen Minimalismus und die neueste Technologie im Mittelpunkt. Muss das wirklich so sein? Vieles spricht dafür, dass ein historisches Möbelstück in einem modernen Zuhause keinesfalls fehl am Platz ist.
Seit den 1970er Jahren führt die Reaktion auf den Bau von oftmals charakterlosen Häusern zu einem gesteigerten Interesse an älteren Gebäuden und deren Ausstattung. In den vergangenen Jahrzehnten ließ sich der fast zwanghafte Wunsch beobachten, Ursprüngliches wiederherzustellen, dass zuvor missachtet und entfernt worden war. Das galt vor allem für Stadtteile mit einer Bebauung aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Es wurde zur Mode, Authentisches und Altes zu bewahren und alles, was modern war, praktisch zu verbieten, um es zu keiner Kollision mit der sorgfältig kuratierten, beinahe schon musealen Einrichtung kommen zu lassen. Man entwickelte einfallsreiche Verkleidungen für Fernseher und ein modernes Heizsystem musste auf jeden Fall mit dem viktorianischen Heizkörper aus Gusseisen in Einklang gebracht werden.
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Altbauten sind beliebt, doch leben die meisten von uns in eher neuen Häusern, was gleichbedeutend ist mit Minimalismus, Schnörkellosigkeit, großen Fenstern, vergleichsweise niedrigen Decken und dem Fehlen von künstlerischen architektonischen Merkmalen.
So wie man bei der Einrichtung eines historischen Hauses auf alles Moderne verzichten wollte, geschah dies auch andersrum auch in modernen Häusern, in denen man ältere Objekte als Fremdkörper betrachtete. Die formalen Formen und dunkleren Hölzer standen im Widerspruch zu den strahlend weiß gestrichenen Wänden und großen Panoramafenstern, die den zeitgenössischen Look seit dem Zweiten Weltkrieg auszeichnen.

Auch in der Frühzeit der Moderne im späten 19. Jahrhundert bevorzugten Architekten die Farbe Weiß als hygienische und gesunde Reaktion auf die rußige Düsternis viktorianischer Räume. Das Tageslicht und jede verfügbare Lichtquelle kann so optimal eingesetzt werden, hat aber zur Folge, dass alles, was nicht makellos ist, im Vergleich dazu etwas schmuddelig erscheint. Gepaart mit harten Böden aus Laminat, Massivholz, Keramik oder Beton, erscheint dies nicht als eine vielversprechende Umgebung für ein antikes Möbelstück. Dem ist aber nicht so: Schauen mir uns nun einmal an, wie historische Möbel ein modernes Zuhause bereichern können.
Die Küche
Eine der deutlichsten Veränderungen im häuslichen Bereich der letzten Jahre war die Hinwendung zur Wohnküche, wodurch das einst separierte Refugium der Hausfrau zum wichtigsten Wohnraum eines Hauses mutierte. Die Entwicklung von hochwertigen Küchengeräten und maßgeschneiderten Einbaumöbeln, die von der Luxusklasse bis zum Flatpack-DIY reichen, hat sich der früher so beengte Kochbereich mit Waschküche in ein schickes, gastfreundliches Wohnzimmer verwandelt.

Unter den traditionellen Einrichtungsmaterialien galt Eiche von jeher als besonders küchentauglich, da es ein robustes, faseriges Holz ist, dass nicht allzu viel Schutz vor Spritzern und Stößen benötigt. Obwohl die Vorteile einer Einbauarbeitsfläche auf der Hand liegen, könnte ein antiker Tisch mit Stühlen einen spannenden und praktischen Kontrast bieten.
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Die aus England stammenden Gateleg-Tische des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts funktionieren mit ihren aus- und einklappbaren Platten besonders gut. Es gibt sie in rund, oval und quadratisch und bieten in voller Pracht Platz für bis zu zwölf Personen. Die tragenden Rahmen mit Blauster- oder gedrehten Beinen können einen erfrischenden Kontrast zu einer geometrisch geordneten Umgebung bilden und sind für die Beanspruchungen durch den täglichen Gebrauch bestens gerüstet. Die Tische mit ihren massiven Platten kamen während des elisabethanischen Zeitalters in Mode und wurden im gesamten folgenden 17. Jahrhundert hergestellt.

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an: Ein eleganter zeitgenössischer Stammtisch mit Glasplatte kann in Eichenholzstühlen aus dem 18. Jahrhundert die perfekten Begleiter finden. Oder kombinieren Sie klassische dänische Stühle, wie zum Beispiel von Hans J. Wegner, mit einem ausziehbaren viktorianischen Esstisch zu kombinieren.
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Nicht selten ist Eichenholz mit dem Ruf behaftet, zu dunkel und dominant zu sein. Doch das Wunderbare ist, dass es sich mit zunehmenden Alter verändert: Durch Benutzung und Lichteinwirkung kann sich die ursprüngliche Farbe in einen waren Goldton verändern. Im späten 19. Jahrhundert wurde ein Verfahren entwickelt, mit dem Holz sofort aufgehellt werden konnte. Kombiniert mit Eiche und Nussbaum war das ein Look, den die Vertreter der Arts and Crafts-Bewegung bevorzugten. Das frühe 20. Jahrhundert war eine reiche Zeit für hervorragend gefertigte Möbel, die ganz natürlich in einer modernen Küche funktionieren.

Der Windsor-Stuhl war im späten 18. Jahrhundert ein universelles Möbelstück, das in allen Häusern jener Epoche anzutreffen war. Die Stühle mit ihren filigran wirkenden, doch robusten Lehnen sind bemerkenswert bequem und haben sich zu Designklassikern entwickelt, die sich in den meisten zeitgenössischen Umgebungen behaupten können. In der Regel werden sie aus Esche, Ulme oder Obstholz hergestellt. Sehr beliebt ist auch Eibenholz, dessen Aussehen und Struktur dem Stuhl einen Hauch Luxus verleiht. Die Versionen mit niedriger Rückenlehne lassen sich mit den meisten Tischdesigns kombinieren.
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Wenn Sie in Ihrer Küche nicht vollkommen auf Einbauschränke setzten möchten, ist ein Buffet bzw. eine Anrichte eine gute Wahl. Anrichten kamen im späten 17. Jahrhundert auf und dienten ursprünglich – ihr Name verrät es bereits – zum Anrichten von Fleisch und anderen Speisen. Als dekorativer Faktor wurden in den oberen offenen Fächern der Buffetschränke traditionell das Speiseservice oder Gefäße aus Zinn aufbewahrt und zur Schau gestellt. Natürlich kann man auf den Brettern auch alle möglichen anderen Objekte platzieren, vom Kochbuch bis zum digitalen Streaming-Gerät.

Ein nicht minder praktisches und dekoratives Aufbewahrungsmöbel ist der Wäscheschrank, der mit seinen vielen Regalböden jede Menge Stauraum für Töpfe und andere Küchenutensilien bietet. Handwerklich wunderbar gearbeitete Stücke aus dem 18. Jahrhundert sind immer noch relativ günstig zu haben und vielseitig kombinierbar.
Wie Sie antike Möbel perfekt in Ihre Wohnzimmereinrichtung integrieren, erfahren Sie demnächst im zweiten Teil.
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Artikel von Martin Snape
Martin Snape arbeitete in leitender Position bei Sotheby’s in der Bond Street, wo er 32 Jahre lang als Gutachter für englische und europäische Möbel tätig war. Neben dem Verfassen von Bewertungen hat Martin Vorträge zu den verschiedensten Aspekten des Möbeldesigns und der Möbelgeschichte gehalten, einschließlich spezialisierter Kurse am Sotheby’s Institute und anderen professionellen Institutionen.









