Am 28. Juli wird Pablo Picassos weitestgehend unbekannte Kohlezeichnung Femme endormie, die er am 4. Februar 1931 ausführte, mit einem Schätzpreis von 6–9 Millionen GBP (ca. 6,7–10,1 Millionen Euro) im Evening Sale von Sotheby's zum Aufruf kommen.
Die Auktion hat mit einem Selbstporträt von Rembrandt und einem wiederentdeckten Rubens noch viel mehr zu bieten!

Die bemerkenswert hohe Bewertung des Werks – Zeichnungen erzielt in der Regel niedrigere Preise als ihre gemalten Verwandten – hat drei Gründe: Es ist weitestgehend unbekannt, es zeigt Picassos Muse und Geliebte Marie-Thérèse Walter (zu einem Zeitpunkt als die Affäre der beiden noch ein Geheimnis war) und es stellt ein gleichermaßen qualitätsvolles als auch intimes Werk dar.
Ich bin Picasso! Sie und ich werden gemeinsam großartige Dinge tun.
"[Die Zeichnung ist] ein wahres Juwel", drückte es Helena Newman, Leiterin der Abteilung für Impressionismus und Moderne Kunst bei Sotheby's, gegenüber dem Guardian aus. "[Picasso] hat eine Technik angewendet, die der Arbeit eine unglaubliche Intimität verleiht."
"Der Kohlestift ist praktisch die Hand, die sie buchstäblich fast zu streicheln scheint. Sie ist wundervoll und knüpft an die großartigen Zeichnungen der Renaissance an. Gleichzeitig ist sie so unglaublich modern und frei und spontan und direkt. Es ist, als ob man ihm beim Zeichnen über die Schulter schauen würde."

Es war 1927 als der 45-jährige Picasso die 17-jährige Marie-Thérèse Walter traf. Jahre später erinnerte sich Walter an den Moment: "Ich wusste gar nichts – weder über das Leben noch über Picasso... Ich war auf dem Weg zum Einkaufen in den Galeries Lafayette, als Picasso mich beim Aussteifung aus der Metro sah. Er nahm mich einfach am Arm und sagte 'Ich bin Picasso! Sie und ich werden gemeinsam großartige Dinge tun'."
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Zu jener Zeit war Picasso unglücklich verheiratet mit der Tänzerin Olga Chochlowa, sodass seine Beziehung mit Marie-Thérèse Walter ein Geheimnis bleiben musste. Im Laufe der nächsten 10 Jahre (die Affäre wurde öffentlich, als 1935 die gemeinsame Tochter Maya zur Welt kam) diente Marie-Thérèse wiederholt als Inspirationsquelle für Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen. Der Enkelsohn der beiden, Olivier Widmaier Picasso, äußerte sich, dass das Treffen und die Affäre Picassos mit Marie-Thérèse Walter tatsächlich eine Wiedergeburt des Künstlers darstellte. Viele der Werke Picassos aus jener Zeit zählen zu den besten seiner Karriere.

Als 2010 das 1932 entstandene Gemälde Akt mit grünen Blättern und Büste bei Sotheby's für 106 Millionen USD (80 Millionen Euro) versteigert wurde, war es das bislang höchste Ergebnis für den Jahrhundertkünstler auf dem Auktionsmarkt. Die nun angebotene Zeichnung Femme endormie entstand ein Jahr früher und stellt ein besonders zärtliches und intimes Porträt von Picassos Geliebter dar.
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Das Werk wurde nur ein einziges Mal ausgestellt: 1986 in der Galerie Beyerler in Basel. Damals wurde es dort vom aktuellen Besitzer erworben. Die Galerie hatte es ein Jahr zuvor Bernard Ruiz-Picasso, einem Enkel Pablo Picassos und Olga Chochlowas, abgekauft, in dessen Besitz es in Erbfolge gelangt war.
Dass Picasso die zärtliche und intime Zeichnung bis zu seinem Tod bei sich behielt, zeugt von der großen Bedeutung, die sie für den Künstler hatte.
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