Um das auf Leinwand oder Papier verewigte Abbild eines Künstler-Modells mit der Realität vergleichen zu können, bedarf es eins: einer realistischen Abbildung. Dies schränkt den Zeitraum, den dieser Artikel behandeln kann, natürlich stark ein, denn erst die ab Mitte des 19. Jahrhunderts zur Verfügung stehende Fotografie ermöglichte wirklich lebensechte Bildnisse.
Allerdings war die Fotografie in ihrer Frühzeit noch etwas wirklich Besonders, sodass nicht jedes x-beliebige Maler-Modell vor die Linse gebeten wurde oder es sich leisten konnte, ein "Foto-Shooting" zu bezahlen. Und so verwundert es nicht, dass die Frauen, die wir Ihnen im Folgen vorstellen möchten, häufig nicht nur die Musen eines oder mehrerer Künstler waren, sondern selbst durch ihre künstlerische Tätigkeit eine gewisse Berühmtheit erlangt hatten.
Berthe Morisot (1841-1895)

Das perfekte Beispiel, das alle Komponenten in sich vereinte, war Berthe Morisot. Sie war nicht nur Muse und Modell und später auch Schwägerin von Édouard Manet, sondern selbst eine bereits zu ihren Lebzeiten bekannte Malerin. Zudem entstammte sie einer wohlhabenden Bürgerfamilie, die es sich leisten konnte, ihre Mitglieder von einem Fotografen porträtieren zu lassen.
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Elizabeth Siddal (1829-1862)

Auch die schöne Engländerin Elizabeth Siddal war selbst als Malerin aktiv. Ihr Aussehen machte sie zudem zum Lieblingsmodell der Künstlergruppe der Präraffaeliten. Einen dieser Maler, Dante Gabriel Rosetti, heiratete sie. Ihre Arbeit als Modell für John Everett Millais sollte ihr allerdings zum Verhängnis werden.
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Jeanne Hébuterne (1898-1920)

Als die 19-jährige Jeanne Hébuterne 1917 den 14 Jahre älteren Amedeo Modigliani in Paris kennenlernte, war sie eine talentierte Kunststudentin, er ein genialer Maler, dessen Genialität den meisten seiner Zeitgenossen leider entging. Auch Jeannes Eltern, die gegen die Beziehung waren. Doch Jeanne wählte die Liebe zu dem armen Maler, der an Tuberkulose und Alkoholsucht litt. Natürlich endete es tragisch mit Modiglianis frühem Tod und dem daraufhin von Jeanne begangenen Selbstmord.
Emilie Flöge (1874-1952)

Nicht als Malerin sondern als Modeschöpferin betätigte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Wienerin Emilie Flöge. Gemeinsam mit ihren beiden Schwestern führte sie einen Mode-Salon, in dem auch die locker sitzenden „Reformkleider“ angeboten wurden. Gut vernetzt in der Wiener Kunstszene der Belle Époque, lernte Emilie um 1890 den Schwager einer ihrer Schwestern, den Maler Gustav Klimt, kennen, dessen Lebensgefährtin und Muse sie bis zu dessen Tod im Jahr 1918 war.
Wally Neuzil (1894-1917)

Die selbst nicht künstlerisch tätige Wally Neuzil war ab 1912 für drei Jahre die Lebensgefährtin und Muse von Egon Schiele. Es war eine wichtige Phase im Schaffen des Künstlers, in der so manches Meisterwerk und viele erotische Zeichnungen entstanden. Trotzdem heiratete Schiele 1915 eine Andere. Sein Vorschlag, eine Art Dreierbeziehung einzurichten, wurde weder von seiner Ehefrau, noch von Wally positiv aufgenommen. Wally Neuzil starb 1917an Scharlach, Egon Schiele im Jahr darauf an der Spanischen Grippe.
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Marie-Hortense Fiquet (1850-1922)

Vierzehn Jahre nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes heiratet Paul Cézanne 1886 seine Lebensgefährtin Marie-Hortense Fiquet. Die Ehe war nicht glücklich, vor allem da Cézanne aufgrund eines Kindheitstraumas Berührungen kaum ertragen konnte. Dennoch war Hortense, die selbst mit der Malerei nichts am Hut hatte, sein bevorzugtes Modell, das stundenlang für ihn posieren musste.
Eine wahre Fundgrube an gemalten und fotografierten Musen und Modellen ist das von Kunst und Amouren erfüllte Leben von Pablo Picasso. Und natürlich werfen gerade die Porträts des Erfinders des Kubismus die Frage nach dem tatsächlichen Aussehen seiner Modelle auf.
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Fernande Olivier (1881-1966)

1905 wurde Fernande Olivier, eigentlich Amélie Lang, die erste Lebensgefährtin und Muse des gleichaltrigen Picasso. Sieben Jahre verbrachten sie gemeinsam - ein wichtiger Zeitraum in Picassos Karriere, entwickelte er doch in jenen Jahren den Kubismus, in dessen Manier er Fernande mehrfach porträtierte.
Olga Chochlowa (1891-1955)

1917 lernte Picasso in Rom die Tänzerin Olga Chochlowa kennen, als er für die Ballet Russes Kostüme und Bühnenbilder entwarf. 1918 heirateten sie in Paris und bekamen drei Jahre darauf den Sohn Paolo. An Picassos Affäre mit Marie-Thérèse Walter zerbrach die Ehe schließlich und man lebte fortan getrennt. Zu Scheidung kam es aufgrund von Vermögensstreitigkeiten jedoch nie.
Marie-Thérèse Walter (1909-1977)

Marie-Thérese Walter war ab 1927 zunächst die heimliche, ab 1935, als die gemeinsame Tochter Maya geboren wurde, die offizielle Geliebte von Picasso, den ihre Schönheit faszinierte und der sie immer wieder malte. Als das 1932 entstandene Gemälde Akt mit grünen Blättern und Büste, für das Marie-Thérèse Modell gestanden hatte, 2010 für 106 Millionen USD (80 Millionen Euro) versteigert wurde, war es das bis dato teuerste Werk Picassos auf dem Auktionsmarkt.
Dora Maar (1907-1997)

Bereits 1935 bekam Marie-Thérèse Walter Konkurrenz durch die leidenschaftliche Fotografin Dora Maar, die ebenfalls Picassos Geliebte wurde. Drei Jahre waren die beiden Frauen Konkurrentinnen um die Liebe des Malers, was diesem sehr schmeichelte. 1937 dokumentierte Dora Maar fotografisch die Entstehung von Picassos patriotischem Meisterwerk Guernica. Als Picasso sie 1943 für die 21-jährige Françoise Gilot verließ, stürzte dies Dora Maar in eine schwere Depression.
Françoise Gilot (*1921)

Françoise Gilot begann gerade, als Aquarellmalerin Fuß zu fassen, als sie den um 40 Jahre älteren Picasso kennenlernte und seine nächste Muse und Lebensgefährtin wurde. Sie bekamen die Kinder Claude und Paloma und lebten ab 1948 im südfranzösischen Vallauris. 1953 geschah dann das Unfassbare: Françoise verließ ihn, statt, wie sonst üblich, von ihm verlassen zu werden. Picasso verbot daraufhin allen Galerien in Paris ihre Werke auszustellen. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, veröffentlichte Françoise Gilot 1964 ein Buch über ihre gemeinsamen Jahre mit dem Maler.
Jacqueline Roque (1927-1986)

Jacqueline Roque, die in Vallauris als Verkäuferin bei Picassos Keramikmanufaktur arbeitete, wurde 1961 die zweite Ehefrau des Malers und in der Folgezeit sein am meisten dargestelltes Modell. Um die junge Frau für sich gewinnen zu können, hatte sich der über siebzigjährige richtig ins Zeug legen müssen: sechs Monate lang brachte er ihr jeden Tag eine Rose, bis sie endlich zu einem Rendezvous bereit war.
Bis heute berühmt ist der aus gutem Hause stammende Maler Henri de Toulouse-Lautrec für seine Arbeiten mit Motiven aus den Varietés auf dem Montmartre. Das Leben der dortigen Künstler und Tänzerinnen hielt er nicht nur auf Gemälden fest, sondern auch auf Plakaten, die er für diverse Shows in den Lokalen entwarf.
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Louise Weber "La Goulue" (1866-1929)

Die Königin unter den Cancan-Tänzerinnen im Moulin Rouge war Louise Weber, genannt „La Goulue“. Zu einer ihrer Shows fertigte Toulouse-Lautrec eines seiner bekanntesten Plakate an. Nachdem sie 1895 das Moulin Rouge verlassen hatte, tanzte La Goulue in ihrer eigenen Bude auf dem Pariser Foire du Trône, bevor sie 1900 einen Artisten heiratete und mit diesem als Raubtierbändigerin von Jahrmarkt zu Jahrmarkt zog.
Marcelle Lender (1862-1926)

Ein weiterer Star auf den Pariser Bühnen war die Schauspielerin und Tänzerin Marcelle Lender, die ebenfalls mehrfach von Henri de Toulouse-Lautrec gemalt wurde. Das bekannteste Porträt zeigt Lender Bolero tanzend im Bühnenstück Chilpéric.
Loïe Fuller (1862-1928)

Große Bedeutung für die Entwicklung des modernen Tanzes hatte die amerikanische Tänzerin Loïe Fuller, die ab den 1890er Jahre in Paris auftrat. Ihre durch Lichtspiele ergänzte Bühnenauftritte, darunter der berühmte Serpentinentanz, inspirierten viele Künstler, unter ihnen natürlich auch Henri de Toulouse-Lautrec. Über das tatsächliche Aussehen Loïe Fullers gibt ein neues Medium Auskunft, das damals seinen Siegeszug antrat:




