Nach 139 Jahren in einer Privatsammlung ist ein Damenporträt aus dem 17. Jahrhundert nun als Arbeit des flämischen Meisters Peter Paul Rubens wieder auf dem Auktionsmarkt aufgetaucht. Die Qualität des Gemäldes musste allerdings erst unter einer Schicht aus Schmutz und Staub zum Vorschein gebracht werden – eine Restaurierungsarbeit, die von den Experten von Sotheby's durchgeführt wurde.
Das Gemälde war 1902 noch als ein Werk von Rubens in der Royal Academy in London ausgestellt worden, allerdings gingen seine Ursprünge seitdem verloren, wie Andrew Fletcher, Leiter der Abteilung für Gemälde Alter Meister bei Sotheby's, erklärt.

Eingestaubt und verschmutzt wurde das Porträt vor drei Jahren für 87.000 Euro als Arbeit der Werkstatt Rubens' verkauft. Die damalige Expertenmeinung war, dass einer der Mitarbeiter es unter der Anleitung des Meisters dort in den 1620er Jahren ausführte.
In der Hoffnung, es handle sich doch um einen echten Rubens, brachte er der Käufer von vor drei Jahren zu Sotheby's, um es schätzen zu lassen. Fletcher erzählt, dass das Gemälde von einer Schicht aus "100 Jahren Schmutz und alter Firnis" bedeckt war, sich nach seiner Reinigung jedoch als "wundervoller Rubens" zu erkennen gab.
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Verborgenen Details kamen durch den Einsatz einer Infrarotkamera zum Vorschein. So konnte festgestellt werden, dass während der Ausführung des Gemäldes noch Veränderungen vorgenommen wurden, was laut Fletcher die Authentizität bestätigt, da solche Modifikationen von der wahren Arbeit und Erforschung durch den Künstler zeugen und nicht von einer "sklavischen Kopie".
Es war eine dieser Momente, die man nur ein paar Mal im Jahr erlebt...
"Es gibt eine enorme Veränderung im Himmel, dort wo der Vorhang endet [...] Offenbar war Rubens damit nicht zufrieden und zog ihn weiter hoch, um dem Himmel mehr Raum zu geben. Und was die Gestaltung ihres Kleides betrifft, lässt sich erkennen, dass es zunächst auf eine Weise gemalt wurde und er dann [...] ihre Schultern und die Kontur ihres Kleides erweitert hat. Darüberhinaus lassen sich viele unauffälligere, kleinere Veränderungen der Finger und Hände in seinem Gemälde feststellen", fügt Fletcher hinzu.
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Die Datierung des Porträts in die Mitte der 1620er Jahren beruht auf der Kleidung und der Frisur der dargestellten Dame – ein Stil, der auch in anderen Damenporträts jener Zeit zu finden ist, u. a. in zwei Porträts von Rubens' Frau Isabella Brandt. Das erste wurde 1621 von Anthonis van Dyck ausgeführt, bevor er nach Italien aufbrach, das zwei stammt von Rubens selbst und befindet sich heute in den Uffizien in Florenz.

Rubens befand sich in den 1620er Jahren auf dem Höhepunkt seiner Karriere: Er erhielt Aufträge von den großen europäischen Fürstenhöfen und weiteren Förderern und betätigte sich ab 1623 auch als Diplomat. Auch wenn seine Ambitionen und sein kreativer Geist dazu führten, dass er großen historischen und mythologischen Themen den Vorzug gab, hatte er dennoch regen Anteil daran, jene schematischen Normen zu entwickeln, die die Porträtmalerei Ende des 16. Jahrhunderts charakterisierten.
Rubens besaß das besondere Talent, die Persönlichkeit seiner Modelle herauszuarbeiten, wodurch deren Charakter beinahe spürbar wird und sehr häufig, wie auch in diesem Porträt, eine bestimmte Ausgelassenheit enthüllt. "Obwohl sie in einer eher formalen Haltung posiert, widerspiegelt ihr Gesicht in gewissem Maß ihren Charakter [...] Ich liebe ihren Blick aus den Augenwinkeln mit dem Hauch eines Grinsens", begeistert sich Fletcher.
Das Damenporträt von Peter Paul Rubens wird am 28. Juli mit einem Schätzpreis von 2,5 – 3,5 Millionen GBP (ca. 2,8 – 3,9 Millionen Euro) bei Sotheby's angeboten. Es ist dieselbe Auktion, in der auch eines der letzten Selbstporträts Rembrandts in Privatbesitz versteigert wird.
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