Vor fast genau 92 Jahren, am 20./21. Mai 1927, gelang dem US-amerikanischen Piloten Charles Lindbergh (1902-1974) als erstem Menschen überhaupt die Nonstop-Alleinüberquerung des Atlantiks in einem Flugzeug. Startpunkt war New York, Ziel die französische Hauptstadt Paris. Sein treuer Begleiter bei diesem waghalsigen Unternehmen war das experimentelle Langstreckenflugzeug Spirit of St. Louis. Die Pionierleistung der Luftfahrt machte Lindbergh über Nacht zum Weltstar, für sein Werk über den Atlantikflug wurde er 1954 den Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Der Alleinflug über den Atlantik war in aller Munde. Natürlich bot es sich auch Spielzeugherstellern, die die technologischen Errungenschaften ihrer Zeit en miniature zu kopieren, an, den Flug aufzugreifen. Der Nürnberger Spielzeughersteller Bing tat genau das mit einem Flugspiel, mit dem sich die Atlantiküberquerung Lindberghs nachstellen ließ, mit einer rotierenden Spirit of St. Louis sowie der Freiheitsstatue und dem Eiffelturm als Start- und Endpunkt.

Natürlich ist das Flugspiel nicht das einzige interessante Los, das am 31. Mai und 1. Juni bei Anticomondo zum Aufruf kommt. Vom vermutlich ältesten Hersteller für Blechspielzeug in Deutschland überhaupt, Rock & Graner, das 1813 in Biberach gegründet worden war, stammt das Dampfschiff London. 1851 nahm das Unternehmen an der Weltausstellung in London teil. Es liegt nahe, dass das vorliegende Modell mit dem Ereignis in Verbindung steht.

Mit einem anderen Boot, das von der Firma Eberl hergestellt wurde, fühlt man sich ein wenig in ein Gemälde des ostfriesischen Marinemalers Poppe Folkerts versetzt. Das Blechboot ist allerdings nicht seetüchtig, sondern als Bodenläufer für einen festen Untergrund konzipiert.

Ein Selbstläufer hingegen scheint die Blechfigur Ski Rolf von Lehmann zu sein. Bereits in der vergangenen Auktion von Anticomondo wurde ein Exemplar des alpinen Sportlers angeboten, das für 5.800 Euro verkauft wurde, bei einem Startpreis von 2.100 Euro. Ob es dieses Mal zu einem ähnlichen Preisanstieg kommt (Startpreis: 1.950 Euro)?

Um die Jahrhundertwende war Picard der größte Spielwarenhersteller Frankreichs, der vor allem für seine prachtvollen Kutschen und später auch für seine Automobile bekannt war. Neben einem Doppeldeckerflugzeug kommt dieser einspännige Wagen in der Auktion zum Aufruf.

Die englische Bezeichnung für ein im Deutschen gebräuchlichen Wort "Limousine" ist sedan. Erstmalig angewandt wurde dieses Bezeichnung vermutlich 1912 für ein neues Modell des amerikanischen Automobilherstellers Studebaker. Wie bereits bei dem Charles Lindbergh-Flugspiel hat die Firma Bing auch hier schnell ein Spielzeugequivalent hergestellt.

Neben seinen berühmten Steinen ließ die dänische Spielwarenfirma LEGO zwischen 1955 und 1968 auch Plastikfahrzeuge mit Metallachsen und -rädern herstellen. Bei Anticomondo werden mehrere dieser Fahrzeuge aus einer Sammlung versteigert.

In einer Spielzeugauktion dürfen Eisenbahnen natürlich nicht fehlen, allen voran die Erzeugnisse von Märklin. Eine echte Rarität ist ein uralter Sanitätswagen mit Innenausstattung, der sich im Originalzustand befindet.

Interessant ist auch ein dreiteiliges Los von Märklin, das den Hofzug des Königs Ludwig II. umfasst: Eine Lok mit Schlepptender, den Salonwagen sowie als Set den Terrassen- und den Wagen für den königlichen Hofstaat.

Seit Erfindung der Eisenbahn und dem Ausbau des Schienennetzes in Bayern, ließen dich die Herrscher des kleinen Königreiches Hofzüge bauen. Besonders prachtvoll war jener des Märchenkönig Ludwig II., den dieser jedoch - wie auch die meisten seiner kostspieligen Schlösser - kaum nutzte.

Dies waren nur einige der vielen highlights der kommenden Spielzeug- und Reklameauktion von Anticomondo am 31. Mai (10 Uhr) und 1. Juni (9 Uhr). Insgesamt kommen mehr als 1700 Positionen zum Aufruf. Auktionsort ist das Auktionshaus Anticomondo in der Königstraße 109 in Bornheim. Die Vorbesichtigungen finden an beiden Auktionstagen ab 8 Uhr statt.
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