In der Familie Vérité hat sich die Begeisterung für ethnologische und archäologische Schätze von einer Generation auf die andere übertragen. Begonnen hat es mit dem Maler Pierre Vérité (1900-1992) in den 1920er Jahren, der in den 1920er Jahren sein ersten afrikanisches Kunstwerk erwarb und daraufhin beschloss, als Händler für derartige Objekte zu arbeiten. Gemeinsam mit seiner Frau Suzanne eröffnet er in den 1930er Jahren seine erste Galerie in Paris, 1937 erfolgt der Umzug die zweite Galerie am Boulevard Raspail im Montparnasse, wo man Künstler und Persönlichkeiten wie Pablo Picasso, Helena Rubinstein, Josef Müller und André Breton trifft - und natürlich Sammler der in der Galerie angebotenen Schätze.

In den 1950er Jahren stoßen Pierres Sohn Claude (1928-2018) und dessen Frau Jeanine (*1928) dazu und verwandeln die Galerie in ein echtes Familienunternehmen. Vater und Sohn bereisen Europa auf der Suche nach afrikanischen und ozeanischen, ethnologischen und antiken sowie fernöstlichen Stücken für ihre Galerie, aber auch für ihre private Sammlung. Der Ruhm der Galerie wächst stetig, wobei Diskretion im Vordergrund steht - vor allem, was die Privatsammlung betrifft. Noch im Jahr 1990, am Ende seines Lebens, behauptet Pierre Vérité in einer Interview, dass er keine Sammlung besitze.

Nach Pierres Tod übernehmen Claude und Jeanine die Galerie und führen das Werk von Claudes Eltern fort: Claude verhandelt mit Händlern, Sammlern und Geschäftspartnern, während Jeanine die Beschreibung der Stücke übernimmt.
Bereits zuvor war der Name Vérité in Auktionshäusern aufgetaucht: 2006 wurde ein Teil der Sammlung mit ethnologischer Kunst erfolgreich versteigert. 2011 ein Teil der archäologischen Sammlung. Nach dem Tod Claude Vérités im Jahr 2018 erfolgt nun die Versteigerung der übrigen Stücke dieser intimen Sammlung, die zwei Generationen einer Familie miteinander verbindet.

Der im Hôtel des Ventes de Monte-Carlo angebotene Katalog enthält 189 Lose mit Skulpturen, Amuletten, ägyptischen Sarkophagen, griechischen und römischen Stücken aus Marmor und Bronze sowie Werke aus dem Nahen und Mittleren Osten. Zu den Stücken, die besonders hervorgehoben werden müssen, gehört ein ägyptischer Sarkophagdeckel aus dem 1. Jahrhundert mit dem Gesicht einer jungen Frau. Zur polychromen Bemalung des Deckels gehört auch eine Darstellung der Himmelsgöttin Nechbet in der für sie typische Darstellungsweise als Geier.

Ebenfalls aus dem Alten Ägypten stammt ein männlicher Kopf aus Alabaster (Ende des Mittleren Reichs), eine Statuette der Isis Lactans aus Bronze (26. Dynastie) sowie eine Thot-Ibis-Statuette aus der Spätzeit. Auf Seiten der griechisch-römischen Kunst werden einige Gottheiten darstellende Statuetten präsentiert, darunter mehrmals die Göttin Venus, sowie zwei schwarzfigurige Lekythoi.

Begleitet werden die Lose von dem von Jeanine Vérité zusammengestellten Archivmaterial, das einen einmaligen Einblick in diese mit diskreter Leidenschaft zusammengetragenen Sammlung gewährt.


