Manche Leute zieht es ins Fußballstadion, andere ins Museum – und das ist natürlich auch vollkommen in Ordnung, denn wie Friedrich der Große einst sagte: „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“. Die diesjährige Fußball-Europameisterschaft im Gastgeberland Deutschland wird in zehn Städten mit geeigneter Stadionausstattung ausgetragen, von Hamburg im Norden bis München im Süden, von Düsseldorf im Westen bis Berlin in Osten. Wir haben uns in diesen Städten auf die Suche nach den besten Kunstmuseen begeben, die man natürlich auch unabhängig von der Europameisterschaft auf jeden Fall besuchen sollte.
München
Da in München am 14. Juni das Eröffnungsspiel der Europameisterschaft stattfindet, wollen wir dort beginnen. Als ehemalige Residenzstadt der bayerischen Kurfürsten und Könige und heutige Hauptstadt des Freistaates Bayern hat München natürlich Museen von Weltrang zu bieten, von denen sich viele angenehmerweise nahe beieinander im Kunstareal im Stadtteil Maxvorstadt befinden. Hier findet man das der modernen und zeitgenössischen Kunst gewidmete Museum Brandhorst, die Städtische Galerie im Lenbachhaus, die Staatliche Antikensammlung und das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst, die Alte und die Neue Pinakothek sowie die Pinakothek der Moderne, in die mit dem Neuen Museum das älteste Designmuseum der Welt integriert ist. Auf den neuesten Stand bringt Sie schließlich das Museum of Urban and Contemporary Art in der Altstadt.
Zwar kein Kunstmuseum, aber ungemein bedeutend, sodass man es nicht verpassen darf, ist das den Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik gewidmete Deutsche Museum auf der Museumsinsel in der Isar, welches das weltweit größte Museum seiner Art darstellt. Auch die Münchener Schlösser warten auf einen Besuch, darunter die Residenz mitsamt Schatzkammer und der Staatlichen Münzsammlung und das Schloss Nymphenburg mit seinem herrlichen Park sowie dem Marstallmuseum und dem Porzellanmuseum, in dem selbstredend Werke der Nymphenburger Porzellanmanufaktur gezeigt werden.
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Dortmund
Wer dem Fußball eine Chance geben, auf einen Museumsbesuch aber dennoch nicht verzichten will, der ist in Dortmund genau richtig, denn dort befindet sich das Deutsche Fußballmuseum. Wer die Stadt im östlichen Ruhrgebiet mit der Bahn ansteuert, kann das Museum gar nicht verpassen, denn verlässt man den Hauptbahnhof Richtung Innenstand, findet man das Gebäude gleich zu seiner Rechten. Nicht weit dahinter gelangt man zum Museum Ostwall im Dortmunder U, in dem es Kunst des 20. Jahrhunderts zu besichtigen gibt. Schwerpunkte sind „Brücke“ und „Blauer Reiter“ (mit der zweitgrößten Sammlung der Werke Alexej von Jawlenskys) sowie ZERO, Fluxus und Informel. Wendet man sich auf dem Bahnhofsvorplatz hingegen nach links, gelangt man zum Museum für Kunst- und Kulturgeschichte, das in einem Art déco-Gebäude aus dem Jahr 1924 untergebracht ist und Exponate von der Ur- und Frühgeschichte bis zum 20. Jahrhundert ausstellt.
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Düsseldorf
Die reiche Kunstgeschichte der heutigen Hauptstadt von Nordrhein-Westfalen begann im Jahr 1709 mit dem Bau der Gemäldegalerie durch Kurfürst Johann Wilhelm zu Pfalz-Neuburg. Internationale Bedeutung erlangte Düsseldorf im 19. Jahrhundert durch die an der Königlich-Preußischen Kunstakademie ausgebildeten Künstler, die selbst den renommierten Begriff der „Düsseldorfer Malerschule“ prägten, welcher wiederum von Kunsthistorikern übernommen wurde. In Düsseldorf befindet sich die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, die im K20, K21 sowie im Schmela-Haus ausgestellt wird. Das Museum Kunstpalast beherbergt Gemälde und Skulpturen vom Mittelalter bis zur Gegenwart sowie einige Spezialsammlungen, unter denen die Glassammlung besonders hervorzuheben ist. Gegenüber dem K20 am Grabbeplatz befindet sich die Kunsthalle Düsseldorf, in deren brutalistischen Gebäude Wechselausstellungen gezeigt werden. Über ein wahres Schmuckkästchen verfügt Düsseldorf mit dem bezaubernden Schloss Benrath aus dem 18. Jahrhundert.
Köln
Gegründet von den Römern im 1. Jahrhundert, wurde in der Stadt Köln in den vergangenen 2.000 Jahren jede Menge Kunst zusammengetragen und mit dem Kölner Dom eines der bekanntesten Wahrzeichen Deutschlands errichtet. Einblick in das Leben in der Colonia Claudia Ara Agrippinensium bietet das Römisch-Germanische Museum, in dem u.a. das Dionysosmosaik aus einer römischen Villa, das imposante Grabmal eines Legionsveteranen sowie das faszinierende Braunsfelder Diatretglas bewundert werden können.
Das älteste Museum der Stadt ist das Wallraff-Richartz-Museum, das bedeutende Kunst vom 13. bis 19. Jahrhundert beherbergt. Zwischen Dom und Rheinufer befindet sich das der Moderne gewidmete Museum Ludwig, das von allen Kölner Museen jährlich die meisten Besucher anlocken kann, die dann beispielsweise die umfangreichste Sammlung von amerikanischer Pop Art in Europa betrachten können. Des Weiteren zu erwähnen sind das Museum für Angewandte Kunst sowie das Museum für Ostasiatische Kunst.
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Gelsenkirchen
Mitten im Ruhrgebiet liegt die Stadt Gelsenkirchen und in deren Stadtteil Buer das Kunstmuseum Gelsenkirchen, das in einem historischen Altbau nebst moderner Ergänzung von 1984 untergebracht ist. Das Museum beherbergt Kunst des vergangenen Jahrhunderts, wobei zwei Schwerpunkte besonders hervorzuheben sind: Kunst aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie Kinetische Kunst, die hier in einer der größten Sammlungen Europas vorliegt. Und wenn man schon im Ruhrgebiet ist, sollte man auf jeden Fall die UNESCO-Welterbestätte Zeche Zollverein besuchen, ein ehemaliges Steinkohlebergwerk, das 1986 stillgelegt und in eine Stätte der Industriekultur verwandelt wurde. Im ehemaligen Kesselhaus befindet sich zudem das Red-Dot-Design-Museum. Wer noch weiter nach Essen hineinfährt, sollte sich die schöne Sammlung von moderner und zeitgenössischer Kunst im Museum Folkwang nicht entgehen lassen.
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Hamburg
Auch in der Hansestadt Hamburg finden sich in unmittelbarer Bahnhofsnähe bedeutende Museen. Verlässt man den Hauptbahnhof Richtung Alster, gelangt man zur Hamburger Kunsthalle, die der Held unseres Titelbildes, Caspar David Friedrichs einsamer Wanderer, sein Zuhause nennt. Richtung Süden stößt man auf das Museum für Kunst und Gewerbe, dessen 500.000 Objekte umfassende Sammlung aus der Zeit von der Antike bis zur Moderne und aus verschiedenen Regionen des Planeten Erde stammen. Interessant sind die Period Rooms, darunter Verner Pantons Spiegel-Kantine. Nicht weit entfernt befinden sich die Deichtorhallen, die zu den größten Ausstellungsgebäuden für moderne und zeitgenössische Kunst in Europa zählen. Das Bucerius Kunst Forum am Alten Wall präsentiert vier Ausstellung pro Jahr, die thematisch von der Antike bis zur Gegenwart reichen.
Kein Museum, aber tatsächlich eine der meistbesuchte Sehenswürdigkeiten Deutschlands, ist das Miniaturwunderland, bei dem es sich um die größte Modelleisenbahn der Welt handelt (eingetragen bei den Guinness World Records). Gelegen ist diese Welt im Kleinformat in der Speicherstadt, einer weiteren UNESCO-Welterbestätte in Deutschland.
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Frankfurt am Main
In „Mainhattan“ mit seiner Hochhaus-Skyline geben sich Tradition und Moderne gut sichtbar die Hand. Das bekannteste Kunstmuseum Frankfurts und zudem eines der bedeutendsten in ganz Deutschland ist das Städelsche Kunstinstitut am Mainufer, das Gemälde vom Mittelalter bis heute, eine Graphische Sammlung, Skulpturen, Fotografien sowie eine umfangreiche Präsenzbibliothek beherbergt. Noch mehr Skulpturen findet man in unmittelbarer Nähe im Liebieghaus. Viele weitere Museen tummeln sich am Museumsufer, darunter das Museum für Angewandte Kunst, das Deutsche Filmmuseum und das Deutsche Architekturmuseum.
Mit der Schirn Kunsthalle verfügt Frankfurt in seiner Altstadt, gleich beim Römer, über ein Ausstellungsgebäude von internationalem Renommee, das seit seiner Eröffnung im Jahr 1986 bereits über 240 Schauen präsentierte. Ebenfalls auf dieser Seite des Mains befindet sich das Museum für Moderne Kunst, das Kunst von den 1960er Jahren bis heute zeigt.
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Stuttgart
Mit der alten herzoglichen und später königlichen Residenzstadt Stuttgart haben wir es mit einer weiteren Landeshauptstadt zu tun, die über ein reiches Kunst- und Kulturangebot verfügt. Während das Neue Schloss im Zentrum von der Landesregierung genutzt wird, beherbergt das gleich daneben gelegene Alte Schloss das Landesmuseum Württemberg, in dem steinzeitliche Kunstwerke genauso zu finden sind, wie Fundstücke der Keltenzeit und Gemälde des 19. Jahrhunderts. Daran knüpft die Sammlung des Kunstmuseums Stuttgart an, dessen Sammlung die Kunst vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart repräsentiert. Die bedeutende Staatsgalerie Stuttgart zeigt in einem klassizistischen und einem postmodernen Gebäude Kunst aus mehreren Jahrhunderten.
Die beiden meistbesuchten Museen der Stadt haben allerdings nichts mit Kunst zu tun. Als bedeutender Standort der Automobilindustrie sind es das Mercedes-Benz Museum und das Porsche Museum, die in Stuttgart die Nase vorn haben.
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Leipzig
Seit dem frühen 17. Jahrhundert findet in Leipzig die Buchmesse statt. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die sächsische Stadt Heimat des ältesten Buchmuseums der Welt ist, das Deutsche Buch- und Schriftmuseum. Auch das Museum für Druckkunst ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Das am Johannisplatz gelegene Kulturzentrum Grassi verdankt seine Existenz und seinen Namen einem wohlhabenden Leipziger Kaufmann italiensicher Herkunft. Der weitläufige Gebäudekomplex beherbergt das Museum für Angewandte Kunst, das Museum für Völkerkunde zu Leipzig sowie das Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig, deren Sammlung zudem das Ägyptische Museum und das Antikenmuseum bestückt. Hinzu kommt das Museum der bildenden Künste, das einen breitgefächerten Einblick in die Kunstgeschichte bietet.

Berlin
Das Finalspiel der Europameisterschaft wird schließlich am 14. Juli im Olympiastadion in Berlin ausgetragen. Hier sind in der mit Brandenburger Tor, Reichstagsgebäude und Fernsehturm gespickten, weitläufigen Kulisse jede Menge wichtige Museen zu finden. Im Herzen der Hauptstadt in der Spree befindet sich die Museumsinsel, die als Gesamtkomplex eine weitere UNSECO-Welterbestätte bildet. An der nördlichen Spitze der Insel befindet sich das Bode-Museum mit der Skulpturensammlung, dem Museum für Byzantinische Kunst und dem Münzkabinett. Gleich dahinter ist das Pergamonmuseum gelegen, in dem das babylonische Ischtar-Tor und der namengebende Pergamonaltar bewundert werden können. Ebenfalls Teil des Ensembles sind das Alte und das Neue Museum sowie die Alte Nationalgalerie. Vorbei am Berliner Dom trifft man im südlichen Teil der Insel auf das 2021 eröffnete Humboldt-Forum mit dem Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische Kunst im äußerlich rekonstruierten Berliner Stadtschloss.
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Ein weiteres Kulturforum befindet sich am Potsdamer Platz, wo man die Gemäldegalerie, das Kunstgewerbemuseum, die Neue Nationalgalerie und das Kupferstichkabinett besuchen kann. Ebenfalls hervorzuheben sind das Bauhaus-Archiv und der Hamburger Bahnhof, der die Nationalgalerie der Gegenwart beherbergt. Auch wer gerne Schlösser besichtigt, ist in Berlin an der richtigen Adresse und sollte Schloss Charlottenburg einen Besuch abstatten. Und auf jeden Fall muss ein Abstecher ins nahegelegene Potsdam mit seiner reichen Garten- und Schlösserlandschaft (allen voran Sanssouci, Friedrichs des Großen liebstes Refugium) unternommen werden. Ein Besuch im Museum Barberini, dessen Schwerpunkt der Impressionismus ist, sollte dann auch noch drin sein.
Hier endet nun unsere Rundreise zu den Museen der EM-Städte. Natürlich gibt es überall noch viel mehr zu entdecken, doch das hätte hier eindeutig den Rahmen gesprengt.
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